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Brandenburg „Brandenburg ist noch nicht so überhäuft mit Firmen“
Brandenburg „Brandenburg ist noch nicht so überhäuft mit Firmen“
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10:45 05.10.2019
Der Schweizer Botschafter Paul Seger. Quelle: Gabriele Spiller
Potsdam

Die Eidgenossen sind die zweitstärksten Investoren in Brandenburg. Paul Seger, der schweizerische Botschafter in Deutschland, spricht über die Wirtschaftsbeziehungen, die Rezession und die Stärke des Schweizer Franken.

Herr Botschafter, seit gut einem Jahr residieren Sie direkt neben dem Bundeskanzleramt in Berlin. Welchen Bezug haben Sie bisher zu Brandenburg?

Mit der Belegschaft der Schweizer Botschaft haben wir unseren diesjährigen Betriebsausflug in den Spreewald gemacht und ich habe ein Referat am Marie-Curie-Gymnasium in Wittenberge gehalten. Potsdam, übrigens seit 2002 die Partnerstadt von Luzern, ist wunderschön. Ich zeige es gerne Freunden und Familie, die zu Besuch kommen.

Im August haben Sie den Brandenburger Ministerpräsidenten Dietmar Woidke getroffen. Worum ging es bei Ihrem Antrittsbesuch?

Es gehört zu meinen Aufgaben, alle 16 Bundesländer zu besuchen, das ist eine Frage der Freundschaft, des Anstands und Respekts. Zu dem Zeitpunkt stand Brandenburg kurz vor den Wahlen, da machten wir eine Tour d’Horizon, sowohl politisch als auch zu anderen Bereichen, die man vertiefen könnte.

Wie werden die wirtschaftlichen Beziehungen derzeit gepflegt?

Mit der schweizerischen Handelsförderung Swiss Global Enterprise möchten wir die Beziehungen verstärken. Brandenburg ist ein Teil Deutschlands, der noch nicht so überhäuft ist mit Firmen. Ein Vorteil ist auch die Nähe zu unserer eigenen Kultur, die Sprache, die Rechtssicherheit, die Berechenbarkeit und die Infrastruktur.

Da gibt es nichts mehr zu optimieren?

Doch, wenn man moderne digitale Unternehmen anlocken will, braucht es entsprechende Infrastruktur. Funklöcher habe ich selbst schon ein paar Mal erlebt. Aber auch die Verkehrsanbindung durch die Schiene hat Luft nach oben – in der Zuverlässigkeit, in der Frequenz, der Geschwindigkeit und der Anbindung von Orten.

In Brandenburg investieren derzeit 34 Schweizer Firmen, gibt es da Branchenschwerpunkte?

Zunächst ist interessant, dass die Schweiz nach den USA der größte Investor in Brandenburg ist. Würde man das auf die jeweilige Einwohnerzahl umrechnen, wären wir also mit großem Abstand auf Platz 1. Die Engagements haben eine große Bandbreite und reichen von der Stadler Rail-Fertigungsstätte, Endress und Hauser mit Präzisionsgeräten, der Von Roll Holding mit Mess- und Regeltechnik über die gläserne Molkerei der Emmi AG bis zu Oviva, einem App-basierten Dienstleister für Ernährungstherapie.

Wo sehen Sie die Herausforderungen, damit solche Unternehmen bleiben?

Die Bildung und der Fachkräftemangel beschäftigen uns hüben wie drüben. Beide Länder haben das duale Ausbildungssystem und sind gut damit gefahren, nicht nur akademische Studien zu fördern, sondern auch Handwerker, Techniker, Spezialisten, die das Tagewerk erbringen. Als ich zuvor drei Jahre in Myanmar in Burma war, habe ich dort eng mit Deutschland zusammengearbeitet, um ein duales Berufssystem mit Lehrwerkstätten aufzubauen.

Welche Rolle spielt Ihrer Einschätzung nach der gegenüber dem Euro langsam wieder erstarkte Schweizer Franken?

Das ist Segen und Fluch: Der Schweizer Franken wird als Währung der Stabilität wahrgenommen, unser Export und der Tourismus leiden jedoch genau darunter. Wir verdanken jeden zweiten Franken unseres Wohlstands dem Außenhandel, und 50 Prozent unseres Exports gehen in die Europäische Union. Gegen Spekulationen können wir wenig unternehmen, auch wenn die Schweizerische Nationalbank versucht, den Euro mit Stützungskäufen zu halten.

Rechnen Sie mit Auswirkungen der erwarteten Rezession in Deutschland auf die Schweizer Investoren?

Auf dieses Szenario müssen wir uns realistischerweise vorbereiten. Man hat im vergangenen Jahr bereits eine spürbare Abschwächung der schweizerischen Direktinvestitionen in Deutschland feststellen können. Wir hoffen, dass sich eine Rezession, die teilweise schon eingetroffen ist, in überschaubaren Grenzen hält und nur eine vorübergehende Abschwächung ist. Aber das sind Zyklen eines normalen Wirtschaftsablaufs: Deutschland hat jetzt zehn Jahre ein ununterbrochenes Wachstum erlebt. Dadurch sind auch viele Deutsche, die in die Schweiz ausgewandert waren, in ihr Heimatland zurückgekehrt, weil Löhne und Gehälter angepasst wurden. Das hat auf die Arbeitsplätze bei uns natürlich auch wieder Konsequenzen.

Gut 20 brandenburgische Unternehmen haben eine Niederlassung in der Schweiz, beispielsweise die Caleg Group für Schaltschränke, der Modekonzern Clinton, MAGE stellt Dachbefestigungen her und ZEDAS Bahn-Software.

Deshalb geht es in der Wirtschaftszusammenarbeit auch nicht darum, den einen Standort gegen den anderen auszuspielen, sondern um Expansion und die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Von Gabriele Spiller

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