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Brandenburg Ortrud Westheider aus Potsdam: „Mich besorgt das Auseinanderdriften der Gesellschaft“
Brandenburg

Vor der Bundestagswahl 2021: Was bewegt Sie, Ortrud Westheider aus Potsdam?

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11:17 11.09.2021
Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini aus Potsdam.
Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini aus Potsdam. Quelle: MAZ/Soeren Stache
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Potsdam

Am 26. September ist Bundestagswahl. Die MAZ fragt Brandenburgerinnen und Brandenburger, was sie umtreibt. Heute: Ortrud Westheider (56) aus Potsdam.

Wo sind Sie gerade – und was sehen Sie, wenn Sie aus dem Fenster gucken?

Ich sitze an meinem Schreibtisch im Homeoffice und schaue über die Dächer der Brandenburger Vorstadt. Nächste Woche wird unser Museumsteam wieder ins Büro zurückkehren. Auch wenn wir bestimmt viele neue digitale Arbeitsweisen beibehalten werden, gehen damit intensive Monate der Zusammenarbeit in Videokonferenzen und mit geteiltem Bildschirm dem Ende zu.

Nach dem Aufstehen erstmal Yoga

Beschreiben Sie uns doch mal einen typischen Tag aus Ihrem Leben.

Nach dem Aufstehen und ein paar Yogaübungen lese ich bei einer Tasse Kaffee online Zeitungen: Kultur, Lokales, Politik. Dann geht es los mit Besprechungen mit den einzelnen Teams. Oder es gibt etwas im Museum zu tun, beispielsweise im Ausstellungsumbau, wo wir sehr intensiv vor Ort arbeiten. Oder es geht auf Reisen, um Leihgaben zu werben. In der Corona-Zeit haben wir aber alles telefonisch oder im Video-Call mit unseren Museumskolleginnen und Kollegen besprochen.

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Am Nachmittag mache ich weitere Korrespondenz, Gespräche oder arbeite an Ausstellungskonzepten oder Texten. Manchmal empfange ich auch Gäste im Museum oder begrüße bei Abendveranstaltungen. Zum Abschluss gibt es in jedem Fall ein Gespräch mit meiner Mitgeschäftsführerin und unserem Chefkurator, oft auch mit unserem Pressereferenten, der eine Rundmail für unser gesamtes Team verfasst, die alle neuen Ideen, Aktivitäten und Entwicklungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter resümiert. So haben wir in der Corona Zeit alle informiert gehalten.

Wunsch nach mehr Sachlichkeit in sozialen Netzwerken

Sie wohnen in Potsdam – was gefällt Ihnen dort, was nicht?

Ich wohne in Potsdam und empfinde die Nähe zu den Parks und der Havellandschaft als großes Privileg. Was ich der Landeshauptstadt und ihren Gästen wünschen würde: ein IC/ICE-Anschluss!

Was regt Sie zurzeit am meisten auf und warum?

Mich besorgt das Auseinanderdriften der Gesellschaft. Jeder informiert sich auf sich selbst bestätigenden Kanälen. Was als große Freiheit des Internets begann, führt durch falsch verstandene Diskussionen und Meinungen inzwischen zu Engstirnigkeit und Intoleranz.

Was müsste passieren, damit es besser wird?

Weniger Empörung, mehr Sachlichkeit in den sozialen Netzwerken. Und Journalisten müssen unabhängig und seriös informieren und streng zwischen Nachricht und Kommentar unterscheiden. Geschichten sollten nicht zugespitzt werden, sondern erst einmal gut recherchiert sein.

„Potsdam soll ans ICE-Netz“

Was hat Ihnen zuletzt Freude bereitet?

Als ich am Sonntag nach der Eröffnung der Ausstellung „Impressionismus in Russland“ durchs Museum ging, sah ich Familien mit Kindern, junge Paare, Freundeskreise – es ist schön, wenn das Museum ein Ort der Begegnung für alle Generationen ist, offen für alle.

Wären Sie bereit, sich politisch zu engagieren und wofür?

Mir fehlt einfach die Zeit, aber da Thema wie Inklusion und Schulbildung im Museum bei uns sehr groß geschrieben werden, kann ich mit den Kolleginnen von Bildung und Vermittlung indirekt einen Beitrag leisten.

 Wenn Sie Bundeskanzlerin wären – was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Potsdam ans ICE-Netz anschließen.

Und was bewegt Sie, liebe Leserinnen und Leser? Wenn Sie mitmachen wollen, schicken Sie uns eine Mail an wasbewegtsie@maz-online.de

Von MAZonline