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Brandenburg So kann Läden, Restaurants, Kneipen und Freiberuflern in Brandenburg geholfen werden
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19:59 25.03.2020
Clemens Meissner, Fleischer aus Babelsberg. Sein Catering-Geschäft ist zusammengebrochen. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Man könnte jetzt sagen: Clemens Meissner hat eigentlich keinen Grund zur Klage. Immerhin ist seine Fleischerei in Potsdam-Babelsberg noch offen, während viele Geschäfte in der direkten Nachbarschaft schon schließen mussten. Doch der 35-Jährige sieht sich durchaus als Opfer der Corona-Krise. Das Catering-Geschäft, von dem die Traditionsfirma (gegründet vor 126 Jahren) auch lebt, ist zusammengebrochen. 130 Veranstaltungen in diesem Jahr, für die er eigentlich das Buffet machen sollte, wurden bereits abgesagt. „Das trifft uns hart“, sagt Meissner.

Wenigstens gibt es noch den Lieferservice. Wochentags zwischen 17 und 19 Uhr sowie samstags von 13 bis 15 Uhr liefern Meissner und seine Kollegen belegte Brötchen, Mahlzeiten und Fleischprodukte ab einem Warenwert von 25 Euro frei Haus. Damit sich das herumspricht, nutzt Meissner nun auch das Portal „Zusammen stark“, das die MAZ für Händler in der Region aufgesetzt hat. Dort können Unternehmen und Freiberufler, die von der Krise bedroht sind, kostenlos ihre Angebote bekannt machen. „Eine gute Aktion“, sagt Meissner.

Cafés und Restaurants trifft es besonders hart

Der Stopp des öffentlichen Lebens hat viele Brandenburger Unternehmen in ernste Schwierigkeiten gebracht. Besonders hart trifft es Läden, Cafés, Restaurants und Hotels, die auf nicht absehbare Zeit schließen müssen, sowie Freiberufler, die nun ihren Job vorerst nicht weiter ausüben können. Gefragt sind neben staatlichen Überbrückungshilfen auch kreative Ideen, wie man die Kunden trotzdem weiter erreichen kann.

Cathleen Schröder-Joergens etwa hat sich etwas einfallen lassen. Die Gymnastiklehrerin betreibt in Potsdam ein Yoga- und Pilates-Studio. Inzwischen bietet sie ihre Kurse auch am Bildschirm an. Über den Videodienst Sykpe können ihre Kunden nun weiter ihrem Training nachgehen. Um solche Initiativen noch bekannter zu machen, hat die MAZ die Aktion „Zusammen stark“ ins Leben gerufen.

Viele Kleinunternehmen ohne finanzielle Polster

Denn je länger die Kontaktverbote zur Eindämmung des Virus andauern, umso schwieriger wird die Situation für die Wirtschaft im Land. Deren Struktur, die in den vergangenen 30 Jahren aufgebaut wurde, ist nicht von großen Dax-Unternehmen geprägt, sondern von den vielen kleinen und Kleinstunternehmen, die meisten mit weniger als zehn Beschäftigten. Sie verfügen oft über nur geringe finanzielle Polster. Ihnen macht die Krise nun am schnellsten zu schaffen.

Die größten Probleme sieht der Chef der Wirtschaftsförderung, Steffen Kammradt, momentan in Stornierungen, rapiden Auftragsrückgängen und ausbleibenden Kunden. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Potsdam, Peter Heydenbluth, warnt vor einem großen Flächenbrand und mahnt schnelle, flexible und längerfristige Hilfsprogramme an.

Inzwischen leiden alle Branchen im Land, besonders der Einzelhandel, die Gastronomie und die vielen Dienstleister. Von ihnen kamen auch die meisten Anfragen nach Unterstützung durch das Land bei Investitionsbank oder Wirtschaftsförderung. Die Palette der Berufsgruppen sei groß und reiche vom Discjockey über den Fitness-Trainer bis zur Boutiquebesitzerin, wie es hieß.

Märkische Unternehmen sind krisenerprobt

Aber wie lassen sich drohende Insolvenzen verhindern? Die Unternehmen im Land haben schon viele Krisen erlebt und sind in gewisser Weise krisenerprobt: die Betriebsabwicklungen Anfang der 90er Jahre nach dem Ende der DDR, die Terroranschläge vom 11. September, die Banken- und Finanzkrise 2008/2009, aber auch Dürre und Waldbrände.

Die Unternehmer im Land neigten nicht dazu zu jammern, sagt IHK-Präsident Heydenbluth. „Wir haben mit viel Mut, Ideen und Energie ein Land wieder aufgebaut, das sich sehen lassen kann“, sagt er und will damit deutlich auch Zuversicht ausstrahlen, auch diese Krise zu überstehen.

Größter Rettungsschirm in der Geschichte des Landes

Inzwischen laufen die staatlichen Hilfen an. Bund und Land haben ihre Finanz-Schatullen weit geöffnet. Brandenburg spannt einen Rettungsschirm in bisher nie da gewesenem Umfang. Eine Milliarde Euro sollen zusätzlich über Kreditermächtigungen zur Verfügung gestellt werden, um die Not abzumildern. Das ist zugleich eine Verdopplung gegenüber dem ersten Ansatz vor wenigen Tagen. Der Haushaltsausschuss des Landtags machte dafür am Mittwoch den Weg frei und segnete die Pläne ab. Am 1. April soll der Landtag endgültig die Finanzspritze beschließen und in Kraft setzen.

Soforthilfen müssen nicht zurückgezahlt werden

Bereits jetzt werden Soforthilfen für in Not geratene Firmen und Freiberufler ausgereicht, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Sie sind zur Überbrückung gedacht. Dazu müssen ein Antrag ausgefüllt und der Bedarf nachgewiesen werden. Bei 9000 Euro geht die Hilfe los für Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten. Allerdings dürften die zunächst geplanten 7,5 Millionen Euro nicht ausreichen und um ein Vielfaches erhöht werden müssen.

Darauf verwies am Mittwoch im Haushaltsausschuss Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Er sprach von einem „Ansturm“ von 9000 Interessenten auf Soforthilfe in den ersten fünf Stunden nach Freischaltung der entsprechenden Webseite.

Leichterer Zugang zum Kurzarbeitergeld

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Fördermöglichkeiten. Viele Arbeitgeber sind unter Druck geraten. Über 1300 Unternehmen in Brandenburg sind laut Bundesagentur für Arbeit zur Kurzarbeit übergegangen und können dafür Zuschüsse bekommen. Der Bund will den Zugang für Kurzarbeitergeld vereinfachen. Voraussetzung für den Erhalt ist, dass mindestens 10 Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als 10 Prozent haben.

Auch können jetzt Anträge bei Finanzämtern auf zinslose Stundung von Steuerzahlungen gestellt werden; ebenso für einen Vollstreckungsaufschub oder die Herabsetzung von Steuervorauszahlungen. Auch können Firmen die Sozialversicherungsbeiträge für März und April stunden lassen.

So funktioniert die neue Plattform der MAZ

Online-Bestellungen, Gutscheine, Lieferservice: Viele Brandenburger Kleinunternehmer wehren sich mit kreativen Ideen gegendie Krise. Dies bekannt zu machen, ist Ziel der neuen MAZ-Aktion „Zusammen stark“.

Händler und Geschäfte können ihre Angebote in ein Formular eintragen, das nach Prüfung von der MAZ kostenlos veröffentlicht wird. Die Brandenburger können so gezielt die Händler in ihrer Nachbarschaft unterstützen. Informationen unter

Von Igor Göldnerund Henry Lohmar

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