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Brandenburg Ist Brandenburg das neue Paradies für Unternehmen?
Brandenburg Ist Brandenburg das neue Paradies für Unternehmen?
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17:28 05.01.2020
Freienbrink: Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Freienbrink in der Gemeinde Grünheide östlich von Berlin. In dem riesigen Waldgebiet im Hintergrund plant Tesla den Bau einer Gigafactory. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Grünheide

In Brandenburg herrscht Aufbruchsstimmung. Mit der Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk, eine Fabrik in Grünheide bei Berlin bauen zu wollen, hat das Land einen Coup gelandet. Tesla will in einer europäischen „Gigafactory“ ab Juli 2021 geschätzt 500 000 Elektrofahrzeuge im Jahr herstellen, wie aus Informationen des Umweltministeriums hervorgeht. Und der US-Batteriesystemhersteller Microvast will sich in Ludwigsfelde ansiedeln. Die neue Brandenburger Kenia-Koalition hofft außerdem auf eine Batteriefabrik von BASF in Schwarzheide in der Lausitz. Der BASF-Vorstand will allerdings erst noch über den Standort für eine mögliche Batteriefabrik entscheiden. Warum scheint Brandenburg derzeit so beliebt zu sein bei Unternehmen?

Vorteil: Erneuerbare Energien

„Einer der Gründe sind erneuerbare Energien, die wir in Brandenburg zur Verfügung haben“, meint Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). „Den Ausbau haben wir in den vergangenen Jahren vorangetrieben und sind deshalb bei Industrieunternehmen gefragt.“ Die Industrie hat aus seiner Sicht „riesengroßes Interesse“, klimaneutral zu produzieren, Öko-Energien aus Brandenburg im Land zu verbrauchen - und in Brandenburg zu investieren. „Wir sind außerdem gefragt, weil wir Berlin im Herzen unseres Landes haben und wenige Kilometer entfernt eine wunderschöne Landschaft mit mehr als 3000 Seen, viel Wald - und wunderbaren Menschen.“ Auch die Stabilität des politischen Systems spiele eine Rolle.

Energiewende-Musterland

Brandenburg will nach Angaben von Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) Musterland bei der Energiewende sein. In einem Ländervergleich zum Ausbau der Öko-Energien lag das Land 2008, 2010 und 2012 vorn. In der jüngsten Ausgabe der Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) für die Agentur für erneuerbare Energien (AEE) kam Brandenburg 2019 allerdings auf den sechsten Platz - wie schon 2017. Die Kriterien der Untersuchung sind Anstrengungen und Erfolge bei der Nutzung von Öko-Energien sowie beim wirtschaftlich-technischen Wandel.

Bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien pro Kopf lag das Land 2017 wiederum mit rund 7339 Kilowattstunden auf dem zweiten Platz hinter Schleswig-Holstein, wie aus Zahlen der AEE hervorgeht. Brandenburg steht vor allem in der Lausitz mit dem geplanten Braunkohleausstieg vor einem großen Wandel. Die Neuansiedlung von Unternehmen kann Vorbild für andere Firmen sein, hofft die neue Landesregierung aus SPD, CDU und Grünen.

Bereits nächstes Jahr soll die Produktion anlaufen

Das Genehmigungsverfahren für das geplante Tesla-Werk in Grünheide (Kreis Oder-Spree) ist bereits eröffnet. Der Zeitplan ist ambitioniert: Baubeginn soll im ersten Halbjahr 2020 sein, ab 2021 sollen die ersten Autos produziert werden. Noch hat der Tesla-Vorstand den Kaufvertrag mit dem Land für die Flächen der Fabrik allerdings nicht unterschrieben. Linksfraktionschef Sebastian Walter hatte im Dezember vor Risiken gewarnt und die Kürze der Zeit für die Planungsverfahren sowie die noch offenen Auswirkungen der Umweltbelastungen genannt. Ebenfalls für 2021 plant US-Batteriesystemhersteller Microvast, dass in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) die ersten Produkte vom Band laufen.

Unternehmensverbände sehen noch Lücken

Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg sehen noch Verbesserungspotenzial für den Standort Brandenburg. „Die Investitionen namhafter Unternehmen in Brandenburg machen Mut“, sagt Geschäftsführer Alexander Schirp. „Trotzdem muss das Land weiter an seiner Standortqualität arbeiten.“ Ganz oben stehe der Ausbau des digitalen Breitbandnetzes nicht nur in den Städten, auch auf dem Land. „Hier brauchen die Firmen zügige Fortschritte.“ Das Gleiche gelte für die Mobilfunkversorgung. Die Lücken des Angebots an Fachkräften dürften nicht größer werden. Die Unternehmen fordern auch mehr Qualität in Schulen und mehr Investitionen in Berufsschulen.

Schlechte Erfahrungen mit Großvorhaben

Mit ambitionierten Großvorhaben hat Brandenburg auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Nach dem Mauerfall scheiterten einige wie die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) oder das Transportluftschiff Cargolifter. Sie waren mit Millionen vom Land gefördert worden. AfD-Fraktionschef Andreas Kalbitz sagte: „Grundsätzlich begrüßt die AfD die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Stärkung der Brandenburger Wirtschaft durch neue Unternehmensansiedlungen und ist nach den schmerzlichen Erfahrungen mit Großprojekten in Brandenburg verhalten optimistisch.“ Interessant werde auch hier sein, in welchem Umfang steuerfinanzierte Subventionen erfolgten und ob aus Fehlern der Vergangenheit gelernt worden sei.

Woidke will Druck machen

Tesla soll ein Erfolg werden. Woidke will Wirtschaftswachstum mit Klimaschutz und zusätzlichen Arbeitsplätzen in der Industrie verbinden - und er will forcieren, dass erneuerbare Energien regional gewonnen und eingesetzt werden, um teuren Stromtransport zu sparen. „Deutschland könnte viel weiter sein in Klimaschutzfragen, wenn man das konsequenter machen würde“, meint der SPD-Politiker.

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Von RND/dpa

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