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Brandenburg Tarifkonflikt beigelegt – Gebäudereiniger in Potsdam kalt erwischt
Brandenburg Tarifkonflikt beigelegt – Gebäudereiniger in Potsdam kalt erwischt
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12:46 18.10.2019
Ein Gebäudereiniger putzt in 27 Metern Höhe das gläserne Dach des World Trade Centers in Dresden. Quelle: Robert Michael/dpa
Potsdam

Gewerkschaft und Arbeitgeber in der Gebäudereinigung haben sich auf einen Tarifabschluss in der größten deutschen Handwerkssparte mit rund 650. 000 Beschäftigten geeinigt. Nach zuvor sechs ergebnislosen Verhandlungsrunden seien die Gespräche in der Nacht zum Freitag erfolgreich beendet worden, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft IG Bau. Demnach konnte die Arbeitnehmerseite unter anderem höhere Lohn-Zuschläge und mehr Urlaub durchsetzen, musste dafür aber eine Übergangslösung bei der Weihnachtsgeldregelung hinnehmen.

„Die Nachricht vom Ende des Tarifkonflikts hat mich um 4.08 Uhr heute Nacht kalt erwischt“, sagte Niko Landgraf, der Regionalleiter der IG Bau, der MAZ. Anstelle des für Freitagmorgen geplanten zentralen Warnstreiks für Berlin und Brandenburg am Potsdamer Kongresshotel trafen sich gab es die gewerkschaftlich organisierten Gebäudereiniger stattdessen am DGB-Haus: Kaffee und Sekt trinken, Würstchen essen und die Warnstreiktage Revue passieren lassen – Feier statt Arbeitskampf.

Infolge der überraschenden Einigung habe man den Ausstand nicht mehr absagen können, so Landgraf weiter. „Aber ein Demozug durch die Stadt ergibt natürlich keinen Sinn, wenn es ein Tarifergebnis gibt.“

Inhaltlich zieht er eine positive Bilanz der nun beendeten Tarifauseinandersetzung: „Wir konnten viele Verschlechterungen, die die Arbeitgeber wollten, verhindern. Der Tarifvertrag trägt unsere Handschrift“, so der Gewerkschafter. Auch Gebäudereinigerin Claudia Piewon freut sich über das Ergebnis: „Wenn auch Teilzeitbeschäftigte einen Überstundenzuschlag bekommen, ist das etwas Gutes“.

Gebäudereiniger feiern vor dem DGB-Haus in Potsdam Quelle: Friedrich Bungert

Zähe Tarifauseinandersetzung

Der Tarifkonflikt zwischen der IG Bauen-Agrar-Umwelt und dem Bundesinnungsverband des Handwerks hatte sich über viele Monate erstreckt. Die Gewerkschaft begleitete die Verhandlungsrunden zuletzt auch mit Warnstreiks an verschiedenen Standorten. Nach einem mehr als 13-stündigen Spitzengespräch zwischen den Tarifparteien folgte nun der Durchbruch.

Der Gewerkschaftsbund der Gebäudereiniger feiert vor dem DGB Haus in Potsdam den Erfolg im Tarifkonflikt. Quelle: Friedrich Bungert

Die IG BAU kündigte spürbar mehr Geld im Portemonnaie der Gebäudereiniger, Glas- und Industriereiniger an: Vereinbart worden seien unter anderem eine bessere Überstundenvergütung sowie höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht wie auch an Sonn- und Feiertagen. Außerdem soll es ab 2021 für alle Beschäftigten einen einheitlichen Urlaub von 30 Tagen auf Vollzeitbasis geben – egal, wie lange die Beschäftigten schon in der Branche tätig sind.

Bonus für Heiligabend und Silvester

Festgeschrieben wurde laut Gewerkschaft auch ein Weihnachtsbonus: Alle Beschäftigten sollen in diesem und im kommenden Jahr Heiligabend oder wahlweise den Silvestertag als bezahlten Arbeitstag frei bekommen – und wer arbeitet, bekommt für diesen Tag einen 150-prozentigen Lohnzuschlag.

Die Gebäudereiniger in Potsdam freuen sich: An Sonn- und Feiertagen gibt es einen Aufschlag von 80 Prozent statt bisher 75 Prozent. Quelle: Friedrich Bungert

Zudem hat die Gewerkschaft einen einheitlichen Nachtzuschlag von 30 Prozent durchgesetzt – fünf Prozentpunkte mehr als bislang. An Sonn- und Feiertagen soll es einen Aufschlag von 80 Prozent (statt bisher 75 Prozent) geben. Für die Arbeit am 25. und 26. Dezember, an Neujahr und am 1. Mai werden sogar Zuschläge von 200 Prozent des Lohns fällig.

„Zum Schluss haben alle unsere Mitarbeiter mehr Geld in der Tasche über die Zuschlagsregelungen und den Weihnachtsbonus“, sagte IG-BAU-Chef Robert Feiger der Deutschen Presse-Agentur. Einen Wermutstropfen gebe es dennoch: „Wir hätten gerne sofort eine dauerhafte Weihnachtsgeldregelung ab 2019 gehabt. Stattdessen gibt es jetzt eine Übergangslösung.“

Bei den Verhandlungen über den Lohntarifvertrag im kommenden Jahr werde das Thema Weihnachtsgeld aber wieder auf den Tisch kommen, so Feiger. Die Arbeitgeberseite hat den Lohntarifvertrag zum 31. Juli 2020 gekündigt. Die aktuelle Einigung steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Gremien von Gewerkschaft und Innung dem Kompromiss zustimmen.

Von Thorsten Keller und Johanna Apel

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