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Brandenburg Die Lausitz braucht einen Plan B
Brandenburg Die Lausitz braucht einen Plan B
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21:41 30.12.2014
Burkhardt Greiff, Präsident des Unternehmerverbandes Berlin-Brandenburg. Quelle: PR
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MAZ: Herr Greiff, Vattenfall zieht sich aus der Lausitz zurück. Ist der Süden Brandenburgs ohne Braunkohle überhaupt vorstellbar?
Burkhardt Greiff: Langfristig ja. Wir brauchen einerseits ein klares Bekenntnis zur Braunkohle, denn daran hängen allein direkt etwa 8000 Arbeitsplätze. Aber die Region um Cottbus und Senftenberg braucht eine Perspektive, die Lausitz braucht einen Plan B. Sonst macht am Ende jemand das Licht aus – und das war es.

Was soll dort passieren, wenn die Bagger weg sind?
Greiff: Darüber reden wir gerade mit den Bürgermeistern, den Landräten und der Universität. Wir wollen eine Unternehmerinitiative gründen, mit dem langfristigen Ziel, in der Lausitz ein Institut für innovative Regionalentwicklung zu etablieren.

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Aber es gab doch gerade erst in der Lausitz eine Hochschulfusion...
Greiff: Es soll ein privat getragenes Institut mit wirtschaftlicher Ausrichtung sein, um die unternehmerische Entwicklung der Region voranzutreiben. Die Lausitz braucht eine Alternative. Wenn man keine Perspektive entwickelt, wird sich dort kein Unternehmen ansiedeln. Die Investitionsbedingungen müssen auch in Regionen stimmen, die weit weg von Potsdam sind. Leider sind die Signale aus Potsdam nicht allzu deutlich.

Ist Brandenburg zu zentralistisch?
Greiff: Es fängt schon mit der fehlenden Flughafenanbindung von Cottbus an: Wer zum BER will, muss erst nach Berlin reinfahren, und dann wieder zurück. Der Speckgürtel ist ein wirtschaftlicher Selbstläufer. Die Landesregierung muss die regionalen Wachstumskerne mit hohem Tempo entwickeln. Sonst verlieren die Regionen den Anschluss. Die Minister müssen sich in der Peripherie häufiger sehen lassen, um zu verstehen, was dort nötig ist.

Was erwarten Sie denn von der neuen, alten Landes regierung?
Greiff: Der Breitbandausbau muss endlich kommen. Selbst im Gewerbepark Teltow, im Speckgürtel also, klagen die Unternehmer darüber, dass sie nicht vernünftig telefonieren können, geschweige denn schnelles Internet haben. Es muss investiert werden, sonst kommen keine Unternehmer ins Land. Und wir brauchen ein Konzept, wie wir mit der demografischen Entwicklung umgehen sollen. Schon allein wegen des Fachkräftemangels.

Der Fachkräftemangel wird vielfach beklagt. Gewerkschaften dagegen kritisieren fehlende Lehrstellen...
Greiff: Es gibt sicher solche Fälle. Aber Fakt ist: Wir suchen krampfhaft Azubis. Unter zehn Bewerbungen ist oft kein einziger Kandidat geeignet. Es fehlt an grundlegenden Fähigkeiten in Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften. Wir sind aber nicht der Reparaturbetrieb für die Schulen. Ich denke, Schulen und Unternehmen sollten enger zusammenarbeiten.

Brauchen wir mehr auslän dische Arbeitskräfte?
Greiff: Wir brauchen Zuwanderung, ja. Wir bei Remondis haben Arbeitskräfte aus Polen und Spanien angeworben, um unsere Aufgaben erfüllen zu können. Das funktioniert gut. Wenn aber ein junger Mensch aus Spanien in Brandenburg aufschlägt, muss er unterstützt werden. Er braucht Hilfe bei der Wohnungssuche, Sprachunterricht, ein Rundum-Sorglos paket sozusagen. Einfach holen – das funktioniert nicht.

Die Wirtschaft wartet sehnsüchtig auf den neuen Flughafen. Haben Sie die Hoffnung schon aufgegeben?
Greiff: Nein, der BER wird öffnen. Ich glaube an die deutsche Ingenieurskunst. In zehn Jahren spricht keiner mehr vom BER-Debakel. Denken Sie an die Querelen um den Münchner Airport. Die sind längst vergessen.

Interview: Torsten Gellner

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