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Brandenburg Kinderarmut bleibt ein Problem – trotz des Runden Tisches
Brandenburg Kinderarmut bleibt ein Problem – trotz des Runden Tisches
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18:01 04.11.2019
Jedes fünfte Kind in Brandenburg gilt als armutsgefährdet. Quelle: dpa
Potsdam

Brandenburg hat nach wie vor ein Problem mit Kinderarmut. Trotz der Einrichtung eines Runden Tisches im Jahr 2015 gilt noch immer jedes fünfte Kind als armutsgefährdet (21,0 Prozent). Bund, Länder und Kommunen müssen nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerkes ihren Kampf gegen Kinderarmut deutlich effektiver führen. „Die Armut in Deutschland hat an vielen Stellen ein Kindergesicht“, sagte Präsident Thomas Krüger.

Ein Grund für die Situation in Brandenburg könnte die Zunahme Alleinerziehender im Land sein, die als besonders armutsgefährdet gelten. Lag der Anteil der Alleinerziehenden 1997 noch bei 17,8 Prozent, so stieg er 2017 auf 20,1 Prozent, sagte der Sprecher des Kinderhilfswerks Uwe Kamp. „Diese Zunahme der Alleinerziehenden in Brandenburg war einer der Hauptfaktoren, den wir bei der Zunahme der Differenz zwischen Kinder- und Erwachsenenarmut sehen konnten.“

Was besagt die Armutsquote?

Die Armutsgefährdungsquote zeigt den Anteil der Menschen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. Laut Statistikamt wären das für 2018 bundesweit monatlich 1135 Euro. Weil die Quote relativ ist, steht sie in der Kritik. Wenn alle Einkommen gleichermaßen steigen, würde sich der Anteil der armen Menschen nicht ändern; die Quote bliebe stabil.

Seit 2015 gibt es in Brandenburg einen Runden Tisch speziell gegen Kinderarmut. Die Armutsquote hat sich in den vergangenen Jahren aber kaum geändert.

Laut Kinderhilfswerk haben in Brandenburg Erwachsene und Kindern ein unterschiedlich großes Risiko. Die Differenz hat in den vergangenen zehn Jahren sogar um zwei Prozentpunkte zugenommen. Das zeige, dass die Politik bei der Armutsbekämpfung nicht nur auf die Erwachsenen schauen muss, sondern vor allem auch auf die Kinder, so Kamp.

MV macht Fortschritte

Hier gibt es bundesweit große Unterschiede. In 8 von 16 Bundesländern habe sich die Armutsgefährdungsquote bei Kindern seit dem Jahr 2008 positiver entwickelt als die der Erwachsenen. Besonders gute Werte haben hier Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Einen negativen Trend weisen dagegen insbesondere Bremen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz auf.

Vergleicht man das Armutsrisiko der Bundesländer miteinander, liegt Brandenburg auf Platz zehn. Das liegt aber nur daran, dass sich die Situation in den vergangenen zehn Jahren anderswo noch ungünstiger entwickelt hat als in Brandenburg, wo der Wert weitgehend stagnierte.

Maßnahmen erst spät beschlossen

Das ist auch für das Kinderhilfswerk erstaunlich, da Brandenburg sich ab 2015 mit dem Runden Tisch gegen Kinderarmut die Bekämpfung von Kinderarmut besonders auf die Fahne geschrieben hat. „Wenn man sich diese Zahl anschaut, muss man sagen, dass die Maßnahmen im Endeffekt nichts genutzt haben“, so Kamp. Das könne auch daran liegen, dass viele am Runden Tisch beschlossene Maßnahmen noch gar nicht umgesetzt worden seien.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Brandenburg bestätigt die Tendenzen. „Kinder, Jugendliche, Alleinerziehende und alte Menschen sind in besonderer Weise von Armut betroffen“, warnte jüngst der Vorstandsvorsitzende des Landesverbands, Andreas Kaczynski. Fehlende finanzielle Mittel verhinderten oder verzögerten teilweise die Umsetzung von Maßnahmen etwa des Runden Tisches.

Ministerin weist Kritik zurück

Das brandenburgische Sozialministerium betont, dass die Kinderarmut seinen Erkenntnissen zufolge immerhin leicht zurückgegangen sei. Der Runde Tisch habe mit seinen Handlungsempfehlungen vom Mai diesen Jahres jetzt wichtige Veränderungen eingeleitet, zum Beispiel die Einrichtung von Familienzentren.

„Seit September fördert das Familienministerium die Einrichtung solcher Familienzentren – zunächst an den Standorten von 34 der insgesamt 36 Mehrgenerationenhäuser“, sagte Sozialministerin Susanna Karawanskij (Linke). Eltern können sich dort auch beraten lassen. So sollen besonders einkommensschwache Eltern dabei unterstützt werden, alle die ihnen zustehenden staatlichen und familienbezogenen Leistungen auch wirklich in Anspruch zu nehmen, so Karawanskij.

Von Rüdiger Braun

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