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Brandenburg So stehen Brandenburgs Parteien zum Wolf
Brandenburg So stehen Brandenburgs Parteien zum Wolf
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17:24 25.07.2019
Wolf im Wald. Mehr als 300 Tiere leben mittlerweile in Brandenburg. Quelle: epd
Wusterhausen/Dosse

52 Kommunen haben sich landesweit bislang per Gemeinderatsbeschluss zu „Wolfsfreien Zonen“ erklärt - von Kyritz, Werder (Havel), über Ziesar, Gransee, Bad Wilsnack bis in den Landssüden nach Ortrand und Calau. Organisiert hat die Kampagne der kleine Bauernbund, Vertretung der kleinen und familiären bäuerlichen Betriebe. Angesichts dieser beeindruckenden Sammlungsbewegung unzufriedener Gemeinden ist das Podium in Wusterhausen/Dosse (Ostprignitz-Ruppin) gut besetzt, als der Bauernbund am Mittwochabend in einem örtlichen Festsaal die Debatte über den Umgang mit dem Wolf eröffnet.

CDU, Linke, Grüne und FDP haben ihre Spitzenkandidaten für die Landtagswahl geschickt – der Wolf polarisiert. Mindestens 300 Tiere leben inzwischen in Brandenburg.

Senftleben (CDU) will Schutzjagden wie in Schweden

Oppositionsführer Ingo Senftleben, der in Umfragen nicht von der Stelle kommt, knüpft an sein Wahlkampf-Motto als bekennendes Landei an: Der Wolf zeige, dass der ländliche Raum in Potsdam nicht genug Lobby habe. „Ich höre immer wieder: Hektar können nicht wählen“, sagt der Mann, der nach dem 1. September gern Ministerpräsident werden möchte. Senftleben legt die CDU-Linie zum Umgang mit dem Wolf so dar: Der Wolf sei Teil der Artenvielfalt im Land und solle das auch bleiben. Jedoch müssten die Tiere in ihrem Bestand „reguliert“ werden. Das heißt: Oberhalb einer gewissen Anzahl sollten Tiere zur Jagd freigegeben werden. Wenn es wie im Falle Schwedens zu Konflikten mit der EU wegen des Schutzstatus des Wolfs komme, gelte: „Lieber streite ich mich mit der EU als mit den Menschen in Brandenburg!“, so Senftleben.

Ein kürzlich veröffentlichter Wahlkampf-Song für Senftleben hatte hartes Durchgreifen versprochen: „Wer schickt Wölfe in den Zoo? Ingo!“

Goetz (FDP) kritisiert „Wortgeschwurbel“

Spitzenkandidat Hans-Peter Goetz wird sich später über das allgemeine „Wortgeschwurbel“ im Zusammenhang mit der Tötung von Wölfen lustig machen. Oft sei vom „Entnehmen“ der Tiere die Rede. Gemeint sei Abschießen – das solle man auch so sagen, fordert Goetz. Auch er spricht sich für eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht auf. Ob eine Obergrenze bei 50 oder 300 Tieren liege, müssten Experten definieren.

Raschke (Grüne) will Herdenschutz besser fördern

Wölfe abzuschießen kommt für den Grünen-Vertreter Benjamin Raschke nur in Fällen in Frage, in denen die Tiere Herden gefährlich würden. Ansonsten gelte: Solange der in den Schutzstatuten genannte „günstige Erhaltungszustand“ der Art nicht erreicht sei, sei an Abschüsse nicht zu denken. Wer schnelle Lösungen per Abschuss verspreche, wecke falsche Hoffnungen. Viele Ebenen vom Bund über die EU hätten mitzureden, Brandenburg selbst könne nicht eigenmächtig handeln. Raschke warnt vor offenem Rechtsbruch und fordert vielmehr, die Anlage von Schutzzäunen und den Unterhalt von Herdenschutzhunden besser zu finanzieren.

Schafhirten müssten zudem ein Weidegeld von 38 Euro pro Muttertier und Jahr erhalten, um finanziell besser über die Runden zu kommen. Raschke sagt: Der Rückgang der Zahl der Schafe in Brandenburg von 120.000 im Jahr 1999 auf aktuell 70.000 sei nicht in erster Linie auf das Auftauchen des Raubtiers Wolf zurückzuführen – Schäfer unterlägen noch ganz anderen ökonomischen Zwängen. Raschke wird so zum Lieblingsgegner unter den rund 100 Gästen im Saal, von denen jemand ruft „Jeder Wolf ist ein Problemwolf!“

Funke (SPD) will Wolfsverordnung verschärfen

Doch SPD-Vertreter Johannes Funke hat ebenfalls eine schwierige Aufgabe. Er muss Kritik von Seiten des CDU-Chefs Senftleben einstecken, SPD-Spitzenkandidat Dietmar Woidke drücke sich vor der Debatte.

Funke, Agraringenieur und Chef des Landesbauernverbands im Havelland, muss außerdem das vorsichtige Vorgehen der Landesregierung und des SPD-geführten Agrarministeriums verteidigen. Funke, der auf dem SPD-Listenplatz 37 antritt, argumentiert: Brandenburg hat als einziges Bundesland eine Wolfsverordnung in Kraft gesetzt. Die erlaube den Abschuss von problematischen Wölfen. Diese Verordnung, so Funke, müsse „geschärft“ werden. Die Bedingungen für Abschüsse müssten in der nächsten Legislaturperiode vereinfacht werden. Man müsse zunächst auswerten, was die Verordnung gebracht habe. Langfristig spricht sich auch Funke dafür aus, „zu schauen, ob man den Wolfsbestand an vernünftiger Stelle deckelt“.

Nach den Regelungen der Verordnung sind laut Bauernbund bislang sieben Wölfe abgeschossen worden. Fünf davon waren bei Verkehrsunfällen verletzt worden, ein Tier war räudig und eines war bereits angeschossen. Der Bauernbund argumentiert, dass de facto „noch nie ein Wolf geschossen wurde, der Weidetiere gerissen hat“, so der Wolfsbeauftragte der Vereinigung, Frank Michelchen. Die Wolfsverordnung helfe also den Weidetierhaltern derzeit nicht.

Dannenberg (Linke) verteidigt Artenschutz

Spitzenkandidatin Kathrin Dannenberg gibt zu, als Bildungspolitikerin nicht allzu viel vom Wolf zu wissen. „Wir stehen dazu, dass der Wolf eine streng geschützte Art ist“, sagt die Diplom-Lehrerin. „Ich verstehe nicht, woher die Angst vor einer Unkontrollierbarkeit kommt“, sagt Dannenberg. Überschüssige Wölfe wanderten weiter, wenn die Reviere besetzt seien. Aus dem Publikum ruft jemand: „Das sehen Sie anders, wenn der Wolf an Ihrem Gartenzaun steht und Sie nicht schlafen können!“ Dannenberg schlägt vor, den „Erhaltungszustand“ der Wolfspopulation jährlich ermitteln zu lassen. Erst wenn die Art gesichert sei, könne man über eine Änderung des Schutzstatus reden.

Schade (AfD) lobt nationalen Alleingang

Vertreterin Christina Schade rät dazu, den Umgang mit dem Wolf wie die Schweden zu handhaben. Die erlaubten „Schutzjagden“ auf Wölfe ab einer gewissen Bestandsgröße – und haben Ärger mit der EU. Schade schwärmt vom nationalen Alleingang: „Die Schweden sagen: Die EU ist weit, unsere Schweden sind uns wichtiger!“

Litfin (Freie Wähler) hält Bestand für „gesund“

Für die Vereinigung BVB/Freie Wähler befürwortet Uwe Litfin den Abschuss von Wölfen ab einer bestimmten Populationsgröße. „Ein gesunder Bestand ist jetzt vorhanden, er kann begrenzt werden.“

Von Ulrich Wangemann

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