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Brandenburg Ost- und West nähern sich an: Alle werden unzufriedener
Brandenburg Ost- und West nähern sich an: Alle werden unzufriedener
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17:42 29.08.2019
Verklärter Blick zurück? Eine DDR-Fahne weht 30 Jahre nach dem Mauerfall an einem Balkon eines Plattenbaus in Frankfurt (Oder). Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp
Potsdam

30 Jahre nach dem Mauerfall sind West- und Ostdeutsche mit ihrer Lebenssituation weniger zufrieden als früher. Allerdings bewegt sich die Zufriedenheit weiter auf hohem Niveau: 79 Prozent der Westdeutschen und 74 Prozent der Ostdeutschen beurteilen ihre Situation grundsätzlich als gut. 1988, ein Jahr vor der Wende, lag die Zufriedenheit im Westen noch bei 83 und in der DDR bei 76 Prozent. Dramatisch hat sich aber das Vertrauen in politische Institutionen entwickelt und insbesondere in Ostdeutschland die Zufriedenheit mit regionalen Versorgungsangeboten.

Das geht aus einer Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Info hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. „Merklich unzufriedener als vor 30 Jahren ist man heute vor allem mit der sozialen Sicherheit. Dies betrifft vor allem den Osten, wo die Werte am deutlichsten gesunken sind“, sagte Info-Geschäftsführer Holger Lijeberg. „Die Tendenz ist aber auch im Westen spürbar.“

Schlechte Noten für medizinische Versorgung und Schulen

Für die Studie wurden mehr als 2000 Menschen befragt, nämlich je rund 500 Menschen zu ihren Erlebnissen im Jahr 1988 in der DDR und in der BRD sowie je 500 Menschen in Ost und West zu ihrer Situation heute.

In den meisten Lebensbereichen schätzen die Menschen die Lage schlechter ein als früher, das betrifft sowohl die Frage, ob das Einkommen auskömmlich ist als auch die Frage des sozialen Umfelds und des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Obwohl die Infrastruktur und der Wohnstandard zugenommen haben, wird die regionale Versorgung vor allem in Ostdeutschland im Vergleich zu früher äußerst kritisch wahrgenommen Das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulen und medizinischer Versorgung beurteilt in Ostdeutschland heute fast jeder zweite als unzureichend oder schlechter als früher. Positiver eingeschätzt werden Einkaufsmöglichkeiten sowie die Umweltbedingungen.

So kam die Umfrage zustande

Für die Umfrage zur Lebenssituation 30 Jahre nach dem Mauerfall hat das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Info aus Berlin-Pankow mehr als 2000 Menschen befragt. Die Umfrage basiert allein auf den subjektiven Einschätzungen der Befragten.

Befragt wurde je rund 500 Deutschsprachige, die im Jahr 1988 in der BRD bzw. der DDR gelebt haben und damals mindestens 16 und maximal 50 Jahre alt waren.

Parallel dazu wurden weitere je 500 Menschen in den alten und den neuen Bundesländern befragt, die 2018 zwischen 16 und 50 Jahre alt waren.

Die Fehlerspanne liegt bei +/- 4,5 Prozentpunkten.

Trotz steigender Einkommen ist die gefühlte Kaufkraft in Ost und West eher gesunken. Vor allem in Ostdeutschland gaben viele Menschen an, dass sie mit ihrem Einkommen nicht zurecht kommen.

Die Verbesserung des Lohniveaus hält auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) für eine der wichtigsten Aufgaben einer neuen Landesregierung. „Die Erinnerung an die 90er Jahre, als Unternehmen mit niedrigen Löhnen und langen Arbeitszeiten in den Osten gelockt werden sollten, ist noch frisch“, sagte der DGB-Vorsitzende für Berlin-Brandenburg, Christian Hoßbach. „Seitdem hat sich vieles getan, aber dass die Brandenburger im Schnitt immer noch 7000 Euro weniger im Jahr verdienen als Beschäftigte im Westen, ist ein Skandal und der wichtigste Handlungsauftrag an die nächste Landesregierung.“ Nur 49 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten demnach in einem Betrieb mit Tarifvertrag.

Vertrauen in politische Institutionen bricht ein

Als geradezu dramatisch beschreiben die Autoren der Mauerfall-Studie die Zufriedenheit mit der politischen Situation. Die Westdeutschen sind mit der Politik heute sogar unzufriedener als es die Ostdeutschen im Rückblick mit 1988 mit der DDR-Regierung waren. Auch was das Vertrauen in die politischen Akteure vor Ort angeht, hat sich die Situation vor allem in Westdeutschland verschlechtert. „Im Osten vertraut man heute den politischen Akteuren exakt wie im Jahr 1988, einen Rückgang gibt es nur im Westen von 31 auf 18 Prozent und damit auf Ost-Niveau“, so Lijeberg.

Insgesamt finde sich zwar eine relative Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West, allerdings über weite Strecken auf niedrigerem Niveau als 1988. Auch die Sympathien für Parteien haben die Autoren der Studie untersucht. Ergebnis: Je negativer die Befragten ihre Lebenssituation beschreiben, desto stärker seien ihre Sympathien für rechtspopulistische oder rechtsextreme Parteien.

Von Torsten Gellner

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