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Brandenburg Auf den Spuren der IS-Geisel Toni N.
Brandenburg Auf den Spuren der IS-Geisel Toni N.
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00:54 28.08.2014
In Syrien herrscht Krieg. Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht. Quelle: dpa
Strausberg

Ein 27-jähriger Brandenburger zog vor einem Jahr auf eigene Faust in den syrischen Bürgerkrieg, um – wie er später zu Protokoll gab – der Bevölkerung zu helfen. Aber er wurde offenbar von der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) als Geisel genommen und ist nach einer zwölf Monate währenden Odyssee nun wieder in Deutschland. Der Mann heißt Toni N. und stammt aus Strausberg (Märkisch-Oderland). Im Juni 2013 brach der Kochlehrling auf, um über die Türkei in das syrische Grenzgebiet zu gelangen. Er versetzte sein iPhone und kaufte sich ein Flugticket nach Istanbul. Als die Familie wochenlang nichts von ihm hörte, meldete sie den Sohn als vermisst und versuchte verzweifelt, ihn über soziale Netzwerke ausfindig zu machen.

Familie meldet den Sohn als vermisst

Tonis Vater Dirk N., ein Versicherungsmakler, schrieb im Juli 2013 auf Facebook: „Genau heute vor sieben Wochen flog mein Sohn von Berlin über Istanbul nach Hatay in die Türkei. Seit dem gibt es kein Lebenszeichen mehr, kein Handy-Kontakt, keine Kreditkartenbewegungen auf seinem Konto, einfach nichts. Toni ist ein lebensfreudiger, freundlicher, immer hilfsbereiter junger Mensch. Er hat es VERDIENT ZU LEBEN.“

Auch Monate später ist Toni noch immer vermisst. Kein Lebenszeichen. Dirk N. reist mehrfach in die Türkei. Im Nachhinein bedankt er sich auf Facebook öffentlich bei der türkischen Staatsanwaltschaft und Gendarmerie, die „sehr, sehr hilfsbereit“ waren. Und er fügt hinzu: „Seit einiger Zeit werde ich auch durch unsere deutschen Behörden unterstützt.“ Doch es sollte noch weitere sieben Monate dauern, bis Toni N. im Juni 2014 nach rund einem Jahr in der Hand der Terrorgruppe freigelassen und türkischen Polizeibeamten übergeben wurde. Mit ihm kam auch ein 25-jähriger Däne frei. Toni N. kehrte am 20. Juni nach Deutschland zurück.

„Jeder darf doch dorthin reisen, wohin er will“

In Strausberg, der 25000 Einwohner zählenden Stadt am Straussee im Osten Berlins, flanieren Bewohner und Gäste durch die Altstadt. Die Sonne scheint, die Straßencafés sind gut besucht, der syrische Bürgerkrieg ist weit weg. Die meisten Leute reagieren erstaunt auf die Nachricht, dass ein Sohn der Stadt jener Brandenburger ist, der nun in allen Nachrichten erwähnt wird. Eine junge Frau behauptet, sie kenne Toni „über drei Ecken“. „Der wollte letztes Jahr in die Türkei“, sagt sie, weiß aber nicht, was aus ihm geworden ist. Nun ist sie schockiert. Dass der Kochlehrling auf eigene Faust im gefährlichen Bürgerkriegsgebiet unterwegs war, stört sie nicht. „Jeder darf doch dorthin reisen, wohin er will.“
Ein anderer meint, dass es begrüßenswert sei, Hilfe in solchen von bewaffneten Kämpfen erschütterten Regionen zu leisten, „aber es ist schon merkwürdig, dass er ganz allein, ohne eine Organisation im Hintergrund dorthin gereist ist.

"Trottel, die kämpfen wollen"

Davon wird doch gerade wegen der Sicherheit immer wieder abgeraten“. Eine 76-jährige Frau, die ihr Leben in Strausberg verbracht hat, ist über die Nachricht erstaunt. „Ich bin sehr skeptisch, wenn junge Männer in ein Kriegsgebiet gehen. Es kann sein, dass sie helfen wollen, oder aber es sind Trottel, die kämpfen wollen.“ Dass möglicherweise ein hohes Lösegeld gezahlt wurde, sieht sie nicht ein. „Da halte ich es mit den Amerikanern. Die lassen sich nicht erpressen. Denn das Geld gerät dann in falsche Hände.“

In einem Strausberger Fleischerladen empört sich ein Mann, der gerade seine volle Einkaufstüte verstaut, über Toni N. „Leichtsinnig“ sei das erste Wort, das ihm da einfalle, sagt der Mittsechziger. „So eine Reise kann man doch nicht auf eigene Faust machen. Dass die Leute freigekauft werden, finde ich prinzipiell gut, aber man ist in einem Zwiespalt, weil damit auch die Geiselnehmer unterstützt. werden.“

Toni N. hatte "unvorstellbares Glück"

Tatsächlich nimmt auch in Sicherheitskreisen die Sorge zu, dass junge Männer im guten Glauben, in Kriegsgebieten humanitäre Hilfe leisten zu können, in die Hände von Terrorbanden geraten. Die Freilassung gestaltet sich häufig zur nervenaufreibenden Zitterpartie. Dazu kommen die enormen Kosten von Operationen, mit denen ahnungslose Idealisten aus lebensbedrohlicher Lage gerettet werden müssen. Nach Angaben von Sicherheitsexperten müssen für solche Operationen geheime Kanäle fernab der offiziellen Diplomatie bemüht werden. So auch bei Toni N. „Er hat unvorstellbares Glück gehabt“, wird ein an der Befreiung beteiligter Experte zitiert.

Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos) wusste bis zum Wochenende nichts von dem Entführungsfall. Sie kann sich allerdings erinnern, dass sie vor einem Jahr auf die Facebook-Nachricht des Vaters aufmerksam gemacht wurde. „Wir als Stadt sind aber weder kontaktiert noch um Hilfe gebeten worden. Ich freue mich für den jungen Mann und für die Familie, dass sie ihren Sohn zurückbekommen hat.“ Stadeler hofft, dass die Familie zur Ruhe kommt und „der Sohn sich nicht gleich wieder in solche gefährlichen Situationen begibt. Er hat bestimmt daraus gelernt“.

Ein direkter Kontakt zu Toni N. und seiner Familie war am Montag nicht möglich.

Von Peter Degener

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