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Brandenburg Städte wollen Denkmalruinen kaufen
Brandenburg Städte wollen Denkmalruinen kaufen
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07:17 06.01.2018
Einst ein Vorzeigegebäude Luckaus, nun zunehmend verfallen: Das Bürgerhaus ist nur noch eine Ruine Quelle: Carmen Berg
Potsdam

Das Bürgerhaus am Markt 13 in Luckau (Dahme-Spreewald) galt als eines der schönsten in Ostdeutschland – die DDR-Post druckte dessen stuckverzierte Fassade deshalb auf die 25-Pfennig-Briefmarke des Jahrgangs 1969. Ein Amiga-Plattencover für ein Werk Bach‘scher Orgelmusik zierte der Kunstgiebel ebenfalls. Heute sitzt die Feuchtigkeit im Gemäuer, der Speicher verfällt, Mauern müssen gestützt werden. Das Prachtstück, das teilweise aufs 13. Jahrhundert zurückgeht, ist eine Ruine. Stadt und Eigentümer finden nicht zueinander, weil der Besitzer eigentlich einen Club in dem Kaufmanns-Haus einrichten wollte. Als ihm das versagt wurde, verlangte er eine Summe, die man bei der Stadt nicht zahlen konnte und wollte – der Kämmerer hätte davon zwei Kita-Erzieher ein Jahr lang bezahlen können.

Bürgerhaus in Luckau auf 25 Pfennig-Briefmarke der Post aus DDR-Tagen. Ausgabetag: 15.01.1969 Quelle: Dietrich Dorfstecher / Deutsche Bundespost

Weil viele brandenburgische Städte solche verfallenden Kleinode in Ortszentren stehen haben und die Stadtoberhäupter ratlos sind, wie sie den Kulturverfall stoppen sollen, fordert die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ die Schaffung eines öffentlichen Fonds, um Problemimmobilien ankaufen zu können. Ihm schwebe ein „Auffangbecken für Erwerb und Sanierung vor mit dem Ziel, die Immobilie später wieder abzugeben“, sagte der Treuenbrietzener (Potsdam-Mittelmark) Bürgermeister und Vorsitzender der Stadtkern-AG, Michael Knape (parteilos) am Freitag auf einer Sitzung des kommunalen Gremiums in Potsdam. Der Verkaufserlös könnte dann wieder zurück fließen in den Fonds – zur Finanzierung weiterer Rettungstaten. In manchen Städten sei die Entwicklung ganzer Häuserzeilen durch die Existenz einer Bruchbude blockiert, sagt Knape. Viele Schlösser und Herrenhäuser seien nach der Wende mit Hilfe öffentlicher Töpfe gerettet worden.

Der Treuenbrietzener Bürgermeister weiß genau, wovon er spricht. Drei Jahre brauchte seine Verwaltung, um die Adressen aller 27 Teileigentümer eines Fachwerkhauses im Altstadtkern zu ermitteln. Waren nach 1990 oft unklare Besitzverhältnisse das Hauptproblem der Stadtsanierer, sind es heute oft die kleinteiligen Eigentumsverhältnisse infolge von Erbfällen. Für das alte Fachwerkhaus kommt Hilfe zu spät. Erst fiel das Dach ein, dann eine Zwischendecke. Heute steht nur noch ein Giebel. Zwar haben Gemeinden heute nach dem Baugesetzbuch die Möglichkeit, Eigentümer zu Sanierungen zu zwingen, wenn Verfall offensichtlich wird. Doch lässt sich das praktisch nur mit großen Problemen durchsetzen. „Bis ein Gerichtsurteil da ist, ist das Gebäude zusammengefallen“, sagt Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos).

Erfahrungsgemäß könnten die Gemeinden, wenn sie die alten Häuser übernähmen, bald seriöse Nutzer finden, sagt der stellvertretende Bürgermeister von Beeskow (Oder-Spree), Frank Steffen (SPD), der auch Vize-Vorsitzender der Stadtkern-AG ist. „Eine Stadt verkauft ja nicht an eine Limited-Gesellschaft mit Sitz auf den Cayman-Inseln.“

Bauministerin Kathrin Schneider (SPD) sieht die Bemühungen der Stadtkern-AG mit Sympathie, schränkt aber ein, das Land müsse vorsichtig sein, keine „Grundstücksspekulation aus Steuermitteln zu fördern“. Bestimmte Besitzer von bislang brachliegenden Immobilien bekämen sicher „Dollarzeichen in den Augen“, wenn das Land Geld für den Ankauf bereitstelle. Gleichwohl halte sie es für eine sehr gute Lösung, wenn Städte selbst verfallende Bauten übernähmen. Schon heute würden Mittel ausgereicht, um Dächer zu flicken und Keller abzudichten. Im März soll es eine Gesprächsrunde mit Ministervertretern sondieren, welche Form eine solche Zwischenfinanzierung annehmen könnte.

Dass Eile droht, bekräftigt Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos). Ein klassisches Weberhaus am mittelalterlichen Kloster Zinna (Teltow-Fläming) bereitet ihm Bauchschmerzen. Eine Expertengruppe mit Fachleuten aus ganz Deutschland habe sich den Fall angesehen. Ergebnis laut Raue: „Sie waren ratlos.“

Von Ulrich Wangemann

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