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Brandenburg Viertklässler können nicht schreiben
Brandenburg Viertklässler können nicht schreiben
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21:18 25.09.2013
Quelle: Montage: Matthias Schinck
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Potsdam

Kinder, die mit der Methode "Lesen durch Schreiben" unterrichtet werden, können zum Teil noch in der 4. Klasse nicht richtig schreiben. Diese Erfahrung musste auch der CDU-Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann machen, der von seiner Tochter einen mit "Liba Fata" überschriebenen Brief bekam. Der Kinderbrief war Anlass für eine parlamentarische Anfrage und einen Antrag der CDU-Fraktion, mit dem sich am Mittwochabend der Landtag befasste. Die Methode des Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen gehöre – auch angesichts des mäßigen Abschneidens Brandenburgs bei Deutsch-Leistungsvergleichen – auf den Prüfstand, fordert die CDU. Denn aus CDU-Sicht ist die Methode, bei der nach Gehör gelernt wird, nicht geeignet, um Kindern korrektes Deutsch beizubringen.

» Abstimmung: Wie finden Sie die Lern-Methode "Lesen durch Schreiben"?

„Schreibenlernen nach Gehör ist wie Operieren nach Gefühl. Dabei kann nichts Gescheites herauskommen“, sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Gordon Hoffmann, am Mittwoch bei der Debatte im Parlament. Die Union hatte beantragt zu erheben, an welchen Schulen nach der Methode unterrichtet wird und ob sie Einfluss auf die Schülerleistungen hat. Beim jüngsten Grundschulvergleich der 16 Bundesländer erreichte Brandenburg beim Lesen nur Rang sieben. Der CDU-Antrag wurde abgelehnt.

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Wie viele Schulen die Methode einsetzen, ist dem Land nicht bekannt. Durch das Ministerium würden grundsätzlich keine Vorgaben gemacht, nach welcher Methode unterrichtet wird, erklärte Bildungsministerin Martina Münch (SPD) am Mittwoch im Landtag. „Entscheidend ist, dass die Kinder am Ende der vierten Klasse gut schreiben und lesen können.“ Und das könnten die Schüler in Brandenburg mehrheitlich.

Bildungsexperten bezweifeln hingegen, dass die Methode tatsächlich zum Erfolg führt und fordern ihre Verbannung aus dem Unterricht. „Gerade für schwächere Schüler ist sie überhaupt nicht geeignet“, sagt Agi Schründer-Lenzen, Professorin für Allgemeine Grundschulpädagogik- und -didaktik an der Universität Potsdam.

Die SPD-Abgeordnete Gabriele Theiss verteidigte die Methode. Sie habe als Lehrerin nicht die Erfahrung gemacht, dass Kinder, die Schreiben nach Gehör lernen, schlechter abschneiden. Die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Gerrit Große, warf der CDU vor, den Lehrern zu misstrauen und ihnen ihre Fähigkeiten abzusprechen. „Wir wollen den Lehrern ihre Methoden nicht vorschreiben“, so CDU-Politiker Hoffmann. Rechtschreib-Experimente, die der Entwicklung der Kinder schaden, müssten aber umgehend beendet werden, forderte er.

Die sogenannte Reichen-Methode, die in den 70ern erstmals erprobt wurde und inzwischen bundesweit im Einsatz ist, folgt der Kernthese ihres inzwischen verstorbenen Erfinders: „Kinder lernen umso mehr, je weniger sie belehrt werden.“ Anstatt mit einer klassischen Fibel Buchstabe für Buchstabe das Abc zu pauken, nutzen die Kinder eine Anlauttabelle. Ein Wort wird in Laute zerlegt, die mit Bildchen gekoppelt sind – etwa einer Eule für Eu. Die Kinder setzen das Wort dann mit Hilfe der ihnen passend erscheinenden Buchstaben zusammen. Sie schreiben so, wie sie es hören. Dabei können dann Sätze entstehen wie „Schulä isd dol“. Eine Korrektur durch Lehrer oder Eltern ist zumindest zu Beginn des Lernens nicht erwünscht. Die Idee hinter dem Konzept: Kinder, die frühzeitig selbstständig schreiben – und sei es erstmal falsch – lernen das Lesen quasi von alleine.

Berlin legt seinen Schulen inzwischen nahe, auf die Anlauttabelle zu verzichten. Auch in Hamburg soll sie auf den Prüfstand.

Von Marion Kaufmann und Torsten Gellner

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