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Brandenburg Jürgen Israel aus Neuenhagen bei Berlin: „Es darf nicht alles nach bürokratischen Regeln gehen“
Brandenburg

Vor der Bundestagswahl 2021: Was bewegt Sie, Jürgen Israel aus Neuenhagen bei Berlin?

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10:57 03.09.2021
Jürgen Israel, Publizist aus Neuenhagen bei Berlin.
Jürgen Israel, Publizist aus Neuenhagen bei Berlin. Quelle: MAZ/Björn Reißmann
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Potsdam

Am 26. September ist Bundestagswahl. Die MAZ fragt Brandenburgerinnen und Brandenburger, was sie umtreibt. Heute: Jürgen Israel (76) aus Neuenhagen bei Berlin (Märkisch-Oderland).

Wo sind Sie gerade – und was sehen Sie, wenn Sie aus dem Fenster gucken?

Es ist Abend, und ich sitze in meinem Arbeitszimmer. Vor dem Fenster sehe ich zwei Nachbarsgärten und einen Teil unseres eigenen Gartens. Alles ist wunderbar grün.

Beschreiben Sie uns doch mal einen typischen Tag aus Ihrem Leben.

Ein typischer Tag beginnt um 6 Uhr. Ich erledige einiges im Haushalt, wecke meine Frau, und wenn sie zur Arbeit gefahren ist, setze ich mich an den Schreibtisch. Oft fahre ich am späten Vormittag mit dem Fahrrad ins Dorf, kaufe ein und erledige alle möglichen Besorgungen. Wenn es das Wetter zulässt, gehe ich jeden Nachmittag eine Stunde in den Garten. Zu tun gibt es immer viel. Mit dem Kochen wechseln wir uns ab; manchmal kocht meine Frau, manchmal koche ich. Wenn sie nach Hause kommt, sitzen wir erst einmal zusammen; meist geht jeder noch einmal in sein Arbeitszimmer. Zeitweise gehört zum typischen Tag der Besuch der Staatsbibliothek am Potsdamer Platz in Berlin. Dort kann ich sehr gut arbeiten. Da ich für meine gegenwärtige Arbeit die Bibliothek nicht regelmäßig brauche, fahre ich nur einmal in der Woche hin.

Lob für die Nachbarschaft – und Wunsch nach einem Kino

Sie wohnen in Neuenhagen bei Berlin – was gefällt Ihnen dort, was nicht?

Was ich nicht genug loben kann, ist die wunderbare unkomplizierte Nachbarschaft rings um unser Grundstück. Mir gefällt die S-Bahn-Anbindung nach Berlin. Dass es kein Kino im Ort gibt, bedaure ich. Voriges Jahr wollten wir ein Straßenfest veranstalten; es fiel Corona zum Opfer. Das müssen wir nachholen. Da viele Menschen zuziehen, kennen wir längst nicht alle, die an unserer Straße wohnen. Um dem abzuhelfen ist ein Straßenfest gewiss geeignet.

Was regt Sie zurzeit am meisten auf und warum?

Ich bin entsetzt über das Verhalten der verantwortlichen deutschen Politiker in Afghanistan. Ich bin politisch wenig gebildet; aber ich habe vor Wochen gedacht, die afghanischen Menschen, die mit westliche Armeen und Institutionen zusammengearbeitet haben, müssen unverzüglich ausgeflogen werden. Ihr Leben und dasjenige der in Afghanistan arbeitenden Deutschen wurde sehenden Auges aufs Spiel gesetzt.

„Zuerst müssen die Menschen gesehen werden“

Was müsste passieren, damit es besser wird?

In diesem speziellen Fall, aber auch in vielen anderen Fällen, müssen zuerst die Menschen gesehen werden. Es kann und darf nicht immer alles nach starren diplomatischen oder bürokratischen Regeln gehen.

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Was hat Ihnen zuletzt Freude bereitet?

Ein verlängertes Wochenende mit meiner Frau auf der Feldberger Seenplatte mit einem Besuch der Fallada-Gedenkstätte in Carwitz.

Sofortiger Rücktritt als Bundeskanzler

Wären Sie bereit, sich politisch zu engagieren und wofür?

Seit 2015 oder 2016, genau weiß ich es nicht mehr, erteile ich Flüchtlingen Deutschunterricht. Das kann ich, und das macht mich glücklich.

Wenn Sie Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin wären – was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Ich träte sofort zurück, weil ich mich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühlte. Meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger flüsterte ich ins Ohr: behalte Bodenhaftung und sei dir nicht zu schade, andere um Rat zu fragen, und setze dich - möglichst unerkannt - immer mal in eine Kneipe

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Von MAZonline