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Brandenburg Wie Brandenburgs Verkehrsexperten auf Tempolimits reagieren
Brandenburg Wie Brandenburgs Verkehrsexperten auf Tempolimits reagieren
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00:21 23.12.2018
Tempolimits gibt es in allen EU-Ländern, nur nicht in Deutschland. Das soll sich laut Deutscher Umwelthilfe ändern.
Tempolimits gibt es in allen EU-Ländern, nur nicht in Deutschland. Das soll sich laut Deutscher Umwelthilfe ändern. Quelle: Oliver Berg
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Potsdam

Die Bundesregierung hat die Forderung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nach einem generellen Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf deutschen Autobahnen zurückgewiesen.

 Der Vorstoß sei „eine Nebelkerze, die fachlich nicht den Argumenten standhält“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Mittwoch. Es brauche weniger Verkehr, weniger Emissionen und eine bessere Mobilität. Aber ein Tempolimit sei in der großen Koalition von CDU, CSU und SPD nicht vorgesehen.

Braucht es Tempolimits auf Autobahnen und Bundesstraßen?

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) macht sich für bundesweite Tempolimits stark. Verkehrsminister Scheuer schloss Höchstgeschwindigkeiten allerdings aus. Was denken Sie?

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Mehr Klimaschutz

Der Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch, hatte zuvor eine Kampagne für ein Tempolimit auf Autobahnen angekündigt und das mit der Notwendigkeit von mehr Klimaschutz im Verkehr begründet.

Man prüfe auch, welche juristischen Möglichkeiten es für die Durchsetzung gebe, sagte er. Die DUH hat bereits mit Klagen erfolgreich Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in mehreren deutschen Städten erzwungen.

In Brandenburg hat der Vorstoß der DUH unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Für Michael Jungclaus, Verkehrsexperte der Grünen im Landtag, sind Tempolimits überfällig: „Deutschland ist das einzige Industrieland, in dem es keine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung gibt.

Das zu fordern, gleicht leider immer noch einem Tabubruch, obwohl Tempo 120 auf Autobahnen einerseits die Schadstoffemissionen verringert und andererseits den Straßenverkehr sicherer macht“, sagte er der MAZ.

Weniger Unfälle

Vom Sicherheitsplus für Autofahrer ist auch Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer in Berlin, überzeugt: „Geringeres Tempo heißt kürzere Bremswege und weniger schwere Unfälle.“ Gefährlich sei auch der Trend der Automobilproduzenten, jedes Jahr größere, schwerere und stärkere Fahrzeuge auf die Straße zu bringen.

Dem widerspricht Sandra Hass, Sprecherin des ADAC Berlin-Brandenburg. Untersuchungen aus Österreich und der Schweiz zeigten, dass kein Zusammenhang zwischen Tempolimit und Motorleistung bestehe. Schadstoffe könnten dauerhaft reduziert werden, wenn auf Elektro- und andere alternative Antriebe umgestiegen werde.

Öffentlichen Personenverkehr ausbauen

Auch müsse der Regional- und Nahverkehr ausgebaut werden. Das sieht Rainer Genilke, Verkehrsexperte der märkischen CDU, ähnlich: „Wir müssen unsere Infrastruktur umfangreich ausbauen, um Staus künftig zu reduzieren. Denn dort werden die meisten Schadstoffe ausgestoßen.“

Auf einem Straßenabschnitt bei Hannover ist am Mittwoch das bundesweit erste Streckenradar zur Kontrolle des Tempolimits in Betrieb gegangen.

Überwacht wird ein 2,2 Kilometer langer Abschnitt der Bundesstraße 6 bei Laatzen, den 15 500 Autos täglich passieren und auf dem es in der Vergangenheit schwere Unfälle gab.

Beim Einfahren und Verlassen des kontrollierten Abschnitts werden die Wagen erfasst und die Durchschnittsgeschwindigkeit wird ermittelt. Wer zu schnell ist, zahlt ein Bußgeld.

Von Fabian Lamster