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Brandenburg Ursula Nonnemacher für harte Linie bei den Grünen
Brandenburg Ursula Nonnemacher für harte Linie bei den Grünen
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19:49 21.08.2019
Ursula Nonnemacher (Grüne) führt ihre Partei zum zweiten Mal in den Wahlkampf. Quelle: dpa-Zentralbild
Templin

Als die Regionalbahn aus Berlin in den Bahnhof von Templin (Uckermark) einrollt, warten an Gleis 1 schon zwei Parteifreundinnen auf die grüne Spitzenkandidatin Ursula Nonnemacher. Carla Kniestedt, Direktkandidatin im Wahlkreis 10 und Birgit Bader, Kreistagsabgeordnete, werden mit Nonnemacher einen Vormittag lang in Templin-Süd um die Mehrfamilienhäuser ziehen, und zahllose Flyer verteilen, die das 100-Seiten-Wahlprogramm der Grünen wie in einem Brühwürfel konzentriert verabreichen.

Ursula Nonnemacher hat für den Anlass eine dunkelblaue Bluse mit Kakteen-Print angezogen, und versichert, sie mache total gerne Straßenwahlkampf. „Ich traue mir zu, mit allen Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Diese Fähigkeit verdanke sie auch ihrer Erfahrung als Ärztin auf einer internistischen Intensivstation und im Notarztwagen.

Sie sagt: „Es hat mich sehr geerdet, dass ich 26 Jahre lang in einem Krankenhaus gearbeitet habe. Mir hat das immer sehr viel Sicherheit gegeben: Ich muss mich in der Politik nicht beliebt machen. Ich kann jederzeit in einen Beruf zurück, wo ich auch gefragt bin und ein gutes Einkommen erziele.“

Gesprächsbereit und anschlussfähig

Für die 62-Jährige ist es die dritte Landtagskampagne, doch unter anderen Vorzeichen. 2009 ging es für die Grünen darum, nach 15 Jahren Abwesenheit in den Landtag zurückzukehren, 2014 stabilisierten sie das knappe Ergebnis (erst 5,7 dann 6,2 Prozent). Fünf Wochen vor dem Wahltermin sehen nun alle Umfragen die Partei im mittleren zweistelligen Bereich, die Grünen könnten demnach ab Herbst mitregieren, weil es, auch das legen die Umfragen nahe, für eine Zweierkoalition wohl nicht mehr reichen wird.

Zur Person

Ursula Nonnemacher wurde 1957 in Wiesbaden geboren, studierte Medizin in Mainz und Berlin und arbeitete bis zu ihrem Einzug in den Landtag 2009 als Internistin an einem Krankenhaus in Spandau. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder.

Politisch aktiv ist Nonnemacher seit 2003 in der Stadtverordnetenversammlung in ihrem Wohnort Falkensee (Havelland). Dort wurden die Grünen bei der Kommunalwahl im Mai erstmals stärkste Kraft.

Bei der Landtagswahlam 1. September steht Nonnemacher zum zweiten Mal nach 2014 auf Listenplatz 1. In der grünen Landtagsfraktion ist sie zuständig für Gesundheits-, Sozial- und Innenpolitik zuständig – und als Mitglied der Parlamentarischen Kontrollkommission auch für die Überwachung der Geheimdienste.

In Stein gemeißelt ist laut Nonnemacher nur, das es mit der AfD nichts zu bereden gibt. „Da ist ganz klar eine Grenze. Wir würden auch nichts tolerieren, was in irgendeiner Form mit AfD-Beteiligung gestrickt ist.“ Ansonsten sei man gesprächsbereit. „Wir Grüne sind anschlussfähig sowohl an die SPD und Linke als auch an die CDU. Wir vertreten hart unsere politische Linie, dann muss man sehen, wo man mit wem Kompromisse finden kann.“

Die Sozialdemokraten, das lässt sie durchblicken, müssten sich ihrerseits in der Agrar- und Umweltpolitik bewegen. „Bei den Themen Landwirtschaft, Massentierhaltung und Gewässerschutz haben wir mit der SPD erhebliche Differenzen.“ Das werde ihre Partei im Wahlkampf auch deutlich herausstellen. „Wir biedern uns doch nicht im Vorhinein jemandem an, mit dem wir gegebenenfalls koalieren könnten.“

Nicht jeder Flyer kommt an

Beim Verteilen der Flyer erlebt Nonnemacher in Templin das volle Programm. Auf die Standardfrage „Darf ich Ihnen das mal in die Hand drücken?“ antworten manche Wähler „Kein Interesse“, verweigern die Annahme und huschen vorbei. Andere greifen zu, wünschen über den Gartenzaun „viel Erfolg“. Eine junge Mutter nimmt ein zweites Flugblatt „für die Schwiegermutter“ mit, und ein älterer Herr vor einer der Mietskasernen lenkt das Gespräch vom Politischen ins Private: „Essen Sie doch mal was!“, empfiehlt er der Wahlkreiskandidatin Carla Kniestedt, die ihm an diesem Tag zu dürr erscheint.

Die größte Herausforderung aber sind vier missgestimmte Männer, die auf einer Parkbank sitzen, schon früh am Tag Bier trinken, und bei den Grünen nur an „den Trittin und das Dosenpfand“ denken. Dass nicht jede Einwegflasche von jedem Supermarkt angenommen wird, scheinen sie dem ehemaligen Bundesumweltminister persönlich zu verübeln.

Bei den Grünen gibt es traditionell zwei Spitzenkandidaten: Auf Listenplatz 1 steht immer die Frau (hier Ursula Nonnemacher), auf Platz 2 der Mann (Benjamin Raschke). Quelle: Bernd Settnik/dpa

Eine ganz andere Konstellation erlebt Ursula Nonnemacher zwei Tage vorher im Windpark Schlalach (Gemeinde Mühlenfließ, Potsdam-Mittelmark). Die Spitzenkandidatin informiert sich, begleitet von Parteifreunden aus den angrenzenden Dörfern, über die Anlage – 22 Windräder, deren Flügelspitzen bis zu 200 Meter hoch aufragen. Eine Turbine gehört der örtlichen Bürger-Windrad GmbH & Co KG, die dafür eine Millionen Euro Eigenkapital eingesammelt hat, etwa ein Fünftel der Gesamtkosten. Außerdem verteilt eine Bürgerstiftung pro Jahr zwischen 25.000 und 40.000 Euro aus den Windstrom-Erträgen an die Vereine in Schlalach – auch das sorgt für eine große Akzeptanz des Projekts, was bei Anlagen dieser Größe eine Seltenheit ist.

Im Schatten des Propellers

Zwar stehen an diesem Nachmittag nur Gleichgesinnte im wohltuenden Schatten des Riesenpropellers, doch an einer Stelle widerspricht Nonnemacher – für ihre Verhältnisse recht energisch. Peter Hahn, Vorsitzender des Bürgerwindrad-Projekts, hat sich darüber beklagt, dass das Areal 2002 im Regionalplan als Windkraftzone ausgewiesen wurde, es danach aber noch acht Jahre dauerte, ehe sich der erste Flügel drehte. Das gipfelt in eine sehr pauschale Politiker- und Behördenkritik.

In der Regionalbahn auf dem Weg nach Templin erklärt die Spitzenkandidatin, warum sie diese Verallgemeinerungen nerven. „Ich höre ununterbrochen: ,Die Politik muss mal’ oder ,Da hat die Politik wieder versagt’. Es gibt nicht DIE Politik! Ich vertrete bündnisgrüne Politik, und habe genug damit zu tun, unsere eigenen Positionen zu erklären. Ich möchte mich nicht für Entscheidungen, die ich selber falsch finde, in Haftung nehmen lassen.“

Von Thorsten Keller

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