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Brandenburg Nach 27 Jahren: Seniorenverband in Brandenburg löst sich auf
Brandenburg Nach 27 Jahren: Seniorenverband in Brandenburg löst sich auf
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14:57 30.12.2018
Einige Ortsverbände des Seniorenverbandes setzen nun auf Selbstständigkeit.
Einige Ortsverbände des Seniorenverbandes setzen nun auf Selbstständigkeit. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/DPA
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Potsdam

27 Jahre nach seiner Gründung löst sich der Brandenburgische Seniorenverband (BSV) zum 31. Dezember 2018 auf. „Es haben sich zuletzt keine Kandidaten für einen neuen Vorstand gefunden“, erklärt Dieter Butz, BSV-Vizevorsitzender, aus Beeskow (Oder-Spree). Weil der Verbandsvorsitzende krankheitsbedingt sein Amt nicht ausführen kann, vertritt ihn Butz seit zwei Jahren. Bei einer Vorstandsneuwahl wäre er der einzige Kandidat gewesen. „Wir brauchen aber mindestens noch einen Stellvertreter und einen Kassenwart“, sagt er.

Noch 44 Ortsgruppen sind derzeit noch dabei

Zum Jahresende sind noch 44 Ortsgruppen mit insgesamt gut 2500 Mitgliedern im Verband vertreten. 1991, als der Seniorenverband als Ableger des westdeutschen „Bundes der Ruheständler, Rentner und Hinterbliebenen“ (BRH) in Brandenburg gegründet worden war, hat es nach den Angaben noch 55 Ortsgruppen gegeben. Vor zehn Jahren nannte sich der BRH in BSV um. „Der Verband hat die Bedeutung der Seniorenvereinigungen in Brandenburg hervorgehoben“, sagt Dieter Butz. Eine Chance für eine Neugründung des BSV sieht der 78-Jährige aber nicht.

Mitgliederschwund hält an

„Dafür gab es auch von Seiten der Politik zu wenig praktische Unterstützung“, kritisiert er. Es hätte viel mehr gefördert werden müssen. Hinzu komme: Das Durchschnittsalter im Verband liege bei gut 80 Jahren. Nachwuchs sei kaum zu finden. Der Mitgliederschwund in vielen Ortsverbänden erkläre sich auch dadurch, dass sich jüngere Ruheständler oft noch gar nicht als Senioren sehen würden.

Deutsches Rotes Kreuz als neuer Träger

Seit etwa Mitte des Jahres war absehbar, dass der BSV im Land keine Zukunft haben wird. Entsprechend haben sich viele Ortsgruppen um eine neue Existenzform gekümmert. „Ich konnte in der letzten Zeit viele Ortsgruppen bei ihrer Neuorganisation unterstützen“, berichtet Butz. So werde sich seine Ortsgruppe in Beeskow ab 1. Januar 2019 unter der Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wiederfinden. „Wir hatten in der Vergangenheit schon gut zusammengearbeitet“, sagt Butz. Das DRK gewähre ihrer neuen, über 100 Mitglieder zählenden Ortsgruppe weitgehende Autonomie. Auch werden keine Verbandsbeiträge verlangt.

Wittstocker und Prenzlauer machen sich selbstständig

Für die Ortsgruppe in Prenzlau stand frühzeitig fest, dass die 94 Mitglieder selbstständig bleiben wollen. „Deshalb haben wir uns schon im Oktober als Verein neugegründet“, erklärt Vereinsvorstandsmitglied Karin Franke. Für Eigenständigkeit hat sich auch die Ortsgruppe in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) entschieden. „Wir werden uns Ende Januar als Verein neugründen“, sagt Vorstandsmitglied Waltraud Prüter. Bisher haben elf Ortsverbände den Weg in die Selbstständigkeit gewählt, wie Dieter Butz berichtet. Bei zwölf Ortsgruppen ist die Zukunft ungewiss. So besteht in Strausberg (Märkisch Oderland) nur eine von vormals zwei Ortsgruppen fort. Wie größere Ortsverbände beispielsweise aus Frankfurt (Oder), Fürstenwalde (Oder-Spree) und Bernau (Barnim) werden sich die Strausberger Senioren auch in einem Verein neuorganisieren. „Hinderlich sind hierbei aber oft die bürokratischen Hürden“, kritisiert Butz.  

Von Christian Bark