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Brandenburg So schmeckt Wein aus Brandenburg
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08:23 01.09.2018
Hier schmeckt’s: Klaus Wolenski (2.v.r) und David Krohn (r.) mit den Autoren auf der „Probierbank“ des Weinguts Töplitz. Quelle: Julian Stähle
Töplitz

Ganz entspannt sitzt David Krohn auf der Holzbank vor der Besenwirtschaft des Weinguts Klosterhof Töplitz in Werder (Potsdam-Mittelmark) und verkostet noch einmal die Weine des Jahrgangs 2016. Hinter dem 34-jährigen Winzer hängen vollreife Trauben an den Rebstöcken. In anderen Weinanbaugebieten wie etwa am Wolkenberg oder am Werderaner Wachtelberg wurde mit der Lese bereits am letzten August-Wochenende begonnen – so früh wie noch nie.

„Wir haben uns ein paar Tage länger Zeit gelassen, da die Reife stagniert hatte und fangen jetzt mit dem Weißburgunder an, was sehr ungewöhnlich ist“, sagte Krohn. Der gelernte Winzer ist erst seit dreieinhalb Monaten „Weinmacher“ auf dem Weingut von Lara Wolenski in Töplitz.

Es muss nicht immer spanischer oder französischer Wein sein. Am Weinberg in Werde (Havel) beispielsweise wachsen ebenfalls Trauben. Unsere Genuss-Tester haben ihn mal probiert.

Nach Wanderjahren durch die großen Weinanbaugebiete der Welt hat sich der Berliner Junge aus Schöneberg in Brandenburg niedergelassen und wohnt auch auf dem Weingut: knapp drei Hektar bestückt mit Weiß- und Grauburgunder, Riesling, Bacchus – so etwas wie der „Sauvignon Blanc des Ostens“ – und der rote Regent. Alle Weine werden trocken ausgebaut und sind Bio-zertifiziert.

Reifung des Brandenburger Weins in der Flasche

Der Jahrgang 2018 wird der erste sein, der Krohns persönliche Handschrift trägt. Auf das endgültige Ergebnis muss der Winzer aber noch etwas länger warten. Auf dem Klosterhof reifen alle Weine erst noch ein Jahr in der Flasche, bevor sie als Brandenburger Landweine auf den Markt kommen. „Im nächsten Jahr würde ich gerne auch zwei spontan vergorene Weine produzieren“, blickt der „Winemaker“ in die Zukunft. Aber auch die Wein-Vergangenheit ist auf dem Klosterhof allgegenwärtig. So kann Krohn eine 200 Jahre alte Zisterne, die einst von den Mönchen angelegt wurde, für die Bewässerung des perfekt nach Süden ausgerichteten Weinbergs nutzen.

Dieser Wein wurde verkostet

Bacchus 2016, Klosterhof Töplitz Brandenburger Landwein, trocken, 12,5% Alkohol

Unkomplizierter, harmonischer und vollmundiger Terrassenwein, milde Säure, präsente Frucht. Aromen von tropischen Früchten wie Mango und Maracuja sowie ein Hauch Muskat (9 Euro)

Sauvignon Blanc 2017, Werderaner Wachtelberg, Weinbau Dr. Manfred Lindicke: Deutscher Qualitätswein, trocken, 12,5% Alkohol

Typische, grasige Sauvignon-Nase. Aromen von Stachelbeeren, Kräutern und grüner Paprika. Sehr schön ausgewogenes Frucht-Säure-Spiel. Bestens zu Meeresfrüchten oder als Aperitif (9 Euro)

Müller-Thurgau 2017, Werderaner Wachtelberg, Weinbau Dr. Manfred Lindicke: Deutscher Qualitätswein, trocken, 11,5% Alkohol

Ein Wachtelberg-Klassiker für jeden Tag. Ein typischer, süffiger, leichter Vertreter seiner Art mit dezenter Säure. Leicht blumige Noten, etwas Muskat und helle Früchte (8,35 Euro)

Schönburger 2017, Wolkenberg, Brandenburger Landwein, trocken, 12,0% Alkohol

Frischer Wein mit milder, zurückhaltender Säure und einem interessanter Frucht-Kombi: in der Nase Waldmeister, am Gaumen reife Stachelbeeren, dabei cremig und würzig (12 Euro)

Grauburgunder Barrique 2016, Klosterhof Töplitz, Brandenburger Landwein, Trocken, 13% Alkohol

In neuem kleinen Holzfass ausgebaut, deutliche Holznoten, Vanille und Karamell, schöner Schmelz. Ein kräftiger Wein, der auch bei deftigerem Essen nicht gleich schlapp macht (9 Euro)

Roter Riesling 2017, Wolkenberg, Brandenburger Landwein, trocken, 12,5%

Alkohol Eine Spezialität, die sich lohnt. Trotz des Namens ein Weißwein. Auch hier milde Säure, ein schöner Schmelz, birnige und würzige Noten sowie ein Hauch Apfel. In der Nase dominiert Zitroniges. Angenehmer, nachhaltiger Abgang (15 Euro)

Schon im 14. Jahrhundert bauten Zisterziensermönche auf dem Hang in Töplitz, aber auch in Werder ihre Trauben an. Später erfuhr der Weinbau durch die Regierenden eine besondere Förderung. Es entstanden kurfürstliche Weinberge, zur Verbesserung der Weinbaukunst wurde durch Kurfürst Johann Georg 1578 die erste märkische Weinmeister-Ordnung erlassen und der Große Kurfürst siedelte 1640 in Töplitz Schweizer Familien an, die dort Weinbau betrieben. Die sonnige Lage und das Wasser drum herum sorgen bis heute für ein optimales Mikroklima. Zu DDR-Zeiten hatte der Weinbau übrigens keine Lobby und auf dem knapp 35 Meter hohen Hügel wurde Obst angebaut.

Weinanbau in Werder (Havel) seit sechs Jahren

Weinrechtlich gehört die „Insel“ bei Werder wie die meisten brandenburgischen Weinberge zum Anbaugebiet Saale-Unstrut. So auch die bekannteste Weinbaufläche im Märkischen, der Werderaner Wachtelberg, die nördlichste Einzellage, die für den Anbau von Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA) in Europa registriert ist.

„Seit 2012 bauen wir unsere Qualitätsweine in einer eigenen Kelterei in Werder aus“, erklärt Manfred Lindicke, der neben dem Wachtelberg mit dem Werderaner Galgenberg inzwischen noch eine zweite Lage bewirtschaftet. Bekannt wurde Lindicke anfangs vor allem durch seinen Müller-Thurgau, den er sowohl trocken wie halbtrocken ausbaut. Dessen Fläche hat er reduziert und setzt auch auf erfolgreiche Newcomer wie die pilzresistente Rebsorte VB Cal. 6-04, die tatsächlich noch keinen Namen hat. Bei Lindicke wird daraus der trockene Weißwein Calinda, der an Riesling, Sauvignon Blanc und Scheurebe erinnert. Den 2018 Jahrgang beschreibt er mit „gute Menge, hohe Mostgewichte“.

Die Verkostung der märkischen Weine

„Menge gut“ bestätigt auch Bettina Muthmann vom Wolkenberg im ehemaligen Tagebau Welzow Süd, die ihre Weine in der Meißener Weinmanufaktur am Mariaberg von Martin Schwarz keltern lässt. „17 Butten mit je 280 Kilo Rondo-Trauben haben wir am ersten Lesetag nach Meißen gebracht“, erklärt die Weinbergs-Geschäftsführerin. Bei der Qualität ist sie sich noch nicht so sicher. „Mal sehen, was Säure, Mineralität und Alkohol machen“, meint sie.

Der sechs Hektar große Weinberg wurde erst ab 2004 vom Energiekonzern Vattenfall in Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim und der BTU Cottbus angelegt. Angebaut werden fünf Weißweinsorten, darunter die Raritäten Schönburger und Roter Riesling, sowie zwei Rotweinsorten. Aus dem Schönburger wird übrigens nicht nur ein Weißwein, sondern auch ein knochentrockener Sekt mit „null Dosage“ produziert.

Mehr Wein aus Brandenburg

Noch jünger ist das Weingut Patke in Pillgram. Es wurde im Januar 2017 von den Gebrüdern Matthias und Marcel Jahnke sowie Steffen und Holger Lehmann gegründet, die auf insgesamt 1,6 Hektar neun Weiß- und vier Rotweinsorten anbauen – alles in kleinen Mengen. „Zukünftig wollen wir die Fläche auf drei Hektar erweitern. Die Pflanzrechte haben wir bereits“, sagt Matthias Jahnke, dessen persönlicher Lieblingswein der trockene Johanniter ist. Auch eine Schaukellerei, in der die Trauben verarbeitet werden, einen Showroom für Verkostungen und einen Hofladen gibt es schon.

Insgesamt sind im Land Brandenburg etwa 30 Hektar Weinberge mit unterschiedlichsten Reben bestückt. Eine Besonderheit ist die Weinbergslage „Schliebener Langer Berg“. Sie gehört aus historischen und weinrechtlichen Gründen zum Anbaugebiet Sachsen. Weinberge gibt es aber auch in Phöben, Großräschen, Luckau und Zossen. Selbst der Wein-Tourismus wächst vor allem im Süden des Landes als zartes Pflänzchen – selbst eine Route Brandenburger Weinkultur gibt es bereits.

Von Manuela Blisse und Uwe Lehmann

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