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Brandenburg So war die Tour der MAZ-Wahlreporter durch Brandenburg
Brandenburg So war die Tour der MAZ-Wahlreporter durch Brandenburg
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15:53 30.08.2019
Die Wahlreporter Hannah Rüdiger und Ansgar Nehls bei einem Marktplatzbesuch in Rathenow (Havelland). Quelle: Ansgar Nehls
Potsdam

Ein Satz hat sich nach einem Monat als MAZ-Wahlreporter besonders eingebrannt: „Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen und uns zuhören“. Diesen Satz haben wir fast überall gehört, wo wir mit unserem Wahlreporter-Auto Halt gemacht haben.

Lesen Sie hier:
Alle Texte der MAZ-Wahlreporter

Den gesamten August sind wir zu zweit vor der Landtagswahl am 1. September durch Brandenburg gefahren. Heute endet diese Tour. Wir waren im Norden des Landes in Ostprignitz-Ruppin und in der Braunkohleregion Lausitz im Süden des Landes. Wir waren bei Krankenpflegern und Landwirten. Wir waren jeden Tag unterwegs. Am Ende stehen mehr als 3500 Kilometer im Fahrtenbuch unseres Wahlreporter-Autos und viele wichtige Brandenburger Geschichten auf unserer Wahlreporter-Seite auf MAZ-Online.

Der Ansatz: politische Themen über die Menschen erzählen

Unser Ansatz war es, die Themen, die im Wahlkampf wichtig sind, über die Menschen zu erzählen. Die Parteipolitik haben wir ganz bewusst so weit wie möglich aus dem Spiel gelassen. Denn vor allem wollten wir den Brandenburgern erst einmal zuhören, was sie vor der Wahl bewegt. Um den Austausch zwischen Leser und Reporter so einfach wie möglich zu gestalten, konnte uns jeder, der wollte eine WhatsApp-Nachricht auf unser Wahlreporter-Smartphone schreiben. Ein direkterer Draht zwischen Leser und Reporter geht kaum noch.

Immer unterwegs: Wenn die Parkbank zum Büro wird. Wahlreporterin Hannah Rüdiger bei einem Halt in Wildberg (Ostprignitz-Ruppin). Quelle: Ansgar Nehls

Und das haben viele, viele Menschen angenommen. Jeden Tag haben wir zahlreiche neue Nachrichten bekommen. Diese Fragen, Anregungen und Wünsche alle zu beantworten, war viel Arbeit. Aber es hat sich gelohnt. Durch die direkte Kommunikation sind wir in einen Austausch gekommen, der auch für uns Reporter nicht alltäglich ist. Uns wurden per WhatsApp-Nachricht viele unterschiedliche und auch einige überraschende Themen vorgeschlagen. Immer wieder haben wir per Kurznachricht auch einfach nur mal ein Lob geschickt bekommen. Und einmal hat uns eine stolze Uroma sogar ein Video von sich mit ihrem Urenkelkind geschickt.

Pfleger Guy Hofmann erzählt vom Pflegenotstand – hautnah

Das hat Kraft gegeben für den Kraftakt, der eine solche Tour auch ist. Vor allem aber sind durch diesen Austausch wichtige, spannende Texte entstanden. Sie erzählenGeschichten wie die von Krankenpfleger Guy Hofmann aus Neuruppin. Hofmann hatte sich bei uns auf dem Wahlreporter-Handy gemeldet, um uns von seinem harten Arbeitsalltag und der Situation vieler Pfleger zu erzählen. Wir haben ihn besucht und haben seine Geschichte und seine Erlebnisse aufgeschrieben, die einen Eindruck von dem Pflegenotstand vermitteln, mit dem Brandenburg gerade zu kämpfen hat – und in den nächsten Jahren weiter zu kämpfen haben wird.

Lesen Sie auch: Was mit Pfleger Guy Hofmann nach dem Artikel geschah

Ein anderer Text erzählt die Geschichte des Heimatvereins in Medewitz (Potsdam-Mittelmark). Der Verein kaufte kürzlich die Kindertagesstätte des kleinen Dorfes – und bewahrte sie so vor der drohenden Schließung. Als wir uns mit Vereinsvorsitzendem Robert Pulz hinsetzten und ihm zuhörten, wurde deutlich, wie unterschiedlich die Brandenburger Perspektiven im großen Wahlkampfthema Kinderbetreuung sein können. Während sich viele Eltern in Potsdam die Abschaffung aller Kitabeiträge wünschen würden, hofft Pulz im kleinen Medewitz inständig darauf, dass sie bestehen bleiben. Denn fielen sie weg, würde die Kita im Ort langfristig immer schwieriger zu finanzieren sein. Dann müssten schon die Kleinsten im Dorf jeden Morgen pendeln.

Anregende Diskussionen bei den Marktplatzbesuchen

Es sind diese Gegensätze, die wir auch bei unseren Marktplatzbesuchen immer wieder gespürt haben. Einmal in der Woche haben wir uns in einem anderen Brandenburger Ort mit unserem Wahlreporter-Stand mitten in die Stadt auf den Wochenmarkt gestellt – um zuzuhören. Wir erinnern uns an viele anregende Diskussionen, an nette Gespräche und auch an einige, bei denen man nicht zueinander fand.

Zeit für Gespräche: Wahlreporter Ansgar Nehls (2. v. l.) diskutiert mit Lesern auf dem Marktplatz in Bergholz-Rehbrücke (Potsdam-Mittelmark). Quelle: Hannah Rüdiger

Dabei haben wir den Frust vieler Menschen in Brandenburg sehr nachdrücklich gespürt. Je weiter man aus Potsdam in die Mark hinausfährt, desto weniger Akzeptanz findet manche politische Debatte, die in der fernen Landeshauptstadt geführt wird. Exemplarisch dafür stand Landwirt Ulf Simon aus Michaelisbruch (Ostprignitz-Ruppin), der sich von den agrar- und umweltpolitischen Diskussionen im fernen Potsdam schon lange entfremdet hat. Sein Frust sitzt so tief, dass „Stadtmensch“ für seine Frau mittlerweile sogar ein Schimpfwort ist.

Danke, dass wir zuhören durften

Diesen Konflikt zwischen urbanen und ländlichen Räumen haben wir immer wieder erlebt. Wir haben aber auch Aufbruchsstimmung gespürt– sehr nachdrücklich zum Beispiel in Wittenberge (Prignitz), wo auf halbem Wege zwischen Berlin und Hamburg gerade eine Oase für junge Digitalarbeiter entsteht.

Und so haben wir aus dieser Tour viele Eindrücke mitgenommen und wollen diesen Abschluss nun selbst dazu nutzen, einmal danke zu sagen. Danke, dass Sie uns Ihre Geschichte erzählt haben und danke, dass wir Ihnen zuhören durften.

Von Ansgar Nehls

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