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Brandenburg Umbau bis 2032: So soll das neue Dreieck Funkturm aussehen
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Umbau bis 2032: So soll das neue Dreieck Funkturm aussehen

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15:40 28.10.2021
So soll das neue Dreieck Funkturm aussehen. Blick von der Avus stadteinwärts.
So soll das neue Dreieck Funkturm aussehen. Blick von der Avus stadteinwärts. Quelle: grafik: deges
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Berlin

Der verkehrsreichste Knotenpunkt Deutschlands muss sich einer Radikalkur unterziehen – und das wird tausenden Pendlern über Jahre hinweg gute Nerven abverlangen.

Das Dreieck Funkturm, an dem sich die aus Potsdam kommende A115 mit der Berliner Stadtautobahn A100 vermählt, wird ab 2023 umgebaut. Nach Anwohnerprotesten hat die staatliche Planungsgesellschaft Deges die Pläne für den Umbau nun überarbeitet.

Die Ausgangslage

„Es ist höchste Eisenbahn, dass wir anfangen“, sagt Andreas Irngartinger, Bereichsleiter der Deges. Die Bausubstanz am Dreieck Funkturm, das aus dem 1960er-Jahren stammt, ist marode. Es gibt Sperrungen und Tempolimits. Die Lkw, die heute über 25 Spannbetonbrücken rollen, sind größer und schwere als vor 60 Jahren – und es sind viel mehr.

230.000 Fahrzeuge, davon 12.000 Lkw, passieren täglich den Knoten. Bald werden es Prognosen zufolge 250.000 Fahrzeuge sein. Geplant war der Knotenpunkt in den 60er-Jahren für 20.000 Autos am Tag. Überdimensioniert seien die Planungen nicht, sagt Projektleiter Irngartinger. „Die Lebensmittellieferungen werden auch künftig nicht mit der S-Bahn abgewickelt werden“, sagt er lakonisch.

Das neue Dreieck

Ingenieur Irngartinger spricht von einem „bedarfsgerechten Ausbau“. Es gehe nicht darum, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Außerdem soll die Verkehrsführung an aktuelle Standards angepasst werden – mit besserer Beschilderung und längeren Einfädelspuren. Nicht zuletzt wird der Lärmschutz verbessert. Die Deges hat die Pläne vor allem wegen Anwohnerprotesten noch einmal deutlich geändert.

Blick auf das neue Dreieck Funkturm mit dem neuen Anschluss Messedamm. Die von Westen kommende Avus verläuft teilweise durch einen Trog. (Planungsstand Oktober 2021) Quelle: deges

Nun soll das Verkehrsgeflecht deutlich entzerrt werden. Die Avus rückt von der berühmten Avus-Tribüne, die gerade saniert wurde, ein gutes Stück weg. Die A115 führt nicht mehr um den Rasthof Avus herum, sondern mitten durch: Das charakteristische, denkmalgeschützte Rasthof-Gebäude mit dem Schultheiß-Turm wird stehen bleiben, der umliegende Rastplatz aber verschwindet. Die Avus verläuft teilweise in einem Trog, über den die neue Anschlussstelle Messedamm führt.

Verkehrsführung während der Bauzeit

Die Verkehrsführung wird während der Bauzeit mehrfach verändert; wie viele Bauabschnitte es geben wird, lässt sich noch nicht sagen. Die Deges will aber Autobahnsperrungen verhindern und während der gesamten Bauzeit auf der A100 drei Spuren je Richtung aufrecht erhalten. Auf den Verbindungen von und zur A115 sollen es jeweils zwei Spuren sein.

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Tempolimit während der Bauzeit

Nutzer des Dreiecks werden Nerven brauchen. Schon heute ist oft kaum möglich, die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 bis 80 km/h zu erreichen. „Die Höchstgeschwindigkeit wird sich natürlich während der Bauzeit insgesamt verringern“, erklärt Projektleiter Peter Grüschow.

Es sei geplant, auf den Autobahnabschnitten ein Tempo von 50 bis 60 zu gewährleisten. Auf den Behelfsbrücken und Überfahrten werde man aber mit dem Tempo auf 30 bis 40 km/h heruntergehen müssen. Grüschows schwacher Trost: Im Vergleich zum Ist-Zustand mit den ständigen Staus ändere sich wenig.

Der Zeitplan

Die Maßnahmen sollen frühestens 2023 beginnen mit der Bauvorbereitung – sofern das Planfeststellungsverfahren dann abgeschlossen ist, das noch Ende 2021 starten soll. Gebaut wird frühestens 2024. Und dann ist die Geduld der Autofahrer auf Jahre hin gefordert. „Wir rechnen frühestens mit einer Gesamtfertigstellung frühestens im Jahr 2032“, sagt Andreas Irngartinger.

Die Kosten

Die Kosten werden auf 300 Millionen Euro taxiert, aber dabei wird es kaum bleiben. „Wir beobachten natürlich die Entwicklung der Baupreise“, sagt Andreas Irngartinger. Sämtliche Materialen bis hin zum einfachen Kantholz seien in den vergangenen Monaten teils drastisch teurer geworden. „Man muss daher die Sorge haben, dass die 300 Millionen Euro doch nicht ganz haltbar sind.“

Von Torsten Gellner