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Brandenburg Vier Wochen im alten Bahnhof leben
Brandenburg Vier Wochen im alten Bahnhof leben
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12:16 15.07.2019
Leona Sarau, ihr Partner David, und die gemeinsamen Töchter Ava (r) und Elsa sitzen vor ihrer Ferienwohnung im umgebauten alten Bahnhofsgebäude. Quelle: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbi
Nauen

„Jwd“ statt Großstadt: Leona, David, Ava und Elsa haben vier Wochen lang Hamburg gegen Brandenburg eingetauscht. Die Familie ist eine von vier Familien, die bei der Aktion „Elternzeit“ des Landes Brandenburg mitgemacht haben. Ihr Domizil: ein alter Bahnhof in Börnicke bei Nauen im Havelland, etwa eine Stunde von Berlin-Mitte entfernt. Der Bahnhof liegt versteckt im Grünen. „Weil Elsa ein totales Draußen-Kind ist, fand ich das schön, die Natur hier zu erleben“, sagt Leona Sarau. „Das ist in Hamburg was anderes.“

Am Wochenende ging die Aktion zu Ende – auch für eine Familie aus Berlin in einer Holländermühle in Groß Leine (Kreis Dahme-Spreewald) und zwei befreundete alleinerziehende Mütter aus Berlin und Nürnberg in einem Ferienhaus auf einem Gutshof in Battin in der Uckermark.

Teil der Image-Kampagne

Die Idee für die Wettbewerbsaktion der „Elternzeit“ entstand nach Angaben der Agentur Scholz & Friends, die das Projekt betreute, im vergangenen Jahr. Damals startete die Image-Kampagne „Es kann so einfach sein“, mit der Brandenburg Vorzüge im Vergleich zum großen Berlin zeigen will (zum Beispiel mit dem Slogan „Schön, wenn man da zu Hause ist, wo andere nur am Wochenende hinkönnen“).

Die Kampagne wolle Brandenburg als familienfreundliches Bundesland in den Fokus rücken, heißt es bei der Agentur. Aus diesem Konzept heraus sei die Idee entstanden, drei verschiedenen Familien zu ermöglichen, Brandenburg für einen längeren Zeitraum kennenzulernen.

Jury wählte Bewohner aus

Leona Sarau kam durch Zufall auf die Aktion. Ihre Schwester erfuhr von der Suche nach Familien. „Dann haben wir uns beworben“, sagt die 27 Jahre alte Erzieherin in Elternzeit. Per Video sollten die Familien darstellen, warum sie einen Monat in Brandenburg verbringen wollen.

Eine prominent besetzte Jury – aus den Schauspielern Anja Kling und Steffen Schröder, der ehemalige Profiboxer Axel Schulz, der Kampagnen-Botschafterin Alexandra Malk und dem Leiter Landesmarketing, Thomas Braune –, wählten aus mehr als 50 Bewerbungen die Familien aus und versuchten, Standorte passend zu verteilen. Die Domizile, die in Frage kamen, wurden vorher ausgesucht.

Umgebauter Bahnhof

Gero und Lisa Dusil haben den alten Bahnhof von 1913 zu einem kleinen Schmuckstück um- und ausgebaut. Im Jahr 2017 zogen sie von Berlin dorthin. Ursprünglich kommen sie aus den Regionen Eitorf und Neuwied und wollten nach beruflichen Wegen über Asien und Australien nach Berlin ins Grüne – auch wegen ihres Kindes. „Wir wollten das Kind auf dem Land großziehen“, sagt Gero Dusil.

Der vorherige Eigentümer hatte den früheren Bahnhof von der Deutschen Bahn erworben. Die Dusils machten daraus vier Wohnungen – darunter eine für sich und eine Ferienwohnung. Zu ihren Gästen aus Hamburg haben sie nach ihren Angaben einen engen Draht: „Wir passen gut zusammen.“

„Ich finde Brandenburg schon schön“

Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich nach Angaben der Brandenburger Staatskanzlei auf rund 70.000 Euro. „Nach unserer Kenntnis ist Brandenburg mit diesem Projekt Vorreiter unter den anderen Bundesländern“, teilte Vize-Regierungssprecher Martin Bialluch mit. Die Kosten für die Unterkünfte der einmonatigen Elternzeit übernahm das Land laut Scholz & Friends für alle Familien komplett – dazu gab es 1000 Euro Taschengeld. Bei der Ankunft erwarteten sie regionale Lebensmittel.

Während der „Elternzeit“ gab es nicht nur das Genießen der Natur. Die Familien waren auch aktiv. So drehte Leona Sarau zum Beispiel ein Video eines Ausflugs in den Barfußpark in Beelitz und machte Fotos. Was bleibt nun? Werden Leona Sarau und David Böhm irgendwann mal in Brandenburg heimisch oder bleiben sie in Hamburg? „Ich finde Brandenburg schon schön“, sagt Leona Sarau. „Wir sind beide noch jung, mal gucken, was beruflich passiert.“

Von Oliver von Riegen

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