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Brandenburg Warme Temperaturen können Takt für Flora und Fauna verändern
Brandenburg Warme Temperaturen können Takt für Flora und Fauna verändern
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07:24 15.01.2020
Zwei noch geschlossene Adonisröschen strecken ihre gelben Blütenblätter in den blauen Himmel. Die aktuell milden Temperaturen können Experten zufolge ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt haben. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Berlin/Buckow

Die aktuell milden Temperaturen im Winter können Experten zufolge ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt haben. Laut Naturschutzreferent Justus Meißner von der Stiftung Naturschutz können die Effekte auf die einheimische Pflanzenwelt durchaus negativ sein. „Arten, die an kalte Winter angepasst sind, brauchen eigentlich auch die kalte Winterruhe. Wenn es zu warm ist, kann es sein, dass sie verfaulen, verschimmeln oder durch pflanzenfressende Tiere geschädigt werden“, so Meißner.

NABU-Experte Sebastian Kolberg schätzt die Folgen für das Gros der Tiere als „weniger problematisch“ ein. Winterruhe und Winterschlaf seien Anpassungsstrategien an Kälte und Nahrungsmangel. Finde dies nicht mehr statt, hätten die meisten Tiere damit kein Problem, so Kolberg.

Ein Beispiel für Pflanzen, die unter den milden Temperaturen leiden könnten, sei das Adonisröschen, meinte Meißner. Die geschützte, aus Westasien stammende Steppenpflanze ist besonders an den Oderhängen bei Lebus (Märkisch-Oderland) verbreitet. Andererseits könnten Pflanzen aus dem Mittelmeerraum, die normalerweise durch Fröste absterben, den Winter überstehen. Hier sei das Vierblättrige Nagelkraut ein Beispiel, das seit einigen Jahren in Buckow (Märkische Schweiz) anzutreffen ist. „Auch der Götterbaum profitiert von den milden Wintern“, so Meißner. Habe sich die invasive Art zunächst in den wärmeren Innenstadtbereichen Berlins ausgebreitet, sei der Baum inzwischen auch in Brandenburg zu finden.

Die Vegetationsperiode verlängert sich

Bei Obstbäumen bestehe Gefahr, wenn sie zu früh blühen. „Bei einem Spätfrost können die Blüten oder die Fruchtansätze abfrieren“, erklärt der Experte. Spätfröste können laut Kolberg auch für Igel gefährlich werden, die aus dem Winterschlaf erwacht sind und sich auf Nahrungssuche begeben. „Bei Frost müssen sich die Tiere dann wieder umgewöhnen. Für ältere, geschwächte Tiere kann das zum Problem werden“, so Kolberg. „Es ist eher ein Problem für Individuen, nicht für die Population“.

Durch die Temperaturveränderungen könne es auch zu Verdrängungsprozessen und zu Veränderungen in der Zusammensetzung der Arten kommen. „Es gibt bislang aber wenige Untersuchungen dazu“, so Meißner. Insgesamt verlängere sich die Vegetationsperiode, was auch Auswirkungen auf das Nahrungsangebot für die Tiere habe. So könne es passieren, dass Pflanzen schon blühten, Bienen aber noch nicht aktiv seien und sie später keine Nahrung mehr fänden. „Pflanzen und Tiere, die normalerweise aufeinandertreffen, treffen nun mitunter nicht mehr aufeinander.“

Auch bei Tieren können Klimaveränderungen zu Konflikten untereinander führen. „Der Siebenschläfer wacht inzwischen in der Regel bis zu einen Monat früher auf - also etwa im März statt Ende April/Anfang Mai“, erläutert Kolberg. Dies könne gefährlich für die Brut von Vögeln werden, denn der Nager ernähre sich auch von Eiern und Jungvögeln.

Von RND/dpa

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