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Brandenburg So urlaubte man in der DDR
Brandenburg So urlaubte man in der DDR
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13:29 15.07.2018
Die Ausstellung „Urlaub in der DDR“ läuft noch bis März. FOTO: DPA
Senftenberg

Es liegen wohl noch viele Luftmatratzen aus DDR-Zeiten auf Dachböden in Ostdeutschland. Diesen Eindruck hat zumindest Kuratorin Mareike Linnemeier. Für die Ausstellung „Urlaub in der DDR“ rief das Museum Schloss und Festung Senftenberg in Südbrandenburg dazu auf, Urlaubserinnerungen und Original-Objekte einzuschicken. Es kamen viele Luftmatratzen - aber noch vieles mehr.

Badehose, Nähset, zusammenklappbarer Kleiderbügel: Das sind einige von Hunderten Objekten im Obergeschoss, die bis zum 3. März ausgestellt sind. Postkarten, Reisekataloge und Fotos komplettieren das Bild.

Urlaub im „Dübener Ei

In einem Raum sind zwei Zelte aufgebaut samt Feldbetten, bunt-gemusterten Luftmatratzen, Grill, Mini-Fernseher und Campingklappstühlen. Es riecht nach Vergangenheit - da kommen sicher bei vielen Erinnerungen auf. Natürlich fehlt auch FKK (Freikörperkultur) nicht. In einer Ecke sind Original-Magazine zu sehen, die für FKK-Strände an der Ostsee werben. Im Hof des Schlosses steht der Campingwohnwagen-Klassiker „Dübener Ei“.

Mareike Linnemeier, Kuratorin der Ausstellung, zeigt Badelatschen und Badekappe. Quelle: dpa-Zentralbild

Etwa die Hälfte der Urlaubsreisen wurde nach Einschätzung des Museums privat organisiert. Zum Beispiel ging es auf Zeltplätze oder in Zimmer von Privatleuten, wie die Kuratorin erläutert. Die andere Hälfte der Reisen erfolgte über staatliche Institutionen wie Reisebüros und führten zum Beispiel in Gewerkschaftsheime (Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes), Betriebs-Ferienheime oder Kinder- und Jugend-Ferienlager.

Genaue Zahlen zu den Urlaubsreisen lägen nicht vor, heißt es vom Museum. Ein Grund: Die privaten Reisen wurden nicht registriert. Für die Schau sprachen die Museumsmitarbeiter mit Zeitzeugen und integrierten Erkenntnisse aus Publikationen.

Staatsapparat hatte Thema Urlaub auf der Agenda

Der DDR-Staatsapparat habe sich das Thema Urlaub als Aufgabe gesetzt, heißt es von den Ausstellungsmachern. Ziel sei es auch gewesen, den Bürgern eine erschwingliche Reise zu ermöglichen. Bis Mitte der 1960er Jahre seien die Aufenthalte in Gewerkschafts-Ferienheimen zudem verstärkt mit Ideologischem verbunden gewesen. Heimleiter waren demnach angewiesen, etwa politische Gesprächsrunden zu organisieren, und es habe Sportprogramme im Sinne der sozialistischen Ideologie gegeben.

In Kinder- und Jugend-Ferienlagern habe es sogar militärische Übungen insbesondere in den 1950er Jahren gegeben. Das Ganze habe sich im Laufe der Jahre abgemildert und das Urlaubsgefühl sei mehr in den Vordergrund gerückt.

Eine Speisekarte eines Ferienheims mit Schreibmaschinen-Schrift aus dem Jahr 1969 ist in einer Vitrine zu sehen: Zum Mittagessen gab es zum Beispiel Tomatensuppe mit Reis, Schweizer Sahnebraten mit Salzkartoffeln und Salat. Die Gäste konnten aber auch Schonkost wählen: Frikassee mit Butterreis.

Ostsee, Ungarn und Bulgarien

Was waren beliebte Urlaubsziele? Ab Mitte der 1960er Jahre habe sich in der DDR ein Trend hin zum Urlauben entwickelt, davor habe das nur bei wenigen eine Rolle gespielt. Der Westen war tabu - Reiseziele waren die DDR selbst oder das sozialistische Ausland. Nur wenige reisten laut Museum aber so weit wie nach Kuba oder Nordkorea. Beliebte Urlaubsziele waren die Ostsee, Bulgarien und Ungarn. „Ungarn war sehr beliebt, weil es dort auch Westprodukte gab“, sagt Kuratorin Linnemeier. Der Klassiker seien zwei bis drei Wochen Sommerurlaub gewesen, aber es habe in der DDR auch Wintertourismus gegeben.

Am häufigsten reisten DDR-Bürger mit dem Zug, wie in der Schau erläutert wird. Daneben stieg man in das eigene Auto oder in den Bus. Und es gab Flugreisen mit der staatlichen Linie Interflug. Damals war Fliegen ein absolutes Highlight, wie es vom Museum heißt. Auch aufs Kreuzfahrtschiff ging es damals für einige, etwa auf die MS „Völkerfreundschaft“. An einer Info-Tafel ist ein Auszug eines Schiffs-Reisetagebuchs zu sehen. Das Programm: Zuerst ein Vortrag über die Stadt Leningrad. Und dann? „Wir spielen „Bingo““.

Von Anna Ringle

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