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Brandenburg Terror-Logistikzelle in Berlin zerschlagen
Brandenburg Terror-Logistikzelle in Berlin zerschlagen
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15:56 16.01.2015
dpa
Mitglieder eines Polizei-Sonderkommandos am Freitagmorgen in der Perleberger Straße bei der Razzia gegen mutmaßliche islamistische Extremisten in Berlin. Quelle: Lukas Schulze
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Berlin

Die beiden in Berlin festgenommenen mutmaßlichen Islamisten sollen nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Kern einer Logistikzelle für terroristische Aktivitäten gewesen sein. Ihnen wird vorgeworfen, Kämpfer rekrutiert, fanatisiert und bei der Ausreise nach Syrien unterstützt zu haben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Freitag.

Bei dem großangelegten Anit-Terror-Einsatz am Freitagmorgen hat die Berliner Polizei zwei Tatverdächtige festgenommen. Die 41 und 43 Jahre alten Türken und drei weitere Männer stehen laut Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei im Verdacht, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Syrien vorbereitet zu haben. Sie hätten auch für die Terrormiliz Islamischer Staat geworben.

Es lägen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sie Anschläge in Deutschland geplant hätten, sagte ein Polizeisprecher.

Durchsucht wurden im Auftrag des Berliner Generalstaatsanwalts elf Wohnungen mit Schwerpunkt in den Stadtteilen Moabit und Wedding, aber auch in Charlottenburg und Schöneberg. Im Einsatz waren 250 Beamte und drei Spezialeinsatzkommandos.

Drei der Männer sind auf freiem Fuß. Sie wurden nicht festgenommen, weil die Tatvorwürfe nicht schwerwiegend genug seien, dass es für einen Haftbefehl reiche, hieß es.

Gewaltbereite Salafisten

Laut Staatsanwaltschaft sind die Beschuldigten teilweise seit Jahren dem gewaltbereiten salafistischen Spektrum zuzurechnen und lassen eine ideologische Nähe zu terroristischen Organisationen wie der IS sowie tschetschenischen Gruppierungen, die in Syrien kämpfen, erkennen.

Ismet D. führt Extremistengruppe an

Dem 41-jährigen Ismet D. wird vorgeworfen, als selbsternannter "Emir" und sogenannter "Weisenratspräsident" eine Extremistengruppe in Berlin-Tiergarten anzuführen. Sie soll vornehmlich aus Türken und russischen Staatsangehörigen tschetschenischer und dagestanischer Herkunft bestehen. D. steht im Verdacht, die Gruppe durch einen von ihm abgehaltenen "Islamunterricht" radikalisiert und auf die Teilnahme am Dschihad gegen "Ungläubige" in Syrien vorbereitet zu haben.

Extremistengruppe betreibt Geldwäsche

Ihm und dem für Finanzen zuständigen 43-jährigen Emin F. wird zudem vorgeworfen, Mitglieder der Gruppe bei der Ausreise nach Syrien organisatorisch und finanziell unterstützt und später erhebliche Geldbeträge zur Begehung schwerer Gewalttaten zur Verfügung gestellt zu haben. Es besteht auch der Verdacht, dass ausgereiste Mitglieder durch Beschaffung hochwertigen militärischen Materials wie etwa speziellen Nachtsichtgeräten unterstützt worden sind.

Kontakt zu Murat S.

Ismet D. war zeitweilig der Arbeitgeber des am 19. September 2014 wegen des dringenden Verdachts der Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat festgenommenen Syrien-Rückkehrers Murat S. Murat S.  war vor seiner Ausreise regelmäßiger Teilnehmer am "Islamunterricht" des Ismet D. Er befindet sich weiter in Untersuchungshaft, nachdem das Kammergericht mit Beschluss vom 14. Januar 2015 die Fortdauer der Untersuchungshaft angeordnet hat.

Islamistische Szene in Deutschland

43.000 Islamisten in Deutschland

Der Verfassungsschutz rechnet mehr als 43.000 Menschen zur islamistischen Szene in Deutschland. Diese ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei der Gruppe der Salafisten, einer besonders konservativen Strömung innerhalb des Islam. Rund 7000 Leute werden inzwischen der Salafisten-Szene zugerechnet. 2011 waren es noch etwa halb so viel. Besonders stark sind die Salafisten in Nordrhein-Westfalen vernetzt.

Dschihadisten

Mehr als 550 radikale Islamisten aus Deutschland sind bislang in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist. Die Zahl geht seit langem kontinuierlich nach oben. Viele haben sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Etwa 180 der Ausgereisten sind inzwischen wieder in Deutschland. Aber nur von einem kleinen Teil davon - etwa 30 Personen - ist bekannt, dass sie aktiv am bewaffneten Konflikt beteiligt waren. Rund 60 Islamisten aus Deutschland sind laut Verfassungsschutz in Syrien und dem Irak gestorben. Mindestens zehn sprengten sich bei Selbstmordanschlägen in die Luft. Dies sind aber nur die bekannten Fälle.

Gefährliche Islamisten

Die Sicherheitsbehörden stufen viele Islamisten als gefährlich ein. Etwa 1000 Menschen in Deutschland werden dem "islamistisch-terroristischen" Spektrum zugeordnet. Darunter sind 260 sogenannte Gefährder, also Menschen, denen die Polizei zutraut, dass sie einen Terrorakt begehen könnten. Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Sicherheitsbehörden große Sorgen, weil sie oft radikalisiert zurückkommen - und zum Teil kampferprobt.

Festnahme in Wolfsburg

Am Donnerstag war in Wolfsburg ein Deutsch-Tunesier festgenommen worden, der sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben soll. Während eines knapp dreimonatigen Aufenthalts in Syrien soll er eine Kampfausbildung durchlaufen haben. Auch in diesem Fall gab es keine Anhaltspunkte für Anschläge in Deutschland.

Anschlag in Belgien vereitelt

Am Donnerstagabend hatte die belgische Polizei mit einem großangelegten Anti-Terror-Einsatz Anschlagspläne mutmaßlicher Dschihadisten vereitelt. Nach Angaben der Ermittler stand ein größerer Angriff unmittelbar bevor. Im Grenzgebiet zu Deutschland wurden bei dem Polizei-Einsatz zwei Terrorverdächtige bei einem Schusswechsel getötet, ein dritter überlebte. Einen Zusammenhang mit den islamistischen Attentaten, die Frankreich vergangene Woche erschüttert hatten, sieht die Staatsanwaltschaft nicht. mehr >

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