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Brandenburg Königlicher Besuch: So bereitet sich Protokollchef vor
Brandenburg Königlicher Besuch: So bereitet sich Protokollchef vor
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00:19 22.05.2019
Willem-Alexander, König der Niederlande, und Maxima, Königin der Niederlande. Quelle: dpa/Mohssen Assanimoghaddam
Potsdam

Was gibt es beim Festessen? Wie spricht man einen König an und wie groß ist die Eskorte? Oliver Schmidt (53), Protokollchef der Staatskanzlei in Potsdam, erläutert Einzelheiten zum Besuch des niederländischen Königspaars ab Dienstag.

Wie werden Sie das Königspaar anreden?

Oliver Schmidt: „Majestät“ beziehungsweise „Ihre Majestäten“.

Verglichen mit Queen Elisabeth II. oder anderen Staatsoberhäuptern - welchen Status hat das niederländische Königspaar? Gibt es ein Ranking?

Nein. Staatsoberhaupt ist Staatsoberhaupt. Es gilt der protokollarische Grundsatz der Gleichbehandlung. Was diesen Besuch von anderen unterscheidet: Es ist kein zeremonieller Besuch, sondern ein Arbeitsbesuch. Darauf legen die Niederländer großen Wert. Bei dem Programm geht es nicht darum, schöne Bilder zu produzieren oder Orte mit niederländischer Vergangenheit oder Verbundenheit aufzusuchen. Das Paar wird unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle von mehreren großen Wirtschaftsdelegationen begleitet.

Es geht primär um Wirtschaftsförderung?

Ja, das Programm beginnt in Mecklenburg-Vorpommern mit Werft-Besuchen und Visiten zum Thema Erneuerbare Energien und Leben auf dem Land. In Nauen wird ein Bauernhof besucht, begleitet von einer Delegation niederländischer Jungbauern. Die setzen sich mit der Digitalisierung in der Landwirtschaft, mit Fachkräftemangel und dem Betriebsübergang an die junge Generation auseinander. Die Niederländer wissen ganz genau, was sie wollen: Auf dem Potsdamer Telegrafenberg etwa wird es um Wissenschaftszusammenarbeit gehen. In Babelsberg geht es in die Filmstudios und in ein Studio für 360-Grad-Filme.

Wird gleichwohl ein roter Teppich ausgerollt?

Wir sind in Brandenburg und die Außendarstellung dieses Landes ist eine sehr zurückhaltende - auch im Vergleich zu anderen Bundesländern. Wir legen für das eigene Staatsoberhaupt keinen roten Teppich aus und wir tun es auch für fremde Staatsoberhäupter nicht mehr.

Brandenburg besitzt aber schon noch rote Teppiche?

Ja, wir haben noch welche im Keller.

Wann ist der Teppich letztmalig ausgerollt worden?

Seit ich im Amt bin, habe ich noch keinen Teppich ausrollen lassen. Zum Besuch der Queen im Jahr 2004 wurde es gemacht. Es war ein offizieller Staatsbesuch. Staatsbesuch heißt: Der Bundespräsident hat das Staatsoberhaupt eines anderen Staates eingeladen. Von solchen Staatsbesuchen gibt es nur vier im Jahr. Sie folgen einem genau vorgegebenen Ablauf. Neben Berlin werden zwei Bundesländer besucht, der Aufenthalt beträgt mindestens fünf Tage. Es gibt großen Bahnhof, große Beflaggung, große Eskorte.

Wie viele Polizeimotorräder werden das Königspaar aus den Niederlanden begleiten?

Ein Staatsoberhaupt auf Arbeitsbesuch erhält eine Eskorte von sieben Krädern. 21 wären es bei einem offiziellen Staatsbesuch.

Wer wird offizielle Reden halten?

Wir sind als Land nur an zwei Stellen Herren des Verfahrens, also einladende Stelle. In der Staatskanzlei wird sich das Paar ins Goldene Buch eintragen, aber eine Rede wird es nicht geben. Ein Gespräch unter acht Augen zwischen dem Königspaar und dem Ministerpräsidenten und seiner Frau ist vorgesehen. Dann hat der Ministerpräsident zum Essen in die Neuen Kammern im Park Sanssouci geladen - dort wird Dietmar Woidke reden und der König. Thema wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa sein.

Wer darf teilnehmen an diesem Essen?

Die Spitzen der Verfassungsorgane - Landtagpräsidentin und Vizepräsident sowie der Präsident des Verfassungsgerichts - sind eingeladen, außerdem der Chef des Landkreistags und des Städte- und Gemeindebundes. Ganz bewusst sind Menschen eingeladen, die sich in diesem Land mit dem deutsch-polnischen Verhältnis befassen. Die Präsidenten der Euro-Regionen sind eingeladen, die Bürgermeister von Frankfurt (Oder) und Slubice, Guben und Gubin, außerdem der Chef des deutsch-polnischen Jugendwerks.

Was gibt es zu essen - Schmorgurke?

So schlimm kommt es nicht. Es wird sehr brandenburgisch. Wir haben Alexander Dressel vom Bayerischen Haus in Potsdam mit dem Catering beauftragt. Er hat langjährige Erfahrung als Sternekoch und arbeitet schon lange mit heimischen Produkten. Es wird drei Gänge geben. Als Vorspeise spielen Zander und Aal eine Rolle. Natürlich wird es im Hauptgang Spargel geben, ergänzt durch Kalbsfilet. Ein Brandenburger Panna cotta aus Büffelmilch gibt es zum Dessert.

Gibt es zum Spargel Sauce hollandaise?

Natürlich.

Steht das Holländische Viertel auf dem Besuchsprogramm?

Nein. Das hatten wir geprüft. Die Mutter des Königs war einmal dort.

Manchmal gibt es kleinere Missgeschicke bei Staatsbesuchen. Matthias Platzeck hat 2004 die Queen am Arm berührt, als sie am Bahnhof in die falsche Richtung gehen wollte. Was haben Sie daraus gelernt?

Alle haben herzlich darüber gelacht, die Queen auch. Sie war dankbar über die klare Wegweisung, denke ich. Es sind alles nur Menschen. Wir haben daraus gelernt, dass wir so genau wie möglich alles planen müssen. Wir fertigen Wegeskizzen an, gehen das Programm im Voraus durch mit dem Ministerpräsidenten. Zusammen mit dem Kollegen des Hofs in Den Haag werde ich den Besuch begleiten. Der König bringt einen Zeremonienmeister mit, die Königin ihre erste Hofdame. Am besten ist es, wenn das Protokoll gar nichts zu tun hat.

Gibt es eine Kleiderordnung?

Nein, es ist erfrischend normal. Die Niederländer sind extrem unkompliziert.

Wird es viele Sperrungen geben?

Punktuell immer dann, wenn sich die etwa 20 Fahrzeuge umfassende Kolonne durch die Stadt bewegt. Am Vormittag des 22. Mai wird das immer wieder passieren in Potsdam.

Wo kann man als Bürger den Gästen begegnen?

In der Staatskanzlei bei der offiziellen Ankunft, wenngleich der Zugang aus Platzgründen auf 200 limitiert ist. Ohne Einschränkungen kann man auf der Terrasse des Schlosses Sanssouci auf die Gäste warten. Das ist am 22. Mai gegen 13 Uhr. Man muss sich nicht anmelden, einfach nur hinkommen. Der Zugang von der historischen Mühle wird gesperrt sein, aber man kann aus dem Park die Weinbergterrassen hochgehen oder über die Wachtreppe von der Schopenhauerstraße aus. Das ist in der Nähe des Grabs Friedrichs des Großen. Man wird Hände schütteln können.

Wird es Gastgeschenke geben?

Nein.

Klingt alles recht wenig formell für einen königlichen Besuch - dennoch sind selten echte Royals im Land.

Ja, Besuche dieser Qualität haben wir ganz selten. Der Großherzog von Luxemburg war mal da und Prinz Charles - das war 2009. Was den anstehenden Besuch heraushebt: Die anderen Gäste besuchen üblicherweise Deutschland und machen einen Ausflug nach Brandenburg. Der aktuelle Besuch gilt ausschließlich den beiden Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg - das Königspaar war schon in allen anderen Bundesländern. Es lässt also die Bundesebene komplett links liegen.

Was sagt uns das über die Niederländer und ihre Interessen?

Dass die Niederländer die bundesdeutsche Verfassung viel stärker verinnerlicht haben als viele andere und dass sie mit dem Besuch nicht Außenpolitik betreiben, sondern Wirtschaftsförderung. Sie verstehen, dass Wirtschaftsförderung Ländersache ist und man sich mit den unterschiedlichsten Gegebenheiten in den Ländern auseinandersetzen muss.

So geht eine erfahrene Handelsnation vor.

Ja. Die Niederlande haben nur zwei Nachbarstaaten: Belgien und Deutschland. Deutschland ist für die Niederlande der zentrale Markt für so ziemlich all ihre Produkte. Der Besuch ist auch Zeichen eines ganz persönlichen Anliegens des Königs. Er hat die Länderbesuche eingeführt.

Von Ulrich Wangemann

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