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Brandenburg THW prüft Ausbildungszentrum in Brandenburg/Havel
Brandenburg THW prüft Ausbildungszentrum in Brandenburg/Havel
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10:00 25.01.2019
Das Technische Hilfswerk (THW) sichert mit Sandsäcken einen Deichabschnitt an der Elbe bei Dömitz gegen Hochwasser. Quelle: Jens Büttner/dpa
Brandenburg/Havel

Es war ein Geschenk für die Stadt Brandenburg und Oberbürgermeister Steffen Scheller, das vor einigen Tagen die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer im Gepäck hatte, als sie erstmals die Stadt besuchte. Vor laufenden Kameras versprach die Parteichefin fast unbemerkt vor dem Publikum, aber sehr zur Freude der Stadtspitze, sie werde sich für einen Ausbildungsstandort des Technischen Hilfswerkes (THW) in der Stadt einsetzen. Den ersten leitenden Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums, der ihr über den Weg laufe, werde sie sich greifen und sehen, was sie in dieser Frage tun könne.

„Inhaltliche Leere in der Gesellschaft“

Dann sprach AKK über die inhaltliche Leere in der Gesellschaft nach der Abschaffung der Wehrpflicht und eine auch kontrovers zu führende Diskussion über einen breiten gesellschaftlichen Dienst. Und auch die möglichen Auswirkungen auf das Ehrenamt sollten in diesen Zusammenhang nicht unbeleuchtet bleiben. Denn 99 Prozent der THW-Angehörigen arbeiten ehrenamtlich im Hilfswerk.

In 668 Ortsverbänden engagieren sich bundesweit mehr als 80 000 Helfer in ihrer Freizeit, um Menschen im Katastrophenfall Hilfe zu leisten. Und wie Steffen Scheller später verriet: Auch Kramp-Karrenbauer ist ehrenamtlich als THW-Mitglied aktiv. Im Kern streifte die CDU-Chefin in ihrer Rede inhaltlich immer wieder – ohne das konkret zu nennen – auch das THW-Projekt, das sich als Glücksfall für die Stadt Brandenburg herausstellen könnte.

2007 endete eine Ära

Der Deutsche Bundestag hat bereits entschieden, das freiwillige Engagement durch ein erweitertes Angebot an Stellen für Bundesfreiwilligendienstleistende (Bufdis) zu verbessern. Das THW erhält daher noch in diesem Jahr 2000 Bufdi-Plätze sowie das erforderliche hauptamtliche Personal für Ausbildung und Betreuung. Doch der Umfang dieser Ausbildung sprengt die Kapazitäten der vorhandenen beiden Ausbildungszentren in Hoya bei Bremen und Neuhausen bei Stuttgart. Deswegen plant das Hilfswerk jetzt ein „drittes Ausbildungszentrums in Ostdeutschland“, wie Michael Kretz vom THW-Presseteam mitteilt.

Rund 53 Millionen Euro investiert

In Sachsen, Thüringen und Brandenburg waren die Verantwortlichen bereits unterwegs. Im Land Brandenburg wurden in Bernau und in Brandenburg/Havel besichtigt. Mit dabei war auch THW-Präsident Albrecht Broemme. Und der sei, wie es aus dem Rathaus heißt, in Brandenburg begeistert gewesen, als er den vorgeschlagenen Standort sah: Nämlich das Areal der ehemaligen Rolandkaserne in der Upstallstraße. Derzeit leben dort etwa 220 Asylbewerber.

Doch das Gros der vor Jahren für viele Millionen Euro ausgebauten Technik-Hallen der Bundeswehr steht leer oder wird als Lager genutzt. Rund 53 Millionen Euro investiert 2007 endete dort eine Ära. Die Stadt war seitdem dann nach mehr als 300 Jahren nicht länger Garnisonsstadt. Ex-Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) musste damals den Schlüssel für die Roland-Kaserne übernehmen. Zuletzt war dort das Panzergrenadier-Bataillon 421 mit 850 Soldaten und Offizieren stationiert. Seit 1990 hatte die Bundeswehr auf dem Areal rund 53 Millionen Euro investiert. Der Standort bot modernste Hallen für über 90 gepanzerte und 139 normale Fahrzeuge.

Der Standort könnte ideal sein, sagt Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) auf MAZ-Nachfrage. Allerdings gehört das Gelände nicht der Stadt oder dem Bund sondern den Brandenburgern Ingo und Frank Westphal, die es nach dem Bundeswehrabzug gekauft hatten. Allerdings haben Scheller und Ingo Westphal dem Vernehmen nach bereits gesprochen und die Besitzer seien bereit, das Gelände bei Bedarf auch an das THW zu vermieten, wenn für die Flüchtlinge andere Lösungen gefunden werden könnten. Wie Scheller sagt, scheine dies mittelfristig möglich.

Möglicher Start im zweiten Halbjahr 2019

Wie es aus dem THW heißt, werde, sobald der Standort ermittelt sei, zügig damit begonnen, das dritte Ausbildungszentrum zu ertüchtigen, um bereits im zweiten Halbjahr 2019 an den Start zu gehen. Das könnte sich für die Stadt lohnen, sagt Scheller. Zur Ausbildung der Bufdis werden vermutlich zwischen 50 und 70 Hauptamtliche eingesetzt. Zur Ausbildung kommen jeweils gleichzeitig 200 bis 400 Bufdis. Das THW bildet derzeit einen Aufbaustab, der die Planungen und die Abstimmungen mit externen Stellen übernimmt. Für alle THW-Liegenschaften ist die Bundesanstalt für Immobilien (BImA) zuständig. Die Ausbildungen bestehen voraussichtlich aus zwei Blöcken zu je zwei Wochen. Sie enthalten die allgemeine Wissensvermittlung für die Freiwilligen und THW-spezifische Kenntnisse.

„Für die Stadt könnte das eine große Chane sein“, glaubt Scheller. Neben den zusätzlichen Arbeitsstellen würden die Freiwilligen auch Geld in die Stadt bringen und die Bekanntheit steigern. Man sei, so der Oberbürgermeister Scheller, optimistisch. Allerdings gäbe es auch Hindernisse im Planungsrecht und bezüglich der dauerhaften Übernachtungsmöglichkeiten in den Kasernengebäuden für die Freiwilligen. Denn dass Asylbewerber in dem laut B-Plan als Gewerbegebiet ausgewiesenen Gelände wohnen, ist nur mittels einer Ausnahmegenehmigung möglich. Man müsse jetzt „an einem Strang ziehen“, um diese Möglichkeit für Brandenburg an der Havel zu nutzen, so der OB abschließend.

Von Benno Rougk

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