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Brandenburg Kaum noch Jobs durch erneuerbare Energien
Brandenburg Kaum noch Jobs durch erneuerbare Energien
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08:50 27.11.2014
Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Brandenburg geht zurück. Quelle: Stefan Sauer
Potsdam

Brandenburg hat seine Vorzeigerolle beim Ausbau der erneuerbaren Energien eingebüßt. In dem großen, alle zwei Jahre von der Agentur für Erneuerbare Energien erstellten Ländervergleich, der am Mittwaoch vorgestellt wurde, rutscht der einstige Seriensieger Brandenburg von Platz eins auf Platz fünf. Das Land, das erneuerbare Energien am fortschrittlichsten nutzt, ist nun mit deutlichem Abstand Bayern, gefolgt von Baden-Württemberg.

Die Mark erreiche in allen Kategorien zwar noch gute Werte, komme aber nirgendwo mehr unter die Top Drei, heißt es. Brandenburg dürfe in seinen Anstrengungen nicht nachlassen, sagte Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).

Brandenburg großer Verlierer im Bereich Solarenergie

Lange galten die erneuerbaren Energien als wichtiger Jobmotor, doch der ist ins Stottern geraten: Die Zahl der Menschen, die direkt oder indirekt am Arbeitsmarkt von Windkraft, Biogas und Co. profitieren, sank im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent von 21.820 auf 17.580. Brandenburg sei der große Verlierer im Bereich Solarenergie, heißt es in einer Analyse der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung. Allein 1200 Arbeitsplätze gingen mit der Schließung des Werks First Solar in Frankfurt (Oder) verloren, danach gingen unter anderem Odersun und Conergy Pleite. Die Conergy-Jobs konnten zum Teil durch eine chinesische Übernahme gerettet werden. Zuwächse in anderen Bereichen konnten die Einbrüche nicht ausgleichen.

Zuwachsrate kann nicht unbegrenzt die höchste bleiben

Die Jobflaute erklärt man sich bei der Industrie- und Handelskammer Potsdam mit der Vorreiterrolle Brandenburgs. "Die Zuwachsrate kann nicht immer unbegrenzt die höchste bleiben, wenn man schon lange bei den Investitionen in die Windkraft an der Spitze liegt", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Mario Tobias. Das bestätigte auch AEE-Geschäftsführer Vohrer: "Brandenburg war bisher immer sehr erfolgreich beim Ausbau erneuerbarer Energien." Das Land dürfe in seinen Anstrengungen aber nicht nachlassen, appellierte er und forderte eine starke Bürgerbeteiligung.

Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) räumte ein, dass die Energiewende auf Akzeptanzprobleme stoße. Dies liege auch an den hohen Strompreisen: "Der hohe Ausbaustand – die große Anzahl an Wind- und Solarparks in Brandenburg und der Ausbau der Stromverteilnetze – hat zur Folge, dass die Netzentgelte in Brandenburg höher sind als in anderen Bundesländern", sagte er und forderte vom Bund eine "faire Lastenverteilung" bei den Kosten der Energiewende.

Von Torsten Gellner

Der Jobmotor stottert

  • 17.580 Brandenburger arbeiten im Bereich der erneuerbaren Energien. Bundesweit waren es 2013 etwa 363.000 Menschen. Die Krise der Photovoltaikbranche hat in Brandenburg deutliche Spuren hinterlassen: Stellte sie 2012 noch 7000 Jobs, waren es 2013 nach diversen Pleiten nur noch 2450.
  • Auch die Windkraft wächst nicht mehr so stark: Von 2011 auf 2012 stieg die installierte Leistung durch Windparks noch um 38 Prozent. 2013 fiel das Wachstum auf 1,9 Prozent.
  • Bundesweit geht jeder 100. Arbeitsplatz direkt oder indirekt auf die erneuerbaren Energien zurück. In Brandenburg ist es jeder 53. Quelle: GWS

Der Stern sinkt

Brandenburg und die Windräder

Seit 2008 erhielt Brandenburg dreimal in Folge den „Leit stern“ für seine Vorreiterrolle beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Zu Recht war man stolz auf diese Ehrung. Nun aber ist der Stern im Sinken begriffen. Brandenburg ist nicht mehr Primus bei Windkraft und Co.
Die Dynamik beim Ausbau lässt natürlich nach, wenn man ein hohes Niveau erreicht hat und andere nachlegen. Brandenburg schöpft das Potenzial bei der Windenergie schon zu 30 Prozent aus – der neue Klassenprimus Bayern dagegen erst zu 1,5 Prozent. In Brandenburg schwindet die Akzeptanz für die neuen Energien: Überall formieren sich Windkraftgegner. Wenn Brandenburg seine Führungsrolle zurückerobern will, müssen die Bürger besser beteiligt werden. Das ist freilich leichter gesagt als getan.
In Bayern wird die Energiewende in der Bevölkerung dagegen akzeptiert. Das liegt daran, dass Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sich als Windkraftgegner stilisiert und damit einer potenziellen Protestbewegung den Wind aus den Segeln nimmt. Statt riesenhafter Rotoren funkeln im Süden teure Solardächer in der Sonne. Und noch etwas trübt das Vertrauen der Märker in die Energiewende: der Strompreis. Die Brandenburger zahlen für die Energiewende der anderen mit. Das wird sich nicht ändern, es sei denn, die Länder einigen sich endlich auf eine faire Reform der Netzumlage.

Ein Kommentar von Torsten Gellner

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