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Brandenburg Spektakulärer Fund in Jänschwalde
Brandenburg Spektakulärer Fund in Jänschwalde
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15:29 18.10.2013
Quelle: dpa
Heinersbrück

Der Urmärker lebte viel früher als bisher bekannt war. Schon vor 130 000 Jahren haben nach jüngsten Erkenntnissen von Archäologen Urmenschen auf brandenburgischem Territorium gesiedelt. Das belegen etwa Feuerstein-Werkzeuge und Tierknochen, die jetzt in 15 Metern Tiefe bei Grabungen am Rande des Lausitzer Braunkohletagebaus Jänschwalde gefunden wurden. Der Landesarchäologe Franz Schopper erläuterte sie gestern am Fundort nahe der Gemeinde Heinersbrück (Spree-Neiße).

Die im Brandenburger Kohletagebau Jänschwalde entdeckten Zeugnisse der Tätigkeit von Urmenschen sind nach Ansicht von Archäologen zehnmal älter als bisherige Belege. Die Funde sind älteste Zeugnisse der Lebenswelt des Neandertalers im heutigen Brandenburg. Der Verwandte des Menschen war vor rund 30.000 Jahren ausgestorben.

Die bisher ältesten Fundstücke zum Lebensumfeld des Neandertalers im gesamten Land Brandenburg waren dagegen nur 50 000 Jahre alt. „Die Geschichte des Neandertalers muss zwar jetzt nicht neu geschrieben werden, aber wir ergänzen sie durch die neuen Funde“, sagte Schopper gestern vor Journalisten, als er die in Vitrinen am Rande der Kohlegrube ausgestellten Knochen und Werkzeuge erläuterte. „Die aus früheren Grabungen im Tagebau geborgenen Feuerstein-Waffen der Rentierjäger stammen vom Ende der letzten Eiszeit vor 13 000 Jahren. „Die neuen Zeugnisse sind also zehnmal älter“, bemerkte Schopper.

Vor dem Publikum ausgebreitet lagen Knochen von Tieren wie Wolf, Elch, Wildperd, Steppen-Bison und Sumpfschildkröte, die in der vorletzten Eiszeit lebten. Damals, vor etwa 130 000 Jahren, zogen sich die Gletscher der Saale-Eiszeit langsam zurück und die sogenannte Eem-Warmzeit brach an. Die Klimaerwärmung förderte das Wachstum von Pflanzen, die wiederum den Tieren Nahrung boten und dann Neandertaler – die Vorläufer des Homo sapiens – in die Region lockten.

Außerdem entdeckten die Archäologen Werkzeuge aus Feuerstein, darunter einen Schaber. „Damit haben die Neandertaler vermutlich Felle bearbeitet und Fleischreste von Knochen abgeschabt“, sagte der Grabungstechniker Roberto Piskorski vom Landesdenkmalamt. Er arbeitet schon etwa 20 Jahre im Tagebaugelände, bei Wind und Wetter in Erdschichten etwa 60 Meter über der Braunkohle und mit Blick auf die gewaltige Bergbauförderbrücke F 60 und die Kühltürme des Kraftwerkes Jänschwalde.

Im Sommer gelang dem Forscher dann ein spektakulärer Fund: In einem von Baggern freigeschobenen Graben, ungefähr 150 Meter von der Tagebaukante entfernt, entdeckte er einen bearbeiteten Stein aus dem Material Feuerstein, Schildkern genannt. „Damit haben die Neandertaler Werkzeuge und Waffen hergestellt“, berichtete Piskorski. „Wir haben das Alter der Gesteinsschicht mit etwa 130 000 Jahren ermittelt, und deshalb können wir jetzt auch die Besiedelung Brandenburgs auf eine deutlich frühere Zeit datieren.“

Angesichts der spektakulären Funde aus dem Leben des Urbrandenburgers zog es auch Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) in den Tagebau. „Wir müssen jetzt die Geschichte der Besiedelung Brandenburgs neu schreiben“, sagte sie und lobte den Tagebaubetreiber Vattenfall wegen der engen Zusammenarbeit mit den Archäologen. Der Vorstandschef der Lausitzer Braunkohlensparte von Vattenfall, Hartmuth Zeiß, sagte: „Wir verdanken den Archäologen den Blick in die Geschichte.“ Das Unternehmen unterstütze deren Arbeit mit acht Millionen Euro.

Bereits 1903 war am Rande des Tagebaus Jänschwalde das erste Mammutskelett in Deutschland ausgegraben worden. Auch die jüngsten Funde sollen in der Archäologieschau des Landes in Brandenburg an der Havel vorgestellt werden.

Von Peter Jähnel

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