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Brandenburg Viele stillgelegte Bahnstrecken sollten reaktiviert werden
Brandenburg Viele stillgelegte Bahnstrecken sollten reaktiviert werden
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20:24 20.05.2019
Das Gleis einer stillgelegten Bahnstrecke. Quelle: Marijan Murat/dpa
Potsdam

250 Kilometer brachliegende Eisenbahnstrecken in Berlin und Brandenburg sollen wiederbelebt werden, um den Bahnverkehr zu stärken und Engpässe im Regional- und Fernverkehr zu beseitigen. Bundesweit könnten mit vertretbarem Aufwand sogar mehr als 3000 Kilometer stillgelegter Gleise reaktiviert werden. Das fordern der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz pro Schiene.

Es gebe zahlreiche Lücken im deutschen Schienennetz. Zuletzt seien, auch dank Bürgerprotesten, einige Strecken wieder erfolgreich flottgemacht worden, hieß es. Mit 169 reaktivierten Streckenkilometern ist Baden-Württemberg bundesweit Spitze. Nordrhein-Westfalen kommt auf 135, Bayern auf 132, Niedersachsen auf 112, Brandenburg auf 56 und Mecklenburg-Vorpommern auf 48. In Sachsen-Anhalt waren es 79, in Sachsen 21.

Renaissance der Schiene?

„Die Schiene kommt zurück in Regionen, die lange verwaist waren“, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. Er erinnerte an die Vereinbarungen von Union und SPD im Koalitionsvertrag. Dort heißt es, die Bundesregierung wolle die Fahrgastzahlen bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts verdoppeln. „Wenn wir das erreichen wollen, müssen wir den langjährigen Rückzug der Schiene aus der Fläche stoppen und ihn an geeigneten Stellen rückgängig machen“, so Ingo Wortmann, Präsident des VDV.

„Eine von der Bundesregierung beauftragte Studie belegt zudem, dass die Reaktivierung von Schienenstrecken aus Umweltgründen sinnvoll ist“, so Wortmann weiter. „Es gibt keine Reaktivierungsstrategie des Bundes bisher“, beklagt Bahn-Experte Flege jedoch.

Schienennetz um 3000 Kilometer geschrumpft

Der VDV hat eine Liste mit Reaktivierungsvorschlägen erarbeitet. Dabei geht es um 186 Strecken mit insgesamt 3.072 Kilometern Länge. Zum Vergleich: Seit 1994 ist das deutsche Schienennetz unterm Strich um mehr 3.600 Kilometern geschrumpft. 90 Prozent der Einbußen entfallen den Angaben zufolge auf die ostdeutschen Länder.

In Brandenburg stehen Bahnstrecken mit einer Gesamtlänge vom mehr als 250 Kilometern auf dem Wunschzettel der Verbände. Darunter ist die 15 Kilometer lange Verbindung von Berlin-Schönholz nach Hennigsdorf, die für den Regionalverkehr (derzeit nur S-Bahn) Richtung Neuruppin ertüchtigt werden soll. Viele Strecken sind Opfer der deutsch-deutschen Teilung geworden, wie etwa die Verbindung von Wannsee bis Stahnsdorf, die nach Willen der Verbände reaktiviert und als Neubaustrecke bis nach Teltow weitergeführt werden soll.

Potsdamer Stammbahn und Wustermark-Link

Auch die Potsdamer Stammbahn steht mit der höchsten Priorität auf der Liste, aber auch kleinere Verbindungen. So könnte eine etwa nur zwei Kilometer langes Schienenstück bei Wustermark (Havelland) den Berliner Außenring mit der Lehrter Stammbahn (BerlinHannover), die derzeit ausgebaut wird, verbinden, heißt es im Forderungskatalog.

Brandenburg prüft derzeit gemeinsam mit Berlin und der Deutschen Bahn, welche Strecken reaktiviert oder ausgebaut werden können. Das umfangreiche Infrastrukturprojekt Projekt trägt den Titel i2030. Hier gebe es bereits ein klares Bekenntnis für eine S Bahn nach Velten und den Ausbau der Strecke nach Rangsdorf, teilte Ministeriumssprecher Steffen Streu mit. Die Planungen für die Heidekrautbahn (Berlin-Oberhavel-Barnim) liefen bereits. Er verwies darauf, dass die Strecke JoachimsthalTemplin vor einigen Monaten reaktiviert worden sei. „Für uns wichtig ist der Ausbau bestehender Strecken, zwischen Cottbus und Lübbenau oder auf der Strecke der Ostbahn. Hier wünschen wir uns mehr Engagement des Bundes“, sagte Streu.

Bund in der Pflicht

Der Chef von „Allianz pro Schiene“, Dirk Flege, sieht vor allem den Bund in der Pflicht. „Wir fordern ein Bundesprogramm Reaktivierung“, sagte er. Der Bund solle dabei 100 Prozent der Aufwendungen Infrastruktur tragen, die Länder die Planungskosten, so sein Vorschlag.

VDV-Chef Wortmann sagte, Ziel der möglichen Projekten seien insbesondere die Anbindung bisher nicht mehr erschlossener Mittel- und Unterzentren, die Entlastung des Straßennetzes in überlasteten Ballungsräumen sowie Umgehungsmöglichkeiten für störungsanfällige Eisenbahnknoten.

Von Rasmus Buchsteiner und Torsten Gellner

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