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Brandenburg Bauern ernten in Wildschwein-Sperrzone Kartoffeln
Brandenburg

Schweinepest in Brandenburg: Bauern ernten in Wildschwein-Sperrzone Kartoffeln 

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17:00 05.10.2020
Die gesamte Wildschwein-Population wird jetzt verstärkt bejagt. Quelle: Andrea Warnecke/dpa
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Potsdam

In Ostbrandenburg gibt es Kritik an den Behörden wegen Ausnahmen beim Verbot von Ackerwirtschaft in der Schweinepest-Sperrzone. Anlass ist eine Sondergenehmigung für die Agrargenossenschaft Neuzelle, die nach Berichten anderer Landwirte seit Tagen in dem Areal Kartoffeln roden, Luzerne häckseln und Maisstoppeln mulchen lässt. Die schweren landwirtschaftlichen Maschinen sind nur rund einen Kilometer von der Stelle entfernt im Einsatz, wo vor rund zwei Wochen mit der Schweinepest infiziertes Schwarzwild gefunden worden war.

Freie Bauern kritisieren „hektischen Dilettantismus“

„Während drumherum in der 15-Kilometer-Gefahrenzone 33.000 Hektar nicht bewirtschaftet werden dürfen, angeblich um die Wildschweine nicht aufzuscheuchen, gibt es in der Zone eine Ausnahmegenehmigung des Veterinäramts – das ist doch ein Irrenhaus“, sagt Reinhard Jung, Sprecher der Vereinigung Freie Bauern Deutschland, die Familienbetriebe in Brandenburg vertritt. Er spricht von einer „Mischung aus administrativer Zwangsruhe und hektischem Dilettantismus“ beim „brandenburgischen Umgang mit der Seuche, über den „inzwischen die halbe Republik den Kopf schüttelt.“

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Das Landratsamt Oder-Spree bestätigte, es habe „in Einzelfallentscheidungen für vier Betriebe am Samstag die Ernte von Futtermitteln zugelassen“. Dabei sei es „ausschließlich um die Sicherstellung der Versorgung der eigenen Tierbestände“ gegangen. Dagegen sei die Kartoffelernte nicht erlaubt worden.

Ausnahmen zur Ernte von Tierfutter

Weiter heißt es in der Stellungnahme des Kreises: „Von einer Kartoffelernte hat das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt am Sonntag Kenntnis erlangt und diese Tätigkeiten sofort einstellen lassen.“ Die Verhängung von Geldbußen werde geprüft, sagte Kreissprecher Mario Behnke auf Nachfrage.

Es seien Schilder aufgestellt worden, die auf das Verbot des Kartoffelstoppelns hinwiesen. Das Landwirtschaftsamt und das örtliche Ordnungsamt würden die Einhaltung überwachen. Die Untersagungsverfügung für landwirtschaftliche Tätigkeiten würden „mindestens bis zum Abschluss der Zaunbaumaßnahmen um die Kernzone“ gelten, teilte der Kreis mit.

Wie das Gesundheitsministerium am Montag mitteilte, wird die Restriktionszone jetzt vergrößert. Es gibt nun zwei Kerngebiete und ein zusammenhängendes gefährdetes Gebiet. Das bisherige gefährdete Gebiet wurde in nördlicher Richtung bis Märkisch-Oderland verlängert und umschließt nun Frankfurt (Oder). Die Kerngebiete sind fast 200 Quadratkilometer groß, das gefährdete Gebiet hat eine Fläche von 2200 Quadratkilometern.

Vier spezielle Suchhunde aus dem Saarland unterstützen seit Montag bei der Suche nach Wildschweinkadavern im Landkreis Spree-Neiße. Ein weiterer Hund werde am Dienstag erwartet, der die Trupps unterstützen werde, sagte Gabriel Hesse, Sprecher des Brandenburger Verbraucherschutzministeriums, auf Anfrage.

Nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest wird nach den Angaben mit Hochdruck in den betroffenen Landkreisen Spree-Neiße, Oder-Spree und Märkisch-Oderland nach toten Wildschweinen gesucht: Menschen, Hunde und Drohnen sondieren das Terrain. Nach und nach könnten auch weitere land- und forstwirtschaftliche Flächen nach intensiver Suche für die Landwirte freigegeben werden, sagte Hesse.

Flächendeckende Jagd

„Wir müssen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest verhindern“, betonte Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Grüne) am Montag. Jäger sollen nach den Angaben ab sofort flächendeckend Wildschweine erlegen und noch intensiver verendete Wildschweine suchen und Proben nehmen. Die Aufwandsentschädigung für die Meldung und Beprobung von tot aufgefundenen Wildschweinen beträgt 50 Euro. In den gefährdeten Gebieten gilt noch ein vorläufiges Jagdverbot für alle Tierarten.

Nach den Angaben stieg die Zahl der im vergangenen Jagdjahr 2019/2020 erlegten Wildschweine im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent an. Mit 102 131 Tieren wurde eine Rekordstrecke erzielt. Allerdings deutet nichts darauf hin, dass die Gesamtpopulation zurückgeht.

Bisher wurde in Brandenburg die Afrikanische Schweinepest bei 49 Wildschweinen nachgewiesen. Die Krankheit war vor rund drei Wochen in Brandenburg zum deutschlandweit ersten Mal ausgebrochen. Die Seuche ist für Menschen ungefährlich, für Wild- und für Hausschweine fast immer tödlich.

Von RND/dpa