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Brandenburg Stallpflicht wegen Vogelgrippe ausgeweitet
Brandenburg Stallpflicht wegen Vogelgrippe ausgeweitet
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11:59 28.11.2014
Brandenburg weitet Stallpflicht aus. Quelle: Julian Stratenschulte
Potsdam

Zum Schutz gegen die Vogelgrippe weitet Brandenburg die Stallpflicht für Geflügel weiter aus. Nach der Uckermark, dem Havelland und Ostprignitz-Ruppin müssen ab Donnerstag auch die Hühner, Puten, Enten und Gänse in der Prignitz und im Landkreis Spree-Neiße im Stall bleiben. Ob noch mehr Kreise die Aufstallung verordnen, ist im Moment noch unklar. „Der allgemeine Erlass ist an alle Kreise raus, aber die Amtsärzte vor Ort entscheiden, welche Betriebe und Halter welche Maßnahmen umsetzen müssen“, sagt Brandenburgs Landestierarzt Klaus Riemer.

Fakt ist: Ab sofort müssen Enten, Puten, Hühner und Gänse in einem Radius von einem Kilometer um Zugvögel-Rastplätze und in drei Kilometern um Gebiete mit Großbetrieben oder besonders vielen Geflügelbetrieben in den Ställen gehalten werden, teilte das Verbraucherschutzministerium mit. Das Friedrich-Loeffler-Institut stuft die Gefahr einer Übertragung des Erregers von Wildvögeln auf Hausgeflügel als hoch ein. Hintergrund ist der Fund des Vogelgrippe-Erregers H5N8 am Wochenende bei einer Wildente auf Ummanz bei Rügen.

Geflügelbetriebe und auch private Halter müssen ihre Tiere einsperren

Nach dem Havelland hat gestern auch der Landkreis Spree-Neiße die Aufstallung für bestimmte Orte und Gebiete festgelegt, darunter auch für das Teichgebiet Peitz. "Es zählt zu den ornithologisch bedeutsamen Feuchtbiotopen Deutschlands für Wat- und Wasservögel", erklärte Amtstierarzt Dietmar Vogt die Maßnahmen. In anderen Gebieten des Landkreises Spree-Neiße und der kreisfreien Stadt Cottbus kann das Geflügel vorerst im Freien gehalten werden. Ob es auch zur Stallpflicht in Potsdam-Mittelmark kommen wird, entscheidet der Landkreis am Montag, teilte eine Sprecherin mit.

Auf Nummer sicher gehen die Landkreise Uckermark, Prignitz und Ostprignitz-Ruppin. Sie ordneten komplette Stallpflicht an. Sprich: Sowohl die großen Geflügelbetriebe als auch der private Halter müssen ihre Tiere einsperren. Ursprünglich wollte man in der Prignitz keine flächendeckende Stallpflicht. "Doch nach längerer Diskussion sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass dies zu einem Flickenteppich im Kreis führe, der die Leute verunsichern würde", sagte Amtstierärztin Sabine Kramer. Dies bedeutet auch, dass Ausstellungen und Märkte mit Geflügel nicht stattfinden dürfen.

Halter fordern Ausnahmen für Wasservögel

Für Fredi Rosenthal, Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins in Meyenburg (Prignitz), heißt das, dass die Vereinsschau am Wochenende auf knapp 260 Hühner, Gänse und Enten verzichten muss. "Das ist für die Züchter, die ein Jahr lang daraufhin gearbeitet haben, natürlich ärgerlich", sagte Rosenthal. Der Meyenburger hat bereits seit Montag seine 45 Tiere im Stall.

Weil das vor allem für Wassergeflügel kein Dauerzustand ist, fordern Halter für Gänse eine Ausnahme der Stallpflicht. Diese lebten traditionell in Freilandhaltung und dementsprechend gebe es keine ausreichenden Stallkapazitäten. Auch Geflügelzüchter Dominique Müller aus Paulinenaue (Havelland), der derzeit noch nicht Aufstallen muss, käme in Bedrängnis. "Die Tiere bräuchten ausreichend Wasser. Das gibt eine große Sauerei im Stall." Dass die Unterbringung nicht artgerecht ist, weiß Landestierarzt Klaus Riemer. Aber das sei dennoch besser, als bei Infektion dann alle Tiere töten zu müssen.

Von Anne Voß

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