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Brandenburg Sechs neue Abgeordnete berichten: So war mein erster (Land)tag
Brandenburg Sechs neue Abgeordnete berichten: So war mein erster (Land)tag
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16:11 26.09.2019
Elske Hildebrandt. Quelle: Werner Schuering
Potsdam

88 Abgeordnete hat der neue Brandenburger Landtag – zur konstituierenden Sitzung am Mittwoch waren auch alle Parlamentarier anwesend. Die deutliche Mehrheit davon – 50 – ist neu im Landtag. Dass an ihrem ersten richtigen Arbeitstag wenig Harmonie im Hohen Haus erlebt, lag vor allem an Alterspräsidentin Marianne Spring-Räumschüssel (AfD, 73), die in ihrer Rede die anderen Parteien provozierte. Sechs Debütanten – aus jeder Fraktion einer –haben der MAZ erzählt, wie sie ihren ersten (Land)tag erlebten.

Elske Hildebrandt (SPD)

Hildebrandt hatte schon zur Konstituierung alle Hände voll zu tun. „Ich war im Plenarsaal als Schriftführerin eingeteilt und musste ganz schön hin und her wetzen“, sagt die 45-Jährige, die in Märkisch-Oderland überraschend ein Direktmandat gewonnen hatte. Da sei gar nicht viel Zeit geblieben, die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten, sagt die Tochter der früheren SPD-Ikone Regine Hildebrandt.

Elske Hildebrandt bei einem Wahlkampfauftritt mit Ministerpräsident Dietmar Woidke. Quelle: Patrick Pleul/dpa

Den Landtag kannte sie bereits von früheren Besuchen, dennoch empfand sie „Respekt“, als sie im Plenarsaal Platz genommen hatte. Überrascht war sie über den Auftritt der AfD-Alterspräsidentin. „Damit hatte ich nicht gerechnet. Da wird man schnell in die Realität geholt und konnte erahnen, welche Verantwortung auf einen zukommt.“

Auf ihr neues Politikerleben freut sich Elske Hildebrandt, die ihre bisherige freiberufliche Tätigkeit als Kita-Beraterin erst einmal an den Nagel gehängt hat. Als Inhaber eines Schallplatten-Ladens und eines kleinen Verlags in Woltersdorf (Oder-Spree) wird sie erst einmal kürzer treten, wie sie sagte. Im Landtag würde sie gern die Themen Bildung und Soziales bearbeiten.

Felix Teichner (AfD)

Teichner ist mit seinen 28 Jahren der jüngste Parlamentarier seiner Fraktion. Teichner geht mit großen Erwartungen an seine neue Tätigkeit heran. „Ich will der Jugend eine Stimme geben“, sagt Teichner, der in Prenzlau das Direktmandat geholt hatte und in der Uckermark auch AfD-Kreischef ist. „Ich bin ein Bauernsohn aus der Uckermark“, sagte er.

Felix Teichner Quelle: privat

Zuletzt arbeitete er als Pumpenschlosser in der Raffinerie in Schwedt gearbeitet. „Ich bin sozusagen von der Werkbank aus der Zeitarbeit direkt in den Landtag gekommen.“ Dieser Job verdiene ebenso Respekt wie der eines Landtagsabgeordneten, betonte er. Seinen Platz im Plenarsaal findet er schon einmal perfekt. „Ich sitze ganz hinten links und kann alles gut überschauen.“

Julian Brüning (CDU)

Brüning ist mit 25 Jahren der Jüngste im Landtag. Besonders aufgeregt an seinem ersten Tag war der Landesvorsitzende der Jungen Union aber nicht, er verspüre im Plenarsaal eher „Verantwortung vor dem Wähler“, sagte Brüning ein wenig staatstragend und klang, als wäre er schon Jahre in diesem Job. In den Landtag kam der Lausitzer über einen guten Landeslisten-Platz, den er im Duell mit CDU-Urgestein Dieter Dombrowski erkämpfte – gegen den Willen der damaligen CDU-Führung.

Julian Brüning (CDU) ist der jüngste Abgeordnete im Brandenburger Landtag Quelle: Igorg

Eingesetzt wurde Brüning bei seiner Premiere als Schriftführer. Er musste die Stimmen bei den Wahlgängen zählen. „Das war simpel.“ In der Fraktion würde er gern in den Bereichen Bildung, Kultur, Sport tätig sein. Die Rede der Alterspräsidentin von der AfD sieht er kritisch: „Ein wenig mehr Demut vor dem Amt hätte der Sache gut getan.“

Isabell Hiekel (Grüne)

Hiekel hat ihren ersten Arbeitstag im Parlament mit gemischten Gefühlen erlebt. Als „Neuling“ sei sie im Landtag und in der eigenen Fraktion gut aufgenommen worden, sagt sie und sieht zugleich eine „schwierige Zeit“ auf die Abgeordneten zukommen. Der hohe Anteil an AfD-Abgeordneten macht der 56-jährigen Lausitzerin Sorgen, die bislang im Landesumweltamt für Wasserwirtschaft zuständig war und über die Landesliste in den Landtag eingezogen war. Schon bei der Konstituierung habe sich ein „Graben“ im Parlament aufgetan.

Isabell Hiekel Quelle: Grüne

Es sei aber gut gewesen, die AfD nicht in eine Opferrolle zu drängen. Sie selbst hofft, in der Umweltpolitik Akzente setzen zu können und hofft, dass der Klimaschutz in den Mittelpunkt des Regierens gestellt wird. Und sie hofft, dass die potenziellen Partner der Grünen in der „Kenia“-Koalition, SPD und CDU, da auch mitmachen. Hiekel ist auch Mitbegründerin des Aktionsbündnisses „Klare Spree“.

Sebastian Walter (Linke)

Walter legte die wohl steilste Karriere aller Neuankömmlinge hin. Der 29-Jährige wurde aus dem Stand Fraktionsvorsitzender (gemeinsam mit Kathrin Dannenberg) und sitzt deshalb in der ersten Reihe im Plenarsaal. Den betrat Walter am Mittwoch zum ersten Mal, wie er bekannte. Überrascht war er nur, wie eng die Abgeordneten doch beieinander sitzen. „Der Saal ist gar nicht so groß wie ich glaubte.“

Sebastian Walter führt die Linken-Fraktion gemeinsam mit Kathrin Dannenberg Quelle: Soeren Stache/dpa

Der erste Moment, als er am Mittwoch hinein kam, sei allerdings beklemmend gewesen, erzählt er, als er den „großen Block“ der AfD-Abgeordneten auf der anderen Seite gegenüber der Linken-Fraktion wahrnahm. „Das war komisch. Ich wollte ja eigentlich nicht, dass die in den Landtag kommen.“ Über die Rede der Alterspräsidentin von der AfD ist er empört. „Das war ein bewusster Missbrauch des Amts, um Propaganda zu verbreiten.“  

Philip Zeschmann (Freie Wähler)

Zeschmann zog über die Landesliste seiner Bürgerbewegung in den Landtag ein. Die Konstituierung empfand der 52-Jährige als sehr förmlich. „Das war ja wie ein Hofzeremoniell.“ Er hätte lieber den Landtag vom dienstältesten Abgeordneten eröffnen lassen statt von einer Alterspräsidentin, so Zeschmann, der von der Rede der neuen Präsidentin Ulrike Liedtke beeindruckt war. „Wir werden sie an ihren vielen guten Versprechungen messen, vor allem zur besseren Beteiligung der Bürger.“

Ob Phlilip Zeschmann im Landtag ein Licht aufgeht? Quelle: B Guerkan

Ein wenig kennt Zeschmann die Abläufe im Parlament. Er war zwei Jahre Mitarbeiter des früheren Abgeordneten der Freien Wähler, Christoph Schulze, und begleitete den BER-Untersuchungsausschuss. Der Kommunalpolitiker aus Schöneiche (Oder-Spree) will sich um Haushalt und Infrastruktur kümmern.

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Von Igor Göldner

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