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Brandenburg Strausberger Bunker wird Ausstellungsort
Brandenburg Strausberger Bunker wird Ausstellungsort
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15:52 11.10.2019
Martin Kaule vom Berliner Verein „Orte der Geschichte“ im Dispatcher-Raum im ehemaligen Fernmeldebunker des DDR-Postministeriums in Strausberg. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Strausberg

Eine 300 Meter lange Galerie ist an sich nichts Besonderes. Befindet sie sich allerdings in einem Bunkertunnel aus der Zeit des Kalten Krieges, dann wohl schon. Zwei Ausstellungen sind in dem langen, unterirdischen Gang untergebracht, der auf der einen Seite noch von armdicken Starkstromkabeln gesäumt ist: „Voll der Osten“ nennt sich eine Fotoschau der Stiftung Aufarbeitung. Um den Abzug der russischen Streitkräfte Mitte der 1990-er Jahre aus Brandenburg geht es in der zweiten. „Das ist unsere erste eigene Ausstellung“, erklärt Martin Kaule vom Berliner Verein Orte der Geschichte, der den zweigeschossigen Bunker am Rande Strausbergs (Märkisch-Oderland) gepachtet hat. Ein ungewöhnliches Kulturzentrum soll entstehen.

Im einstigen Fernmeldebunker des DDR-Postministeriums in Strausberg entsteht eine Kulturstätte. Der Berliner Verein „Orte der Geschichte“ hat große Pläne für das Areal. Derzeit sind zwei Ausstellungen zu sehen.

Der ehemalige Fernmeldebunker des DDR-Postministeriums wurde erst 1984 fertiggestellt und ist einer der modernsten seiner Art. Im Falle eines Atomschlages hätten hier 200 Techniker zumindest einen Tag überleben können, erzählt Hobbyhistoriker Kaule und öffnet eine der jeweils drei Tonnen schweren Eingangstüren. Nach der deutschen Wiedervereinigung nutzte dann die Bundeswehr die Anlage bis 1994, anschließend ging das Gelände in das Eigentum der Telekom über.

Lern- und Begegnungsstätte

Je tiefer man bei zehn Grad und einer Luftfeuchtigkeit von fast 90 Prozent in das unterirdische Labyrinth eintaucht, desto mehr riecht es nach Verbranntem, die Wände sind rußgeschwärzt. „Jugendliche hatten hier Feuer gelegt“, erklärt Kaule und weist auf die vielen Graffitis. Bis 2005 sei der Bunker mehrere Jahre lang nicht verschlossen gewesen. Damals sei das Bauwerk offenbar zur Party-Hochburg junger Strausberger geworden.

Seit dem 8. Oktober ist das Betreten des Bunkern allerdings untersagt. Das Bauordnungsamt verlangt laut Verein einen Bauantrag. Dieser liegt jedoch bislang nicht vor. Laut Kaule wurde deshalb nun ein Runder Tisch mit dem Amt und der Strausberger Bürgermeisterin vereinbart, um schnell eine Lösung zu finden.

„Wir wollen aus dem Bunker eine Lern- und Begegnungsstätte machen, an der Geschichte authentisch und modern vermittelt werden kann“, erklärt der Wirtschaftsinformatiker, dessen Angaben nach es mittlerweile im Tunnel sogar WLAN gibt. Das Ziel fördert auch die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, die die erste Ausstellung des 2012 gegründeten Vereins finanziell unterstützt. „In dem ehemaligen Postbunker ist ein weiterer Lernort für die außerschulische Entwicklung im Land Brandenburg entstanden“, sagt dazu Referentin Katrin Marx.

Zum Bunker-Areal gehören 25 Hektar Wald

Die rund 20 Vereinsmitglieder – Historiker, Pädagogen, Handwerker – reisen seit Jahrzehnten zu Orten der Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts in ganz Europa. Sie wollen sie dokumentieren und in einer Datenbank aufbereiten. Der alte DDR-Bunker ist ihr erstes eigenes Objekt, gepachtet von Eigentümer Matthias Merkle.

Der Berliner Theaterregisseur hatte das Areal in erster Linie aufgrund der dazu gehörenden 25 Hektar Wald gekauft. „Die Geschichte des Kalten Krieges mit der Natur drumherum wollen wir künftig für eine öffentliche Gesamtinszenierung nutzen“, sagt der Künstler, der sich eine Holzwerkstatt eingerichtet hat. Im alten Wasserwerk habe sich ein Theater angesiedelt, in die alte Wache soll Gastronomie einziehen. Auch Übernachtungsmöglichkeiten könnten auf dem fünf Hektar großen, bebauten Gelände laut Merkle entstehen.

Licht, Strom und Heizung funktionieren

Die Umgestaltung der einstigen militärischen Anlage zu einem Kulturbunker finanziert der Verein „Orte der Geschichte“ laut Kaule aus Buchprojekten, die er herausbringt sowie durch geführte Reisen zu zeitgeschichtlichen Orten, sogenannten „lost places“. Ziele sind das ukrainische Tschernobyl oder die Bunkeranlagen des „Ostwalls“, der durch das Deutsche Reich seit 1934 gebauten einstigen Festungsfront des Oder-Warthe-Bogens in Polen.

Durch Eigeninitiative der Vereinsmitglieder funktionieren im Strausberger Bunker nun Licht, Strom und Heizung. Zuvor wurde über ein Jahr lang containerweise Müll aus den insgesamt einen Kilometer langen Gängen und 196 Räumen geholt. Knapp 10 000 Quadratmeter warten nun auf neue Nutzer. Es gibt Wände voller Armaturen, Sicherungskästen und Anzeigen. Dicke Drehräder an manchen Türen erinnern an Bank-Tresore.

Lautsprecher für Führungen

Für Führungen sollen Lautsprecher installiert werden, die typische Geräusche dazu einspielen. Zudem hat der Verein Zeitzeugenberichte aufgenommen. Viele der alten Maschinen - etwa Klimablöcke, Schaltschränke oder Kompressoren - stehen auf riesigen, metallenen Federn und schwingen. Auch einige Fußböden sind so präpariert, dass sich der Besucher fühlt, wie auf einem schwankenden Schiff.

„Wir haben bereits mehrere Berliner Galeristen hier herumgeführt, die von den künftigen Ausstellungsräumen begeistert sind. Im nächsten Frühjahr geht es los“, erzählt Kaule. Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos) freut sich über die kulturelle Nachnutzung des alten Bunkers. „Das ist eine wunderbare Kombination aus historischer Ingenieursleistung und heutiger Kunst. Der Kulturbunker könnte zu einem Highlight unserer Stadt werden. Deshalb werden wir ihn natürlich touristisch bewerben“, verspricht sie.

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Von Jeanette Bederke

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