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Brandenburg So feiert der evangelische Landesbischof Advent und Weihnachten
Brandenburg So feiert der evangelische Landesbischof Advent und Weihnachten
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14:39 22.12.2019
Christian Stäblein ist seit November Landesbischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Quelle: Gregor Fischer/dpa
Potsdam

Mitte November hat Christian Stäblein (52) sein Amt als evangelischer Landesbischof angetreten. Die MAZ traf ihn kurz vor Weihnachten zum Interview.

Bischof Stäblein, das erste Weihnachtsfest als Landesbischof steht vor Ihnen. Wie verbringen Sie das Fest? Lässt die Gottesdienst-Agenda überhaupt zu, dass sie zur Ruhe kommen?

Ich nehme mir die Zeit dafür. Aber der Advent ist auch für mich eine Mischung aus Hektik und Besinnlichkeit. Da geht es mir wie den meisten Menschen, da bin ich keine Ausnahme.

Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass wir Weihnachten mit so viel Stress verbinden ?

Das war wohl schon immer so: viel Erwartung, viel Vorfreude – aber auch die Erfahrung: das, worauf es ankommt, können wir nicht machen, nicht erzwingen, im Gegenteil: Weihnachtsfrieden stellt sich ein gutes Stück im Loslassen und zur Ruhe kommen ein. Dazu gehört auch die Erfahrung: Dass alles im Glanz strahlen soll, überfordert schnell. Viele Menschen erleben auch die Kehrseite, fühlen sich allein, wenn es überall hell ist in besonderer Weise allein. Weihnachten bedeutet deshalb: Jesus Christus kommt in die Welt, er will gerade für die Menschen in der Dunkelheit da sein.

Ihre Hauptaufgabe als Bischof ist die Verkündung des Evangeliums, der Frohen Botschaft. Wie könnte diese Botschaft in den Zeiten der gesellschaftlichen Polarisierung lauten?

Eine der wichtigsten Botschaften des Weihnachtsfestes lautet: Fürchtet euch nicht! Leider gibt es politische Kräfte, die mit Angstmacherei arbeiten. Mein Appell lautet, dass wir bei allen Unterschieden und Auseinandersetzungen uns in einem Punkt einig sind: Wir dürfen nicht Furcht und Angst gegeneinander instrumentalisieren und uns nicht von denen bestimmen lassen, die das versuchen.

„Weder Rechtspopulismus noch menschenfeindliche Positionen sind mit dem Evangelium zu vereinbaren“

Diese Botschaft scheint aber nicht bei allen anzukommen. Politiker werden bedroht, die gesellschaftliche Auseinandersetzung ist schärfer geworden. Bekommen Sie selbst auch Hass-Mails?

Bisher nicht, nein. Das darf auch so bleiben. Als Propst habe ich durchaus unschöne Mails bekommen, als ich mich für die Trauung eingetragener Lebenspartnerschaften eingesetzt habe. Aber das waren keine Hass-Mails, nein.

Die Frage drängt sich auf, weil sich Ihr Amtsvorgänger, Bischof Dröge, klar gegen rechtspopulistische Tendenzen ausgesprochen hat. Sehen Sie sich auch als politischen Landesbischof?

Das Evangelium hat immer auch eine politische Wirkung. Und: weder Rechtspopulismus noch menschenfeindliche Positionen sind mit dem Evangelium zu vereinbaren.

Dass die Evangelische Kirche ein Flüchtlings-Rettungsschiff finanziert, ist durchaus umstritten. Stehen Sie zu dieser Entscheidung?

Ja, denn aus meiner Sicht gibt es zunächst die Pflicht, Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Es bleibt die bedingungslose Aufgabe für Christenaus dem Gebot der Nächstenliebe heraus. Die Aufgabe der Politik ist es, die Ursachen der Flüchtlingsbewegungen zu bekämpfen. Das Schiff ist ein Hinweis darauf: hier ist etwas ungelöst.

Sie wollen als Bischof ein „Hingucker“ sein, einer, der fragt, wie es den Gemeinden geht. Wie geht es den Gemeinden in Brandenburg?

Viele Gemeinden sind viel lebendiger, als mancher vielleicht annehmen mag. Wenn ich zum Beispiel an die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack denke, da ist so viel Leben in der Gemeinde. Wie dort erlebe ich es an vielen Stellen in Brandenburg. Es gibt Orte mit treuen Christinnen und Christen, die zwar wenig an der Zahl sind, aber in beeindruckender und sehr würdiger Weise den Glauben in ihrem Ort lebendig leben. Woran wir zum Glück auch keinen Mangel haben, ist die große Zahl an Ehrenamtlichen. Sie sind die Säule des kirchlichen Lebens.

Die Freiburger Studie prognostiziert der Kirche eine Halbierung der Mitgliederzahlen bis 2060. Ist das jetzt optimistisch oder pessimistisch geschätzt?

Die Studie bildet verschiedene Szenarien ab, optimistischere und pessimistischere. Wichtig ist, dass uns die Studie ein paar Themen aufgegeben hat, über die wir reden müssen. Da ist zum einen die Frage der Taufe. Die Tradition bricht ab, das Ritual wird seltener weitergegeben. Zum anderen ist da die Frage, warum gerade die Gruppe der 18- bis 35-Jährigen in signifikanter Zahl die Kirche verlassen.

Die Redewendung von der Kirche, die im Dorf zu lassen sei, bekommt da eine neue Bedeutung. Werden sich die Gotteshäuser in den Gemeinden halten können?

Wir sind in dieser Hinsicht „steinreich“, in wahrsten Sinne des Wortes: wir haben viele tolle Kirchengebäude.. Ich möchte, dass wir diese Kirchen als lebendige Orte bewahren, nicht als Museen. Es gibt wunderbare Ideen dazu, etwa der Brandenburger Dorfkirchensommer mit seinen Lesungen, Konzerten und Ausstellungen. Ja, es ist gut, wenn wir die Kirche im Dorf lassen, denn sie erinnert uns daran, dass das Leben ein Geschenk ist, dass da etwas anderes ist, was uns trägt.

Sie haben neue Ideen einer flexiblen Kirchenmitgliedschaft ins Spiel gebracht. Wie kann man sich das vorstellen?

Ich habe ein Steinchen ins Wasser geworfen, weil ich eine Diskussion anregen wollte. Die Kirche kennt bisher nur: drinnen oder draußen, Mitglied oder Nicht-Mitglied. Das ist meines Erachtens in der modernen Welt nicht mehr adäquat. Es könnte Fördermitgliedschaften geben oder „ruhende“ Mitgliedschaften. Über solche Formen sollten wir reden, denn vieles davon wird in der Praxis schon gelebt. Man ist der Institution Kirche nahe, ohne Mitglied zu sein, zum Beispiel weil die Kinder eine evangelische Schule besuchen oder man sich im Förderverein engagiert.

Fußballfan Stäblein leidet mit seinem Verein

Als bekennender Fußballfan: Waren Sie schon mal beim Weihnachtssingen bei Union Berlin?

Nein, da würde ich sehr gerne mal hin. Ich war vergangenes Jahr bei einigen Heimspielen. Mein Sohn hat mich mitgenommen, ich wollte die Stimmung dort erleben. Das war toll. Nun komme ich aber aus Hannover und bin deswegen auch „96er“. Ich leide also stets auch mit meinem alten Verein, der dazu dieses Jahr wieder viel Gelegenheit bietet, leider …

Fußball hat gewisse Parallelen zur Religion, zumindest für hartgesottene Fans. Wie sehen Sie das?

Der moderne Fußball weiß, wie wichtig Rituale sind. Sie können das wirklich gut inszenieren. Das gilt für Vereine wie Schalke oder Dortmund sowieso, da kann man gut sehen, was „heiliger Rasen“ ist. Also: im Umgang mit Ritualen und mit „dem Heiligen“ gibt es manche Parallele zwischen Religion und Fußball. Wenn ich meinen Glauben allerdings vom Inhalt her bestimme, ist es nicht schwer, auch die Unterschiede zu erkennen. Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Glaube bestimmt den Inhalt des Lebens auf ganz andere Weise.

Sie selbst spielen Tischtennis. Bitten Sie vor wichtigen Spielen auch schon mal Gott um Beistand?

Nein, gar nicht. Das Gebet in solchen Zusammenhängen würde bei mir auch eher lauten: Hier hältst du dich jetzt bitte raus, lieber Gott. Es geht um Fairness, Wettbewerb und Freude am Spiel. Wer wollte das überhöhen.

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