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Brandenburg „Ungeheuerlicher Vorgang“ in Oberhavel
Brandenburg „Ungeheuerlicher Vorgang“ in Oberhavel
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07:03 30.11.2016
Die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen wird jährlich von rund 700 000  Gästen aus dem In- und Ausland besucht.
Die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen wird jährlich von rund 700 000 Gästen aus dem In- und Ausland besucht. Quelle: Enrico Kugler
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Potsdam/Oranienburg

Aufregung um die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen (Oberhavel). Nachdem der Direktor der Gedenkstättenstiftung des Landes, Günter Morsch, vom Geschäftsführer der Oberhavel-Verkehrsgesellschaft (OVG), Klaus-Peter Fischer, am Montag vor die Tür gesetzt worden war, erreichte der Eklat am Dienstag die Landespolitik. „Das Ganze ist ein ungeheuerlicher Vorgang“, sagte die Vorsitzende des Kulturausschusses im Landtag, Marie Luise von Halem (Grüne). Der Sprecher des Kulturministeriums, Stephan Breiding, nannte den Vorgang einen „Affront gegenüber den Überlebenden des KZ und all jenen, die sich für ein würdiges Gedenken in Sachsenhausen einsetzen.“

Gedenkstätten-Chef spricht von einem Skandal

Gemeinsam mit dem extra aus Amsterdam angereisten Generalsekretär des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, Dik de Boef, wollte Morsch dem OVG-Geschäftsführer eine Unterschriftensammlung für eine bessere Busanbindung der Gedenkstätte übergeben. Aber Morsch und de Boef kamen nur bis ins Vorzimmer. Der OVG-Chef steckte kurz den Kopf aus seiner Bürotür, um ihnen mitzuteilen: „Ich freue mich nicht über Ihren Besuch.“ Morsch sprach daraufhin von einem „Skandal“. So etwas habe er noch nie erlebt, sagte de Boef.

Gedenkstätten-Leiter Günter Morsch (l.) und Oberhavels Landrat Ludger Weskamp. Quelle: privat

Die Gedenkstätte werde jährlich von rund 700.000 Menschen aus aller Welt besucht und leiste viel Aufklärungsarbeit. Nun schlage ihr der Chef eines lokalen Verkehrsbetriebs die Tür vor der Nase zu, rügte Grünen-Politikerin von Halem.

Oberhavels Landrat bemüht sich um Entspannung

Gerrit Große, Oranienburger Landtagsabgeordnete der Linken, zeigte sich ebenfalls bestürzt. Der Umgang des OVG-Geschäftsführers mit seinen Gästen sei „inakzeptabel“. Große fordert eine Entschuldigung und die Lösung des Busproblems. Rainer Klemke vom Sachsenhausen-Verein verwies darauf, dass Gedenkstätten in Berlin alle zehn Minuten zu erreichen seien. Die Unterschriftensammlung für eine bessere Busanbindung der im Oranienburger Vorort Sachsenhausen gelegenen Gedenkstätte war im Mai gestartet worden, nachdem Gespräche über dichtere Taktzeiten mit der Verkehrsgesellschaft gescheitert waren. Bislang verkehrt ein Bus vom Oranienburger Bahnhofs wochentags stündlich und am Wochenende alle zwei Stunden. Der Verkehrsbetrieb verweigert mehr Fahrzeuge. Begründung: Sie seien nur in Spitzenzeiten ausgelastet. Große Veranstaltungen der Gedenkstätte könnten durch zusätzliche Busse unterstützt werden. „Von diesem Angebot wurde bislang kein Gebrauch gemacht“, hieß es.

Um die Debatte zu entschärfen und einen Imageschaden vom Landkreis abzuwenden, intervenierte Oberhavel-Landrat Ludger Weskamp (SPD) im Verlauf des Dienstag beim Chef des kreiseigenen Verkehrsunternehmen. Er erwarte, dass „der Geschäftsführer für ein klärendes Gespräch auf die Gedenkstättenleitung zugeht und die Gelegenheit einräumt, die aufgeworfenen Fragestellungen eingehend zu besprechen“, so Weskamp. Fischer habe um einen Termin gebeten, teilte Gedenkstättenchef Morsch am Abend mit.

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