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Brandenburg Neonazi-Firma bewachte KZ-Gedenkstätte: Security droht Rauswurf
Brandenburg Neonazi-Firma bewachte KZ-Gedenkstätte: Security droht Rauswurf
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21:21 18.02.2019
Tor zur Mahn- und Gedenkstätte im ehemaligen KZ Sachsenhausen. Quelle: Robert Roeske
Potsdam

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten droht dem Security-Unternehmen, das die ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück (beide Oberhavel) sichert, mit Rauswurf. Hintergrund sind MAZ-Recherchen, wonach der Wachschutz für das Lager Sachsenhausen zeitweise von dem Subunternehmen eines Cottbuser Neonazis gestellt wurde. „Eine Beendigung des Vertragsverhältnisses ist eindeutig eine Option“, sagte der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll am Montag der MAZ.

Stiftungs-Chef: „Ein klarer Vertragsbruch

Konkret wirft Drecoll der Neuenhagener (Märkisch-Oderland) Firma City Control vor, ohne Genehmigung der Stiftung dem Unternehmen „Boxing Security“ aus Cottbus als Subunternehmen auf dem Gedenkstättengelände beschäftigt zu haben. City Control ist Hauptauftragnehmerin.

Axel Drecoll, Direktor der Gedenkstätten-Stifung. Quelle: dpa/Matthias Balk

„City Control wäre verpflichtet gewesen, schriftlich unser Einverständnis einzuholen, sobald die Firma ein Subunternehmen auf dem Gelände der Gedenkstätten beschäftigen will“, so Drecoll. Dies habe City Control aber unterlassen. „Wenn sich das erhärtet, handelt es sich um einen klaren Vertragsbruch“, sagte der Gedenkstätten-Chef. Die Stiftung hat außerdem City Control aufgefordert, die Geschäftsbeziehungen zu dem Subunternehmen einzustellen.

Kampfsportler im Nazi-T-Shirt

„Boxing-Security“-Chef Ronny S. ist tief in der rechten Szene verwurzelt. Auf einem Kampfsporttreffen internationaler Rechtsextremisten (“Tiwaz –Kampf der freien Männer“) in Sachsen trat er 2018 auf und warb als Plakat-Modell dafür. Außerdem posiert er im Internet in einem T-Shirt mit aufgedrucktem Eisernen Kreuz und dem Schriftzug: „Vizeweltmeister ’45“.

In den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück ermordeten die Nationalsozialisten im Dritten Reich Zehntausende Menschen.

Stiftung überprüft alle Security-Verträge

City Control hatte den Bewachungsauftrag für Sachsenhausen und Ravensbrück Anfang 2018 im Rahmen einer öffentliche Ausschreibung erhalten. Die übrigen Brandenburgischen Gedenkstätten werden von anderen Unternehmen gesichert. Dennoch wird die Stiftung laut ihrem Direktor auch diese Dienstleistungsverträge nach möglichen Wachschützern mit extremistischem Hintergrund durchforsten.

Dabei geht es um die Gedenkstätten für die Opfer des Todesmarsches im Belower Wald 1945, für Euthanasie-Verbrechen der Nazis in Brandenburg/Havel, die Hinrichtungsstätte in Brandenburg/Görden sowie für Opfer des KGB-Gefängnisses in der Potsdamer Leistikowstraße. „Es wird eine grundlegende Überprüfung aller Verträge mit Wachschutzunternehmen für die Gedenkstätten geben“, sagte Drecoll.

 Verfassungsschutz soll Wachdienste prüfen

Zudem will die Gedenkstättenstiftung Wachfirmen zukünftig vom Verfassungsschutz prüfen lassen. Dazu gebe es bereits Kontakt mit dem Innenministerium, sagte der Stiftungsdirektor. Man werde auf den Nachrichtendienst zurückgreifen, „wenn es darum geht, Wachschutzfirmen für die Gedenkstätten besser einschätzen zu können“, sagte Drecoll.

Das brandenburgische Innenministerium hat indes keine Hinweise darauf gefunden, dass „Boxing Security“ in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes tätig war. Eine Referenz zu solchen Heimen hatte das Unternehmen auf seiner Homepage angegeben. Diese Liste hat das Cottbuser Sicherheitsunternehmen am Wochenende gelöscht.

Rechter Firmen-Boss löscht Facebook-Eintrag

Stattdessen hat Unternehmer S. eine Erklärung auf der Firmenseite veröffentlicht, in der es heißt: „Boxing Security distanziert sich in jeglicher Form von Extremismus und Gewalt jeder Art.“ Seinen Instagram-Auftritt hat Ronny S. sicherheitshalber eingeschränkt, auf Facebook ist ebenfalls seit dem Wochenende kein Hinweis auf seine Teilnahme an der Neonazi-Kampfsportveranstaltung im Erzgebirge 2018 zu finden.

Die Gedenkstätten hatten am Samstag den Bericht der MAZ bestätigt, wonach das fragwürdige Unternehmen mindestens sechs Schichten in den Gedenkstätten übernommen hatte. Die Gedenkstättenstiftung verlangt nun weitere Details, wann und wo das Subunternehmen eingesetzt worden sei, sagte Sprecher Horst Seferens. Derzeit sei noch unklar, ob auch die Gedenkstätte des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück (Oberhavel) betroffen sei.

Der Vertrag mit der beauftragten Firma enthält nach Angaben des Sprechers eine Extremismusklausel. Die Klausel untersage Kontakte zu Personen und Organisationen, die der besonderen Sensibilität und dem Charakter der Gedenkstätten entgegenstehen. Bei Vertragsabschluss sei das Unternehmen auch mündlich auf diesen Umstand hingewiesen worden.

Von Ulrich Wangemann

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