Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Verbrecher-Paar will sich nicht trennen
Brandenburg Verbrecher-Paar will sich nicht trennen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 28.11.2013
Blick in die JVA Brandenburg. Quelle: dpa
Potsdam

Cathleen T. ist heute 27 Jahre alt. „Hoffentlich glaubt sie später, dass alles nur ein schlechter Traum war“, hatte Richter Erich Draht im Landgericht Leipzig im Prozess gegen die beiden Brandenburger Sex-Gangster erklärt. Denn was die damals 13-Jährige erdulden musste, war selbst für hartgesottene Polizisten und Juristen ungeheuerlich: 16 Stunden lang folterten und vergewaltigten die Täter das Mädchen in Leipzig und setzten sie später in einem Wald bei Niemegk (Potsdam-Mittelmark) aus.

Detlef W. (56) und René N. (49) sitzen in der JVA Brandenburg/Havel eine Haftstrafe von 14 Jahren ab. Der jüngere der beiden, René N., soll nach MAZ-Informationen Anfang Dezember in die Sicherungsverwahrung verlegt werden. Doch die beiden Täter versuchen diese seinerzeit vom Leipziger Gericht beschlossene Maßnahme für rückfallgefährdete Täter zu verhindern, heißt es aus JVA-Kreisen. Denn die beiden Sexualstraftäter genießen ein äußerst umstrittenes Privileg: Sie dürfen sich in Brandenburg eine Zelle teilen, weil sie ein Paar sind. „Die beiden Männer lieben sich, wollen sogar heiraten“, hieß es in Medienberichten. Nun wollen sich W. und N. nicht trennen lassen.

Wie es Cathleen heute geht – ihre Anwältin will dazu keine Auskunft geben. „Über die Opfer redet irgendwann keiner mehr“, sagt eine Mitarbeiterin der Opferberatungsstelle Weißer Ring in Leipzig, wo das Verbrechen seinerzeit stattgefunden hat. Aber die Täter, die das Leben des Mädchens zerstört haben, geraten nun wieder in den Blick der Öffentlichkeit.

Die beiden bisexuellen Männer haben sich noch vor dem Verbrechen an Cathleen im Gefängnis in Brandenburg/Havel kennengelernt, weil beide schon einmal lange Haftstrafen wegen Sexualverbrechen absitzen mussten. Detlef W. war in der DDR nach der Vergewaltigung und Erdrosselung einer 16-Jährigen zu lebenslanger Haft verurteilt, auf Beschluss des Potsdamer Landgerichts jedoch vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Wenig später kam sein Geliebter René N. nach neun Jahren Haft wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes frei. Kurz darauf vergingen sich die beiden gemeinsam an Cathleen.

Eine Krankenschwester aus Treuenbrietzen liest das verstörte und verletzte Mädchen an der Straße bei Niemegk auf. Auf Polizeifotos von vorbestraften Kinderschändern erkennt Cathleen Detlef W. wieder. Nach einem Tipp aus der Bevölkerung fasst ein Sondereinsatzkommando die beiden Gangster wenige Tage später in einem Dresdener Hotel.

Die Leipziger Richter hatten die beantragte Zusammenlegung in eine „Liebes-Zelle“ damals abgelehnt. Dagegen gingen W. und N. später erfolgreich vor dem Landgericht Potsdam vor. Nun müsste sich das Paar räumlich trennen.

Der Gefängnisleiter Hermann Wachter hält sich zu dem Fall bedeckt. Er hat auf seinem Gelände die einzige Einrichtung für Sicherungsverwahrte für das Land Brandenburg. Generell seien die beiden Bereiche Gefängnis und Sicherungsverwahrung streng getrennt, erklärt er, beim Gottesdienst oder beim Sport beispielsweise könnten Insassen aber auf einandertreffen.

Das Potsdamer Justizministerium will „aus datenschutzrechtlichen Gründen“ ebenfalls keine Auskunft zu dem Fall geben, teilt die Leiterin des Ministerbüros, Christine Weis, mit. Der frühere Anwalt von W. und N. sitzt heute just in diesem Büro: Der heutige Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) hatte Cathleens Peiniger nach dem Prozess vertreten.

Von Marion Kaufmann

Neues Konzept für die Sicherungsverwahrung

  • Sicherungsverwahrung dient dazu, die Allgemeinheit auch nach Verbüßung einer Haftstrafe vor gefährlichen Straftätern zu schützen. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hatte 2011 geurteilt, dass die Sicherungsverwahrung in Deutschland völlig neu geregelt werden muss. Die Verwahrung soll „allerletztes Mittel“ sein, wenn sämtliche Therapie- und Resozialisierungsversuche, die bereits während der Haft unternommen werden müssen, fehlschlagen.
  • Räumlich muss sich die Sicherungsverwahrung klar von der nor malen Strafhaft unterscheiden und sie muss komfortabler sein.
  • Im Land Brandenburg ist die Sicherungsverwahrung in Brandenburg/Havel angesiedelt. Provisorisch wurde dort nach dem BVG-Urteil ein Untersuchungshaftgebäude für die Sicherungsverwahrten umgebaut. Am 4. Dezember ist Spatenstich für das neue Gebäude mit Appartements statt Zellen, das im Herbst kommenden Jahres fertig sein soll.
  • Aktuell sind nach Auskunft des Potsdamer Justizministeriums sieben Verurteilte in Sicherungsverwahrung. Bis Ende 2018 werden voraussichtlich acht brandenburgische Häftlinge dazukommen, die dann ihre Freiheitsstrafe verbüßt haben und weiter als gefährlich gelten.
  • Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) galt als Gegner der Sicherungsverwahrung in ihrer alten Form. Er setzt auf Resozialisierung. mak
Brandenburg Beliebtheit der Kartoffel nimmt langsam zu - 9000 Hektar für die Preußenknolle

Nudeln und Reis machen der Knolle große Konkurrenz: Haben die Ostdeutschen 1989 fast 150 Kilogramm Kartoffeln verzehrt, sind es heute nur noch 57 Kilogramm pro Jahr. Die Anbaufläche in Brandenburg ging rapide zurück. Immerhin betrug sie dieses Jahr 9000 Hektar - 4000 mehr als im Vorjahr.

25.11.2013
Brandenburg Ministerium arbeitet am Entzug der Betriebserlaubnis - Schließung der Heime verzögert sich

Nach Misshandlungsvorwürfen sollen die Haasenburg-Heime geschlossen werden. Doch das dauert – länger als das Ministerium dachte. „Die juristischen Hürden sind hoch”, erklärte ein Sprecher am Montag. Das Ministerium müsse nachweisen, dass der Betreiber nicht Willens und nicht in der Lage ist, eine Kindeswohlgefährdung zu verhindern.

25.11.2013
Brandenburg Bis zu zwei Millionen Bäume werden verkauft - Weihnachtsbaum-Saison eröffnet

Die Adventszeit hat noch gar nicht begonnen, doch in Brandenburg läuft schon die Weihnachtsbaum-Saison. Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger hat am Montag im Landesforst bei Neuseddin offiziell den ersten Weihnachtsbaum der Saison aus Brandenburgs Wäldern geschlagen.

25.11.2013