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Brandenburg Wie Corona-Betrüger Brandenburger abzocken wollen
Brandenburg Wie Corona-Betrüger Brandenburger abzocken wollen
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16:06 22.03.2020
Ein Mann in einem Schutzanzug Quelle: DPA
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Potsdam

Was für ein Service: Überall im Land ist Desinfektionsmittel ausverkauft, und dann wird es einem praktisch frei Haus geliefert: Bei einer 84-jährigen Oranienburgerin klingelten am Freitagabend zwei junge Männer und behaupteten, sie kämen im Auftrag des Gesundheitsamts, um die Wohnung zu desinfizieren. Sie trugen Schutzanzüge, Masken und hatten eine Sprühflasche mit einem vermeintlichen Desinfektionsmittel dabei.

Die Dame wurde stutzig und ließ sich nicht auf den Schwindel ein. Sie drohte vielmehr damit, ihren Hund von der Leine zu lassen. Das wirkte. Die Männer verabschiedeten sich ganz schnell. Ihr Plan ging nicht auf.

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Die Betrüger wollen in die Wohnung

Die Angst vor dem Corona-Virus und die Nöte der Menschen sind inzwischen auch zum Spielfeld von Kriminellen geworden. Der vermeintliche Desinfektionstrupp oder ein ähnlicher war zuvor auch schon in Wandlitz (Barnim) gesichtet worden. Doch das Gesundheitsamt schickt niemanden unangemeldet los, um Wohnungen zu reinigen. Es sind Betrüger, denen es darum geht, Geld an der Haustür abzukassieren oder in fremde Wohnungen zu kommen.

Das geht derzeit bundesweit so, wie das Bundeskriminalamt warnt. Mal sind es angebliche Reinigungstrupps, mal vermeintliche Ärzte, die an der Haustür Corona-Schnelltests anbieten. „Bei Verdacht auf eine Erkrankung werden Corona-Tests ausschließlich angemeldet durchgeführt“, stellt das Präventionsteam der Polizei klar. Bei unangemeldeten Tests handelt es sich in der Regel um Betrüger.

Zum Teil rufen die Betrüger vorher auch bei ihren Opfern an, geben sich als Ärzte aus und erklären, dass man einem Corona-Verdachtsfall nachgehen müsse. Es würde eine Person vorbeigeschickt, die einen Test durchführt. Die Kosten hierfür: 200 Euro.

Das Präventionsteam rät: Werden Sie telefonisch dazu aufgefordert kostenpflichtige Tests durchzuführen, legen Sie auf. Wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder das Gesundheitsamt und fragen Sie danach, ob für Sie ein Test angeordnet wurde.

Lesen Sie hier: Das Wichtigste zu Corona im Überblick

Eine andere Masche, nämlich eine Corona-Variante des Enkeltricks, beschäftigte die Polizei im Mühlenbecker Land. Bei mehreren älteren Damen rief ein vermeintlicher Enkel an und behauptete, er sei an Covid-19 erkrankt. Für eine Behandlung benötige er 100.000 Euro. Die Frauen fielen aber nicht auf diesen Trick herein und wandten sich an die Polizei.

Rentner hebt 22.000 Euro ab

Fast aufgegangen wäre der Trick bei einem 85-Jährigen, ebenfalls aus dem Mühlenbecker Land. Er war schon bei der Bank, um Geld für seinen angeblich infizierten Sohn abzuheben – 22.000 Euro. Zum Glück hatte der ältere Mann seine Schwiegertochter über den Gang zur Bank informiert, die wiederum die Polizei verständigte. In diesem Fall war der Mann zunächst von seinem vermeintlichen Sohn angerufen worden, später von einem angeblichen Oberarzt, der bestätigte, dass der Sohn in Behandlung sei und dafür das Geld benötige.

Vorsichtig sollte man auch im Internet sein, wo nach Polizeiangaben eine Reihe von Fake-Shops medizinisches Schutzmaterial und Desinfektionsmittel anbieten. Die Ware wird gegen Vorkasse angeboten, aber nie geliefert. In dem Fall rät die Polizei, sich sofort an seinen Zahlungsanbieter zu wenden und zu versuchen, die Überweisung rückgängig zu machen. In jedem Fall soll auch die Polizei informiert und Anzeige erstattet werden.

Von Torsten Gellner

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