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Brandenburg Verhandlungen mit Investor gescheitert: Autozulieferer Schaeffler schließt Werk in Brandenburg
Brandenburg

Standort Luckenwalde: Autozulieferer Schaeffler schließt Werk in Brandenburg

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16:30 03.12.2021
Das Werk des Autozulieferers Schaeffler in Luckenwalde wird geschlossen.
Das Werk des Autozulieferers Schaeffler in Luckenwalde wird geschlossen. Quelle: Victoria Barmack
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Herzogenaurach/Luckenwalde

Der fränkische Autozulieferer Schaeffler schließt sein Werk im brandenburgischen Luckenwalde. In 15-monatigen Verhandlungen mit einem potenziellen Investor und den Belegschaftsvertretern sei kein gangbarer Weg für eine Fortführung des Standortes gefunden worden, sagte Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld am Freitag. Der Standort Luckenwalde fertige bisher ausschließlich Teile für Verbrenner-Fahrzeuge in der Automobilindustrie. Schaeffler richtet seine Autosparte mehr und mehr auf Elektroantriebe aus.

Für den Standort Luckenwalde müssten nun die Gespräche über einen Interessenausgleich beginnen. „Wir werden das fair machen“, sagte Rosenfeld der Deutschen Presse-Agentur. „Wir werden so vielen Beschäftigten wie möglich einen Arbeitsplatz an anderen Lokationen innerhalb des Konzerns anbieten“, erklärte er.

4400 Stellen abgebaut

Für Schaeffler ist die Entscheidung zur Schließung des Standortes Luckenwalde der Abschluss eines Konsolidierungsprogrammes, das an zwölf Standorten in Deutschland die Schließung, den Verkauf oder die vollständige oder teilweise Verlagerung von Produktion umfasste. In der Summe sollten 4400 Stellen abgebaut werden.

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Gleichzeitig sei aber an anderen Stellen Kapazität aufgebaut worden, sagte Rosenfeld - etwa bei der Fertigung von Komponenten für Elektroautos in Bühl (Baden-Württemberg) oder beim Aufbau eines Technologiezentrums am Hauptsitz in Herzogenaurach.

IG Metall: Industriestruktur geht verloren

IG-Metall-Bezirksleiterin Birgit Dietze äußerte, es sei „bitter, dass hier Industriestruktur verloren geht“. Um die Mobilitätswende zu bewältigen, müssten Unternehmen zu „Innovation und Investitionen“ bereit sein. Zulieferer müssten neue Produkte anbieten, um am Markt erfolgreich zu bleiben.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) äußerte die Hoffnung, die Beschäftigten in der Region halten zu können. „Der derzeitige Bedarf an Fachkräften lässt hoffen, dass ein überwiegender Teil der Beschäftigten auf dem Arbeitsmarkt gut unterkommt.“ Er bedauerte den Schließungsbeschluss. Dass es nicht zum Verkauf an einen Investor gekommen sei, habe verschiedene Ursachen. „Insbesondere scheint es nicht gelungen zu sein, ausreichend Vertrauen in der Belegschaft in einen möglichen Investor zu erzeugen“, sagte Steinbach.

Proteste gegen Schließungspläne

Schaeffler hatte schon im Sommer signalisiert, dass es den Standort schließen wolle. Es bleibe nur noch die Verhandlung über den Sozialplan für die rund 300 Beschäftigten. Die Belegschaft hatte sich mehrfach an die Politik gewandt – zuletzt am 3. Oktober 2020 beim Besuch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Einheitsfeier in Potsdam. Schaeffler-Angestellte hatten vor der Metropolishalle demonstriert.

Alte Verbindung schon zu DDR-Zeiten

Im Jahr 2020 erwirtschaftete die Schaeffler-Gruppe weltweit einen Umsatz von rund 12,6 Milliarden Euro. Mit 83.900 Angestellten ist der Konzern eines der weltweit größten Familienunternehmen.Der westdeutsche Konzern Schaeffler war schon vor 1990 mit dem DDR-Standort Luckenwalde verbunden. 1986 bereits wurde der Grundstein für eine Produktionshalle auf dem Gelände des Luckenwalder Wälzlagerwerks gelegt, 1988 begann dort die Produktion von Tassenstößeln, einem Werkteil in Verbrennungsmotoren.

Von MAZonline