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Brandenburg FDP: Fünf Prozent plus X sind das Ziel
Brandenburg FDP: Fünf Prozent plus X sind das Ziel
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19:50 21.08.2019
Hans-Peter Goetz vor der Wahlkampfzentrale der Landes-FDP in Potsdam. Quelle: Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Königs Wusterhausen

„Wir machen es hier erst mal hübsch“, sagt Hans-Peter Goetz, als er das Hinterzimmer von Hoenckes Altem Wirtshaus in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) betritt – und einen Wimpel der Freien Demokraten auf den Tisch stellt. „Haben Sie Durst?“, fragt die Kellnerin. „Gewaltig“, antwortet Goetz und ordert ein Hefeweizen. Er hängt sein dunkelblaues Sakko über die Stuhllehne, der liberale Stammtisch des FDP-Ortsverbands kann beginnen.

Neun Parteifreunde sind gekommen, um sich mit Spitzenkandidat Goetz über den Stand der Kampagne auszutauschen, die die FDP am 1. September aus der außerparlamentarischen Opposition zurück in den Potsdamer Landtag bringen soll. „Der Wille ist da, die Chance auch“, sagt Goetz über die Aussicht, die nötigen fünf Prozent einzufahren. Am Wahlabend werde es richtig spannend, „typisch FDP eben“.

Auch Lindner legt sich ins Zeug

Er lobt die massive Unterstützung durch die Bundespartei (alleine Christian Lindner hat im August 20 Auftritte in Brandenburg), und durch andere Landesverbände, die geholfen haben, in Potsdam Plakate zu kleben. „Es motiviert zusätzlich, wenn man sieht, dass man nicht alleine kämpft“, sagt Goetz. Bei einem weiteren Aktionstag am 24. August werden Liberale aus der ganzen Republik helfen, märkische Städte flächendeckend mit den Flyern zu bestücken. Angeleitet werden sie jeweils von einem ortskundigen FDP-Wahlkämpfer. „Ich kann ja nicht vier Bayern unbeaufsichtigt durch Königs Wusterhausen laufen lassen.“

Zur Person

Hans-Peter Goetzwurde 1961 in Magdeburg geboren und wuchs in Teltow auf, wo er bis heute lebt. Er studierte Rechtswissenschaften in Halle und Potsdam. Seit 1990 hat er eine eigene Anwaltskanzlei mit Schwerpunkt Verwaltungsrecht. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Im September 2009 führte Goetz die FDP als Spitzenkandidat zurück in den Landtag. Er übernahm zunächst auch den Fraktionsvorsitz, legte diesen Posten aber im Juli 2010 infolge parteiinterner Querelen nieder. 2014 scheiterten die Freien Demokraten an der Fünf-Prozent-Hürde und flogen aus dem Landtag. Im Februar nominierte die FDP Goetz erneut als Spitzenkandidaten.

„Wie kriegst du das eigentlich beruflich hin?“, will ein Parteifreund wissen. „Gar nicht“, erwidert der Spitzenkandidat. Seine Anwaltskanzlei in Teltow (Potsdam-Mittelmark) sei seit Ende Mai verwaist, schon seit Februar nehme er keine neuen Mandanten an. Vor zehn Jahren, als er schon einmal Spitzenkandidat war, ist er im Wahlkampf 30.000 Kilometer durch Brandenburg gefahren. Auch jetzt diesmal stellt er sich einen arbeitsamen Endspurt ein. Das gemeinsame Mittagessen mit seiner Frau an diesem Tag sei wahrscheinlich das letzte vor der Wahl gewesen. 

Dass einige Kommunen im Land die Wahlwerbung mit Plakaten stark reglementieren, regt den Anwalt und Politiker auf, verrät er am Stammtisch. „Hier wird ein demokratisches Grundrecht massiv beschnitten. Ich würde das gerne mal vor einem Verwaltungsgericht durchstreiten.“ Dass sich Bürger durch Plakate gestört oder belästigt fühlten, sei für ihn „kein Argument. Zwei Monate alle fünf Jahre – das müssen die Leute aushalten“. Die Plakate der FDP werden von der Parteibasis in KW überwiegend freundlich beurteilt, vor allem die auf allen Motiven wiederkehrenden vier Magenta-Pfeile in den Ecken und die Schwarzweiß-Foto von Goetz im Halbprofil, der eben nicht frontal in die Kamera schaut, sondern nachdenklich ins Weite.

Hier klebt der Chef noch selbst... Quelle: Thorsten Keller

Den Stammtisch-Auftritt im kleinen Rahmen nutzt Goetz als Generalprobe für die große Bühne einen Abend später in Potsdam. In der Schinkelhalle fällt der Startschuss für die heiße Phase des Wahlkampfs, und viele Versatzstücke in seiner Rede hat der Spitzenkandidat auch in Königs Wusterhausen vorgetragen. Er knöpft sich vor allem AfD und Grüne vor, ohne sie namentlich zu nennen. „Der eine Mitbewerber sagt den Untergang des Abendlandes voraus, der andere den Untergang der Welt. Beides ist Unsinn.“

Der Unterrichtsausfall in Brandenburg und das durch den Föderalismus verkorkste deutsche Bildungssystem verquirlt Goetz zu einem düsteren Befund: „Deutschland war mal das Land der Tüftler, Ingenieure und Techniker. Da sind wir weit zurückgefallen.“ Er macht es den Zuhörern in der Schinkelhalle aber nicht leicht, seinem Vortrag zu folgen: Je länger Goetz spricht, desto schneller wird er, Kunstpausen oder effektvolle Betonungen spart er sich ganz. Die beflissenen Jungen Liberalen, die gelbe Spanplatten mit Wahlkampfslogans hochhalten, wissen gar nicht, wann sie damit winken sollen.

Kubicki braucht keinen Spickzettel

Der 58-Jährige fremdelt mit der von Christian Lindner auf jungdynamisch getrimmten FDP: Dieses Konzept sieht kein Rednerpult vor, sondern Headset-Mikros, die Politiker sollen lässig über die Bühne schlendern, im Idealfall ohne Karteikarten oder sonstige Spickzettel. Wolfgang Kubicki, der stellvertretende Chef der Bundespartei, führt das im Anschluss vor. Zwar rast auch sein Vortrag etwas konfus von der Energie-, zur Innen- und Außenpolitik und wieder zurück, aber eben komplett in freier Rede und mit ein paar onkelhaften Kalauern aufgelockert.

Was Goetz Kubicki voraus hat, ist seine Verwurzelung im Osten. „Noch nie war unsere Umwelt so sauber wie heute“, sagt Goetz. „Ich kenne das anders“ – eine Anspielung auf seine Studienjahre in Halle ab 1983, als die Stadt je nach Windrichtung aus Leuna oder Bitterfeld verpestet wurde. Zu seiner DDR-Vita gehört auch, dass er nach dem Abitur in die SED eingetreten ist. Goetz redet im MAZ-Interview ganz offen darüber: „Mit 19 habe ich an den Sozialismus geglaubt. Heute weiß ich es besser.“

Die MAZ lädt zum Wahlforummit den Spitzenkandidaten zur Landtagswahl – am Montag 12. August um 18 Uhr im Potsdam-Museum, Am Alten Markt 9 in der Landeshauptstadt. Freier Eintritt für MAZ-Abonnenten sowie eine Begleitperson bei Vorlage der Abo-Plus-Karte. Nicht-Abonnenten zahlen 3 Euro pro Person. Anmeldung unter www.maz-online.de/maz-talk oder 0331-2840294.

Von Thorsten Keller

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