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Brandenburg Stefan Raab bekommt die Keule
Brandenburg Stefan Raab bekommt die Keule
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19:40 24.09.2013
Sie können wirklich nett sein, aufmerksam und still – doch manchmal muss die Sau raus. Claus Capek (l.) und Sera Finale als Keule. Quelle: Universal
Potsdam

Und um das jetzt mal einzuordnen, welche Wucht die Band hat, schauen wir auf ihren Börsenkurs. Mehr als 20 Millionen Klicks hat Keule bei Youtube kassiert für dieses eine Video, „Hampel“, es ist zwei Jahre alt. Die CDU bekam in Deutschland 18,2 Millionen Stimmen bei der Wahl – wenn man es kühn auslegt, lässt sich behaupten: Keule haben den Regierungsauftrag. Das überrascht. Weil man, ganz ehrlich, von „Hampel“ nie gehört hat.

Keule sind zwei grundverschiedene und nicht mehr ganz so junge Männer. Sie vertreten Brandenburg beim Bundesvision Song Contest, der am Donnerstag in Mannheim ausgefochten wird. Stefan Raab moderiert. Keule sind große Clowns, doch sie sind noch größere Psychologen. Sera, Sänger des Duos, erzählt: „Wir haben als Titelbild für das Video eine Sexorgie genommen, die Szene stammt aus Lars von Triers Film ,Idioten’.“ Der Clip aber zeigt eine Weihnachtsfeier vom Frauenfußball, durchweg züchtig, es herrscht die Besonnenheit eines Seniorentanzes. Jemand hat als Kommentar unter das Video geschrieben, leicht enttäuscht: „Haha, lustiger Trick.“ Keule wissen, mit Speck fängt man Mäuse.

Stefan Raab modieriert den Eurovision Song Contest. Foto: dpa

Keule gibt es seit drei Jahren. Sera war vormals Rapper, hat ein Lied über Berlin geschrieben: „Ich weiß gar nicht, was du willst, das hier ist nur meine Stadt, vier Millionen hat Berlin, weil jeder seine eigene hat, und ich muss sie beschützen, so wie mein Leben, denn es ist definitiv der beste Platz auf dem Planeten.“ Sera ging auf die Waldorfschule, er wirkt wie der bullige Kommissar vom „Polizeiruf 110“ aus Rostock. Der dicke Typ, den alle Frauen gut finden.

Claus, der Gitarrist, ist schlank, trägt dicke Brille, wie sie sich durchgesetzt hat in Berlins maßgeblichen Kreisen. Claus ist leiser. Er kommt aus Mahlow (Teltow-Fläming), hat in Ludwigsfelde sein Schwimmabzeichen gemacht, wie er betont. Vor Keule spielte er bei der Band ohne Namen – Popballaden. Schön, manchmal banal.

Sie kennen sich vom Songwritercamp. Claus schrieb einen Vers, Sera hat gesungen, es passte. Nun sitzen sie in Berlin-Mitte, PR-Büro, Salzbrezeln, Apple-Computer, Unordnung. Claus und Sera hocken auf der Couch wie ungleiche Brüder. Wie Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt. Alles ist Witz, die Pointe stets zum Greifen nahe. Sie versuchen, ihren Stil aus Comedy und Pop zu definieren. Ähneln sie den Ärzten? „Die Ärzte sind erwachsener als wir“, sagt Sera. „Doch auch wir haben Grenzen“, sagt Claus, „das Lied ,Auch Arme haben Beine’ ist vom neuen Album geflogen, zu klamaukig“.

Humor ist Schmierstoff bei den beiden. Sera fragt man, ihn als alten Waldorfschüler, ob er seinen Namen tanzen könne. Nein, macht er nicht. Doch er tanzt den Namen des Journalisten. Der große, schwere Kerl, klug und jetzt sehr ernst, steht auf und reißt die Arme hoch, anmutig fährt er mit den Händen durch die Luft, als schwenke er versonnen eine Wunderkerze – das alles ist so überdreht, poetisch, schön und unwirklich, dass man jetzt einen tiefen Schluck vom stillen Wasser braucht. Erst mal runterkommen.

Sie treten mit „Ja, genau“ beim Song Contest an, einer bösen Ode an die Unverbindlichkeit: „Beide stehen unter Strom, völlig geil, kein Kondom, aber es wird schon nichts passieren, sie passen auf – ja, genau.“ Die Musik klingt nach Neuer Deutscher Welle, nach „Ich will Spaß“ von Markus. Sie arbeiteten mit einem Team, das auch Miley Cyrus produziert hat. Annette Humpe gab ihnen den Rat, Emotionen seien wichtig, viel entscheidender als Handwerk.

20 Millionen Klicks. Sera rückt die Dinge zurecht: „Diese Irrsinns ziffer auf Youtube bedeutet nicht unbedingt, dass man seine Miete bezahlen kann.“ Der Musikmarkt sei übersättigt, man müsse zunächst etwas ans Publikum verschenken, sich bekannt machen, mediales Interesse wecken, dann habe man einen Namen. Und könne an Konzerten verdienen. Sera sagt: „Manchmal kommen Leute nach dem Auftritt und erzählen mir, nach drei, vier Bier, sie haben unsere Musik illegal runtergeladen, und weil sie uns so geil finden, wollten sie uns live sehen.“ Dafür haben sie bezahlt. Diesen Deal findet Sera okay.

Der Durchbruch kam mit „Ich hab dich gestern Nacht auf Youporn gesehen“, 2010 erschienen. Keule singen meist von Peinlichkeiten, ihr Publikum lebt in der digitalen Welt, im Internet, der Held der Keule-Fans ist Stefan Raab. Das erhöht die Chancen beim Contest. Wo die Stärken der Band liegen? Sera glaubt, „wir sind noch ein bisschen bekloppter als die anderen.“

Keule: Dick sein ist fett. Polydor/Universal.

Bundesvision Song Contest

Stefan Raab kann ja mittlerweile fast alles, sogar Politik, aber jetzt geht’s mal wieder um die Musik. Morgen (20.15 Uhr, Pro Sieben) steigt der Bundesvision Song Contest, für den deutschen Pop ein wichtiger Termin. Erneut tritt ein Act aus jedem Bundesland an.
Der Song Contest wurde 2005 von Raab gestartet, sein Name verweist auf den Eurovision Song Contest. Die Show will deutschsprachige Musik fördern, mindestens 50 Prozent des Textes muss deutsch sein.
Die Übersicht der Kandidaten:
Baden-Württemberg: Max Herre Featuring Sophie Hunger – „Fremde”.
Bayern: Charly Bravo – „Dreckige Namen”.
Berlin: MC Fitti – „Fitti mit'm Bart”.
Brandenburg: Keule – „Ja, genau!”
Bremen: De Fofftig Penns – „Löppt”.
Hamburg: Johannes Oerding – „Nichts geht mehr” .
Hessen: Sing um dein Leben – „Unter meiner Haut”.
Mecklenburg-Vorpommern: Guaia Guaia – „Terrorist”.
Niedersachsen: Bosse – „So oder so”
Nordrhein-Westfalen: Pohlmann – „Atmen”.
Rheinland-Pfalz: Mega! Mega! – „Strobo”.
Saarland: DCVDNS – „Eigentlich wollte Nate Dogg Die Hook singen”.
Sachsen: The Toten Crackhuren im Kofferraum – „Ich brauche keine Wohnung”.
Sachsen-Anhalt: Adolar – „Halleluja”.
Schleswig-Holstein: Luna Simao – „Es geht bis zu den Wolken”.
Thüringen: Hannes Kinder & Band – „Déjà-vu”.
Das Publikum bestimmt den Sieger.

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