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Brandenburg Jahresticket für 365 Euro? So reagiert Brandenburg auf die Berliner Idee
Brandenburg Jahresticket für 365 Euro? So reagiert Brandenburg auf die Berliner Idee
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12:50 09.07.2019
1 Euro pro Tag – so viel sollte aus Sicht des Berliner Regierungschefs das Jahresticket für den Verkehrsverbund kosten. Quelle: dpa
Potsdam

Wird das Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr in Berlin-Brandenburg bald nur noch 365 Euro für alle kosten, also einen Euro pro Tag? Einen solchen Vorschlag unterbreitete jetzt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und löste damit eine kontroverse Debatte auch in Brandenburg aus. Der Preis der Umweltkarte des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg von derzeit 976 Euro (Tarif ABC) würde sich dann mehr als halbieren. Was die Preissenkung kostet und wer das bezahlt, ließ Müller aber offen.

Das Echo auf den Vorstoß ist in Brandenburg, wo die Parteien derzeit im Landtagswahlkampf sind, unterschiedlich. Zumeist kommt Zustimmung; nur die CDU äußerte Skepsis. Die brandenburgische SPD kann sich ein 365-Euro-Jahresticket gut vorstellen, lässt allerdings den Zeitpunkt offen. Es solle „perspektivisch“ eingeführt werden, heißt es vage im Wahlprogramm.

Tarifgebiet C reicht nicht weit genug

Generalsekretär Erik Stohn sagte, in einem ersten Schritt sollte das Tarifgebiet C weiter nach Brandenburg ausgedehnt werden, „damit das Umsteigen noch attraktiver wird“. Schließlich sei der öffentliche Schienen- und Personennahverkehr der effektivste Weg, die wachsenden Pendlerströme aufzunehmen.

Auch Müller hatte sich nicht festgelegt, wann er das Ticket einführen will. „Ich will Schritt für Schritt auch das Ziel verfolgen, ein Jahresticket für den öffentlichen Personennahverkehr für 365 Euro anbieten zu können“, sagte er in einer Diskussionsrunde der „Neuen Zürcher Zeitung“ mit seinen Amtskollegen aus Wien und Zürich. Bei seiner Idee habe er sich von Österreich inspirieren lassen, sagte Müller weiter. In Wien wird das Ticket schon seit 2012 für 365 Euro angeboten.

02.07.2019, Berlin: Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, äußert sich bei einer Pressekonferenz des Berliner Senats zu einem Modellprojekt zum solidarischen Grundeinkommen. Der Senat hat das Modellprojekt beschlossen. Es ist auch als Beitrag zur Überwindung des Hartz IV-Systems gedacht. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: dpa

In Brandenburg und Berlin sollen Auszubildende bereits ab 1. August zu diesem Preis fahren können. Darauf hatten sich die Länder geeinigt. In den Genuss des günstigen Tickets kommen auch Studenten von dualen Studiengängen und junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr.

Die Linke ist gänzlich für einen kostenfreien, also „fahrscheinlosen“ Nahverkehr“. Die Grünen wollen eher das verbilligte 365-Euro-Ticket für die gesamte Region. Sie verweisen allerdings auf die derzeit geringe Zahl an Zügen und die schlechte Taktung bei Regionalbahnen. „Wir müssen erst die Angebote verbessern“, forderte Spitzenkandidat Benjamin Raschke, dann könnte „langfristig“ auch das 365-Euro-Ticket für Erwachsene eingeführt werden. Lehrlinge, Schüler und Studenten sollten dann kostenlos Bus und Bahn benutzen dürfen.

CDU fordert Ausgleich für Autofahrer

Ähnlich sieht das die AfD, die sich für eine günstige Jahreskarte aussprach, was allein allerdings nicht weiter helfe, wie Landeschef Andreas Kalbitz erklärte. „Es herrschen teils unzumutbare Zustände in den Zügen, von Sitzplätzen trauen sich viele Pendler gar nicht zu träumen.“ Das Angebot müsse umgehend erweitert werden. Erst dann könnte aus dem ÖPNV „eine echte Alternative zum Individualverkehr“ werden, so Kalbitz.

Der brandenburgische CDU-Verkehrspolitiker Rainer Genilke sprach von einer „netten Idee“ des Regierenden Bürgermeisters, doch müsse dieser auch darlegen, wie das Ganze finanziert werden soll. Genilke warnte vor einer Verkehrspolitik „zulasten der märkischen Kreise“. Er verlangte für den Fall der Preissenkung bei den Tickets einen Ausgleich für alle Pendler, die auf das Auto angewiesen sind und nicht in der Nähe von Bahn und Bus wohnten.

VBB will Vorschlag prüfen

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zeigte sich am Montag überrascht von dem Vorschlag des 365-Euro-Tickets. Auf Nachfrage der rbb-Sendung "Brandenburg aktuell" sagte eine Sprecherin, es sei noch völlig unklar, ob auch Brandenburger Pendler das günstige Jahresticket erwerben könnten. Zudem müssten nach ihren Worten Ausgleichszahlungen in Millionenhöhe an die Verkehrsunternehmen geleistet werden. Laut rbb will der VBB den Vorschlag nun zusammen mit Brandenburg prüfen.

Aus Sicht des brandenburgischen Verkehrsministeriums von Ministerin Kathrin Schneider (SPD) sollte der Vorstoß aus Berlin „in aller Ruhe“ in der gemeinsamen Tarifkommission des Verkehrsverbundes beider Länder besprochen werden. „Tarife sind dort ein ständiges Thema“, sagte ein Sprecher.

Von Igor Göldner

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