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Brandenburg Tochter (90) des Architekten besucht Berlin
Brandenburg Tochter (90) des Architekten besucht Berlin
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19:15 20.05.2019
Beate Hammett und Raed Saleh. Quelle: Bernd von Jutrczenka/DPA
Berlin

Beate Hammett war neun Jahre alt, als sie 1939 ohne ihre Eltern aus Berlin vor den Nazis fliehen musste. Ihre Mutter hat ihr damals ein Opernglas eingepackt. Auch ein Teddy namens „Brummelchen“ und eine Puppe namens „Peter“ kamen mit. Beate Hammett überlebte den Holocaust, weil sie ein Kindertransport nach London brachte. Heute ist sie „90 Jahre und 9 Tage“ alt, wie sie am Montag in Berlin erzählt. Die schlechten Erfahrungen hätten ihre Spuren hinterlassen. Aber ihre Zeit mit Jammern verbringen, das habe sie nicht gewollt, sagt sie.

Extra aus Australien angereist

Hammett ist aus dem 24 Flugstunden entfernten Australien angereist, das seit 1945 ihre Heimat ist. Ihr Besuch ist etwas Besonderes. Sie ist die Tochter des jüdischen Architekten Alexander Beer, der 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt starb. Er plante für die jüdische Gemeinde in Berlin einige prominente Gebäude, darunter die Synagoge am Fraenkelufer in Kreuzberg, die 1938 zerstört wurde. Sie soll jetzt auch mit Hilfe von Spenden wieder aufgebaut werden.

Wiederaufbau soll 2023 beginnen

Derzeit wird ein Nebengebäude für Gottesdienste genutzt. Der Wiederaufbau soll am 9. November 2023 beginnen – und damit 85 Jahre nach der Zerstörung während der Novemberpogrome der Nazis. Initiator des Projekts mit prominenten Unterstützern ist der SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, selbst ein Muslim. „Hört auf diese Frau“, sagt Saleh, als Beate Hammett das Synagogen-Projekt besucht. „Ihr Schicksal soll nicht vergessen sein.“ Die Botschaft ist für ihn ein klares Signal gegen alte und neue Spalter, Nationalisten und Nazis. „Judentum ist Teil unserer Leitkultur.“ Wer Schlösser baue, könne auch Synagogen bauen. Saleh herzt Beate Hammett, als sie sich vor der Synagoge treffen. Sie hat ihm einen Brief geschrieben, als sie durch einen Freund von den Wiederaufbau-Plänen erfahren hat. Ein Privileg ihres Alters sei es, dass sie mit attraktiven Männern flirten dürfe, scherzt sie. Saleh strahlt.

Mutter zeigte die rauchende Ruinen

Ernst wird Beate Hammett, wenn es um damals geht, als die Synagogen brannten. „Meine Mutter hat mich mitgenommen, um mir die rauchenden Ruinen zu zeigen.“ Erinnere sie die Stimmung heute an die 30er Jahre? „Ja.“ Von ihrem Vater, dem Architekten, hatte sie nur wenig, sie war ja noch ein Kind. Über seine berufliche Karriere wisse sie nichts. Sie nutzt das deutsche Wort, als sie nach den Erinnerungen an ihn gefragt wird: „Vati“. Das Wort reicht schon, um zu erahnen, was ihr ein Leben lang gefehlt hat.

Von Caroline Bock

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