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Brandenburg Streit um den Bunker Harnekop
Brandenburg Streit um den Bunker Harnekop
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15:53 13.05.2019
Ein Atemschutzmaske liegt im Bunker Harnekop auf einem Tisch der Technikzentrale. Quelle: Bernd Settnik/dpa
Harnekop

Wer die 95 Stufen hinab in den Atombunker Harnekop (Märkisch-Oderland) steigt, ist beeindruckt: 200 Räume auf drei unterirdischen Etagen, geschützt von drei Meter dicken Betonwänden, die selbst dem stärksten Atomschlag standhalten sollten. 30 Meter unter der Erde hatte sich der DDR-Verteidigungsminister mit seinen ranghöchsten Befehlshabern im Kriegsfall vor dem Klassenfeind verschanzen und den Gegenschlag kommandieren wollen.

Angesichts dieser Ausstattung würde wohl kein Besucher auf die Idee kommen, dass der Atombunker Harnekop, seit 2001 Baudenkmal, in seinem Bestand gefährdet sein könnte. Doch genau das steht im Brandenburger Landesdenkmalbericht. Grund ist Streit um die Nutzung des Geländes zwischen Pächtern, Eigentümern und Ämtern. Dabei geht es zum einen um den in den 70er Jahren gebauten Bunker, zum anderen um Veranstaltungen auf den Außenanlagen.

Festivalbesucher zerstörten Antennen und Sensoren

Denkmalpfleger Matthias Baxmann zählt auf: „Es gibt Streit um die Zugangsrechte zum Gelände, es gab Open-Air-Musik-Festivals, bei denen oberirdische Anlagen wie Antennen und Sensoren, die zum Bunker gehören, zerstört wurden. Hinzu kamen unsachgemäß angelegte Löschteiche, deren Wasser in den Bunker läuft.“

So ein wichtiges technisches Denkmal brauche zuverlässige Nutzungsstrukturen, fordert Denkmalpfleger Baxmann und appelliert an den Eigentümer. Das ist seit acht Jahren die Grundstücksgesellschaft Lindenallee 1 Harnekop mbH mit Sitz in Potsdam, wie Hans-Ludwig Körner, einer der Gesellschafter, bestätigt. Der oberirdische Teil des Geländes sei an den Verein Natur & Kultur Freunde e. V. aus Frankfurt (Oder) verpachtet. Den Bunker hingegen verwalte seit zwei Jahren der Berliner Verein für Erinnerung und Bewahrung von Zeitgeschichte e. V. (VEB), der an den Wochenenden Bunkerführungen anbietet.

Gerichtstermin am 5. Juni

„Mit dem VEB liegen wir im Clinch, den wollen wir als Pächter nicht mehr haben“, erklärt Körner. Der Eigentümer habe eine Räumungsklage erwirkt. Die begründet Körner mit einem vom Verein praktizierten Erinnerungskult, der nicht mehr in die heutige Zeit passe. VEB-Mitglied Wolfgang Schörnig verweist auf einen Pachtvertrag über fünf Jahre. Für den 5. Juni ist ein Gerichtstermin anberaumt. Der Verein habe das technische Denkmal überhaupt erst einmal wieder begehbar gemacht, vom Müll beräumt und aufgrund seiner historischen Bedeutung ins Bewusstsein zurück geholt. Das Interesse an Führungen sei inzwischen groß.

Diese Verdienste würdigt auch das Landesdenkmalamt in seinem Bericht. Das Gelände darüber eigne sich gar nicht für Großveranstaltungen, sagt Schörnig und weiß sich auch hier eins mit den Denkmalschützern. Der Hobbyhistoriker verweist auf die zahlreichen Noteinstiege und Versorgungsschächte, die oft nur mit einer Metallplatte abgedeckt sind. Darunter geht es Meter weit in die Tiefe. „Wenn hier jemand runter stürzt, tut der sich richtig weh“, sagt der Bunkerfan. Das Landesdenkmalamt müsste das ganze Gelände unter Schutz stellen, findet Schörnig.

Müllberge des letzten Sommers auf dem Gelände

Beim Rundgang über das oberirdische Bunkergelände präsentiert er die Hinterlassenschaften des Musikfestivals aus dem vergangenen Sommer: Hölzerne Plumpsklos und windschiefe Hütten, Polster-Sitzecken, Müllberge, Autowracks, Reste von Bühnen. „Was hat das mit Natur und Kultur zu tun?“, meint er kopfschüttelnd.

Der Frankfurter Eric Melitz von Natur & Kultur Freunde e. V. verweist hingegen darauf, dass sein Verein laut behördlicher Ordnungsverfügung vom 11. August vergangenen Jahres nichts mehr auf dem Bunkergelände tun darf. „Uns sind Zwangsgelder angedroht, wenn wir da etwas anfassen. Also können wir auch den Müll nicht wegräumen“, erklärt der Vorsitzende von Natur & Kultur Freunde.

Die Auseinandersetzung mit dem VEB und den Behörden sei eine „Schmierenkomödie“. „Von Anfang an waren wir für sie die Bösen“, empört er sich. Sein Verein befinde sich im Widerspruchsverfahren gegen die Ordnungsverfügung und plane neue Events für den Sommer. Das Amt Barnim-Oderbruch hatte dem Verein im Sommer vergangenen Jahres untersagt, das oberirdische Gelände weiter als Veranstaltungsort für Musikfestivals zu nutzen. Der zuständige Amtsdirektor, Karsten Birkholz, wollte sich öffentlich nicht näher äußern, da sich seine Behörde bezüglich der Nutzungsrechte auf dem Bunkergelände im Rechtsstreit befinde.

Von Jeanette Bederke

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