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Brandenburg Sozialistische Blüten
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13:53 21.02.2014
Unser Grafiker hat auch eine Blüte gebastelt. Schauen Sie sich Marx mal genauer an. Quelle: dpa / MAZ-Grafik: Schinck
Berlin

Als der „talentierte Alleswisser“ im Herbst 1952 ein Stückchen Seife mit einem Zwanzig-Mark-Schein im HO-Warenhaus Leipzig bezahlen will, fliegt die Sache auf. Pech für ihn: Er hat noch 151 selbst gefälschte Scheine dabei. Über Wochen hatte der kreative Kopf DDR-Kriminalisten sowie Stasi-Leute in Atem gehalten und sein falsches Geld in Umlauf gebracht. Es war der größte Coup eines Geldfälschers im „Arbeiter- und Bauernstaat“.

„Falschgeld in der DDR“ – unter diesem Titel beleuchtet ein neues Buch das weitgehend unbekannte Phänomen. „Geldfälschungen passten nicht ins Bild von der sozialistischen Gesellschaft und waren deshalb weitgehend aus den Medien verbannt“, sagt Autor Peter Leisering. Öffentlich wurde es nur, wenn es eine „Erfolgsmeldung“ über gefasste Täter gab, sagt der ostdeutsche Historiker. Ab Montag ist der Band im Handel.

In der Wohnung seiner Freundin hatte der im Buch fiktiv „Albrecht Hiltja“ genannte Fälscherkönig experimentiert und mehr als 10 000 brauchbare Zwanziger hergestellt. Einen Teil tauschte er gegen echtes Wechselgeld – beim Kauf von Zigaretten, Präservativen oder Fahrkarten. Die einzig teurere Anschaffung sei ein grauer Hut gewesen. Der Kunstmaler und Konditor wurde zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen er neun absaß. Der Mann mit den vielen Talenten starb 1996.

Ob in Dresden, Ost-Berlin, Leipzig, Potsdam, Magdeburg, Weimar oder Bautzen – bei den Fälschern habe auch die „Lust am Experimentieren und Verbotenen“ eine große Rolle gespielt, berichtet Leisering. „Für die, die nicht erwischt wurden, war es ein aufregendes Spiel.“ Für manche sei auch Anreiz gewesen, dass trotz „dünnen Angebots an Luxuswaren“ für Geld fast alles zu haben war.

In der DDR gab es drei verschiedene Mark-Währungen

Die Mark der DDR war eine Binnenwährung, also im Außenhandel und in- ternationalen Reiseverkehr nicht kon- vertierbar. Ihre Ein- und Ausfuhr war verboten und stand unter Strafe.
In der sowjetischen Besatzungszone und der DDR wurde die Mark ab 1948 von der Deutschen Notenbank und ab 1968 von der S taatsbank der DDR he- rausgegeben. Für das Gebiet der DDR wurden drei Währungen emittiert:

  • 1. Die Deutsche Mark der Deutschen Notenbank (DM) vom 24. Juli 1948 bis zum 31. Juli 1964
  • 2. Die Mark der Deutschen Notenbank (MDN) vom 1. August 1964 bis zum 31. Dezember 1967
  • 3. Die Mark (M) der Deutschen Demokratischen Republik (auch: Mark der DDR) vom 1. Januar 1968 bis zum 30. Juni 1990

Doch schon beim Beschaffen der Gerätschaften fürs Geldmachen hieß es, findig zu sein. Einigen sei aber nicht bewusst gewesen, wie hart der Staat gegen Geldfälscher vorging. Die meisten waren nach dem Mauerbau 1961 Freizeit- und Sonntagsfälscher, wie Leisering schreibt.
Bemerkenswert sei ein Senior aus Dresden gewesen. Dem gefassten Falschmünzer sei es um „den letzten Kick in seinem Rentnerleben“ gegangen. Oder: Ein „Familienbetrieb“ in einer Berliner Laubenkolonie wird 1950 verraten, weil eine Belohnung lockt. Eine Frau versucht in den 70er Jahren erfolglos in einer Magdeburger Bank die zusammengeklebte Kopie eines 50-Mark-Scheins loszuwerden. Ein Fälscher vom Prenzlauer Berg scheitert an seinem Leichtsinn. Er zahlte in einer Gaststätte mit seinen eigenen Münzen – und dann mit fünfeinhalb Jahren Haft.

Leisering berichtet von nachweisbar 12 320 falschen Banknoten sowie 366 unechten Münzen. Auch wenn der Schaden mit 252 500 Mark gering war, seien die Störungen der „Volkswirtschaft“ mit großem Aufgebot bekämpft worden. Stasi-Ermittler waren stets dabei. In der Deutschen Notenbank arbeitete extra eine Abteilung für Falschgeld-Fälle. Etliche wurden nie aufgeklärt. Das letzte „Falschstück“, eine nachgeahmte Zwei-Mark-Münze fand sich kurz vor dem Mauerfall 1989 in einer Münzrolle der evangelischen Kirche.

Von Jutta Schütz

Buch: Peter Leisering: „Falschgeld in der DDR“, Das neue Berlin; 288 Seiten; 16,99 Euro

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