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Brandenburg „Undercover Boss“ – so haben es die Kollegen erlebt
Brandenburg „Undercover Boss“ – so haben es die Kollegen erlebt
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13:42 07.02.2017
Beim Verkauf nicht den Kopf verlieren: Antje Dreißig alias „Babsi“ konzentriert bei der Arbeit in Cottbus. Quelle: RTL
Guben

Wenn die Chefin sich plötzlich als Praktikantin outet, die man als Mitarbeiter einen Tag lang betreut hat, ist man erst einmal überrascht – so ging es auch den Mitarbeitern von der Bäckerei Dreißig, deren Chefin Antje Dreißig ihnen am vergangenen Abend auf RTL als „Undercover Boss“ im eigenen Unternehmen auf den Zahn fühlte. So gut getarnt, dass selbst der eigene Sohn meint: „Sie ist so gut wie gar nicht zu erkennen – gute Arbeit!“, traut sich die Chefin als Praktikantin Barbara Steinmann auf ihre geheime Mission.

Vier Stationen lernt die „Praktikantin“ kennen

Die erste Station: Eine Bäckereifiliale in den Lenné Passagen Frankfurt (Oder), in der Antje Dreißig als Küchenhilfe eingesetzt wird. Brötchen schmieren und anrichten, Zwiebeln schneiden, Geschirr waschen, Gebäck ausgeben und die Kundentoilette putzen gehören hier zu den Aufgaben – Dreißig stellt schnell fest: Die langen, blonden Haare, die sie tarnen, stören bei der Arbeit. Dafür lernt sie ihre Mitarbeiterin Jacqueline Bemmer, 31 Jahre alt, kennen. Die Frohnatur strahlt über das ganze Gesicht - die allein erziehende Mutter von zwei Söhnen liebt ihren Job. Bei der gemeinsamen Küchenarbeit kommen die beiden ins Gespräch, Antje Dreißig ist beeindruckt von der jungen Frau, die ihre nicht ganz einfache Lebenssituation motiviert und lebensfroh meistert. Aber auch für sie regnet es am Ende des ersten Tages Lob: „Ich habe noch nie so eine gute Mitarbeiterin gehabt, die so frisch gleich so gut drin war“, sagt die Angestellte zu der vermeintlichen Praktikantin. „Du wärst eine Bereicherung als Mitarbeiterin.“ RTL verrät Dreißig: „Das macht mich schon stolz.“

Als Undercover Boss im Einsatz – Antje Dreißig Quelle: RTL

Mit dem Lagerlogistiker und dem Betriebselektroniker auf Tour

In der Gubener Lagerlogistik, von wo aus die Geschäfte in der ganzen Region mit Backwaren beliefert werden, trifft Dreißig auf den 26-jährigen Sebastian Dietrich. Mit ihm sortiert sie die Produkte in die jeweiligen Destinationen, was auch körperlich fordert. Da fällt schon mal ein Stapel Körbe mit frischen Broten um oder eine Torte kriegt bei der Umlagerung ein paar Macken. Aber einmal das System durchschaut, wird an Arbeitstempo zugelegt.„Hier braucht man keine filigranen Fingerfertigkeiten, das mag ich“, sagt die verdeckte Cehfin, „ansonsten ist es anstrengend.“ Mit ihrem Tagesbetreuer belädt sie die Lastwagen, die die Backwaren in die jeweiligen Filialen transportieren. Resonanz dieses Tages: „Ich werde todmüde in mein Bett fallen und zwei Jahre nicht mehr aufstehen.“

Fast erwischt

Aber es geht weiter im Programm: In Eisenhüttenstadt ist die 38-jährige mit dem Betriebselektroniker Andreas Hartmann unterwegs, fährt mit ihm von Filiale zu Filiale, repariert mit ihm einen Ofen, eine Türklinke und einen Geschirrspüler. Hier wird es brenzlig: Eine Filialleiterin erkennt ihre Chefin unter der Maskerade. „Das sieht man ganz deutlich an Ihrer Körperhaltung, ich kenne Sie seit so vielen Jahren“, lässt sie die Bombe platzen. „Keine Frisur schafft es, Sie zu verstecken.“ Zum Glück spielt sie weiter mit, um das Experiment nicht kaputt zu machen. Auf dem Rückweg erfährt Antje Dreißig mehr über Andreas und ist einmal mehr von einem positiven Menschen beeindruckt. Trotz Krankheit schaut der Elektroniker nach vorn. „Er ist ein loyaler Mitarbeiter, denkt viel mit, schaut über den Tellerrand – etwas besseres kann uns nicht passieren“, ist Antje Dreißigs Fazit.

Auch putzen blieb nicht aus. Quelle: RTL

Am vierten Tag ist die Unternehmerin in Cottbus im Verkauf der Filiale Carl-Thiem-Klinikum eingesetzt, das zum Zeitpunkt des Drehs erst seit 14 Tagen geöffnet ist. Elke Löffler, noch in der Probezeit, ist gleich doppelt aufgeregt: Erstens, weil sie eine Praktikantin betreut, zweitens, weil ihr Sohn zeitgleich eine wichtige Abschlussprüfung hat. Mit der Praktikantin läuft es rund. „Ich habe ein gutes Gefühl, alles was ich erklärt habe, hat sie gut aufgenommen.“ In einer Pause erzählt die Mitarbeiterin von der geplanten Silberhochzeit und zeigt Fotos von ihrer Familie. Auch dieser Tag endet mit Lob und einem guten Gefühl. „Der Kundenkontakt im Verkauf hat mich glücklich gemacht.“

Die Maskerade fällt

Dann wird aus Barbara Steinmann wieder Antje Dreißig: Die Extensions werden entfernt, die Haare wieder umgefärbt und die randlose Brille gegen das alte Modell ausgetauscht. „Die Undercover-Woche war ein unglaubliches Abenteuer für mich“, sagt die Geschäftsfrau. „Ich habe so viel gehört, gesehen, erlebt, und an den einzelnen Stationen auch gesehen, wo ich den Mitarbeitern die Arbeit erleichtern kann.“

Ihre vier Mitarbeiter werden zu einem Gespräch mit der Chefin geladen – ohne zu wissen, weshalb. „Ich wüsste nicht, dass ich etwas falsch gemacht habe“, sagt Jaqueline auf dem Weg dorthin. „Das Schlimmste wäre die Kündigung“, befürchtet Sebastian. Aber es kommt alles anders:

Frau Dreißig setzt zuerst ein „Pokerface“ auf, fragt, ob auf der Arbeit etwas vorgefallen sei; keiner der vier Mitarbeiter hat darauf eine Antwort parat. Dann stellt sie Fragen zu der Praktikantin, die vor ein paar Wochen im Betrieb war. „Würden Sie sie einstellen?“, und dann: „Kennen wir uns?“

„Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrungen“

Jetzt fällt der Groschen: Lachanfälle, Freude und Überraschung brechen bei den Mitarbeitern aus, als sie begreifen, dass vor ihnen Barbara „Babsi“ Steinmann und Antje Dreißig in einer Person sitzen. Jedem einzelnen erklärt sie, was passiert ist und was sie von ihnen und ihrem eigenen Betrieb lernen konnte. „Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrungen“, gesteht sie. Die vier Mitarbeiter werden wegen ihrer tollen Arbeit belohnt: Elke bekommt einen festen Arbeitsvertrag und Unterstützung für die Kreuzfahrt zur Silberhochzeit, Andreas darf mit seiner Familie in die Normandie fahren, Sebastian wird der Führerschein finanziert und die Bäckerei übernimmt den Motorschaden an Jacquelines Auto, der dringend repariert werden muss. Die ist zu Tränen gerührt: „Ich freue mich tierisch.“

Von Christina Koormann

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