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Brandenburg Petra Quittel aus Annahütte: „Mich regen Menschen auf, die meinen, alles besser zu wissen“
Brandenburg

Vor der Bundestagswahl 2021: Was bewegt Sie, Petra Quittel aus Annahütte?

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12:25 04.08.2021
Petra Quittel, Fachkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie aus Annahütte.
Petra Quittel, Fachkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie aus Annahütte. Quelle: Foto: privat
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Potsdam

Am 26. September ist Bundestagswahl. Die MAZ fragt Brandenburgerinnen und Brandenburger, was sie umtreibt. Heute: Petra Quittel (53) aus Annahütte (Oberspreewald-Lausitz).

Wo sind Sie gerade – und was sehen Sie, wenn Sie aus dem Fenster gucken?

Ich bin zu Hause in meinem Arbeitszimmer und sehe, wenn ich aus dem Fenster schaue, zwölf Windräder. Für einige ist dies vielleicht totaler Umweltfrevel, für mich stehen diese Räder für Zukunft, für erneuerbare Energien.

Arbeit im Sana-Klinikum Niederlausitz

Beschreiben Sie uns einen typischen Tag aus Ihrem Leben.

Mein Tag beginnt mit einem guten Kaffee. Die Tageszeitung gehört immer dazu. Danach gibt es Futter für meine drei Hühner und zwei Hasen. Für 37 Wochenstunden fahre ich morgens ins Sana-Klinikum Niederlausitz nach Senftenberg und das schon 21 Jahre lang. Ich arbeite als Anästhesieschwester im OP und teilweise auf der Intensivstation. Die Arbeit fordert mich, aber ich mache sie noch immer gern, auch nach der absolut anstrengenden Coronakrise. Meine Kinder sind schon groß und ich habe mehr Freizeit als früher. Am Nachmittag fordert mich oft mein politisches Ehrenamt als Vorsitzende des Gemeinderats. Entspannen tue ich in meinem Garten mit viel Ruhe, ohne Lärm aus dem Dorf. Gern auch bei einem guten Buch.

Sie wohnen in Annahütte – was gefällt Ihnen dort, was nicht?

Ich wohne in der Gemeinde Schipkau im Ortsteil Annahütte, einer ehemaligen Industriegemeinde der Braunkohleregion in der Lausitz. Es ist der Ort meiner Kindheit. Ich bin hier zur Schule gegangen, habe Freunde aus Kindertagen und die Ruhe und Dörflichkeit, die ich in meinem agilen Leben benötige. Leider hat Corona mit sich gebracht, dass unser Dorf etwas erlahmt ist. Jeder arbeitet ein bisschen im Garten und ist sonst eher für sich. Die Gemeinschaft vermisse ich. Mal quatschen bei einem Treff, mal ein Bier mit Bekannten, mal eine gemeinsame Feierlichkeit. Das muss sich wieder ändern.

Ärger über Verpackungsmüll

Was regt Sie zurzeit am meisten auf und warum?

Am meisten regen mich Menschen auf, die der Meinung sind, alles besser zu wissen und ihre Meinung anderen aufzwingen wollen. Es gibt ja nicht nur achtzig Millionen Nationalfußballtrainer, die es besser können, sondern auch etwa achtzig Millionen Wissenschaftler, die Medizin und Infektiologie studiert haben und glauben, es besser zu wissen als das RKI. Und es regt mich Verpackungsmüll auf. Mehrfach eingepackte Sachen. Aber so richtig geärgert habe ich mich darüber, dass ich vor etwa einem Monat keinen deutschen Apfel im Supermarkt bekommen habe. Wir müssen doch nicht aus Chile oder Neuseeland Äpfel importieren, wir produzieren doch genügend eigene.

Was müsste passieren, damit es besser wird?

Wir sollten uns auf unsere eigene Landwirtschaft besinnen, unsere lokal und regional produzierten Lebensmittel verkaufen und natürlich auch kaufen.

Was hat Ihnen zuletzt Freude bereitet?

Die Hilfsbereitschaft so vieler Menschen für die Opfer der Überschwemmungen. Ich bin tief bewegt von einer so großen Einsatzbereitschaft. Es zeigt mir das Gute im Menschen. Ein plakativer Satz: Wir schaffen das. Ja, wir schaffen das. Wenn alle an einem Strang ziehen.

Bedarf nach einem einheitlichen Schulsystem

Wären Sie bereit, sich politisch zu engagieren und wofür?

Ich engagiere mich schon seit 2009 politisch, erst in ganz kleinen Schritten, jetzt mit einem gewichtigerem Amt. Ich mache mich stark für die Rechte der Frauen, denn allzu oft stehen Frauen hinten an, geblockt von Männern, die glauben, es besser zu können.

Wenn Sie Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin wären – was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Das Bildungssystem in Deutschland verbessern. Weg von: Jedes Bundesland macht seins. Wir brauchen ein einheitliches Schulsystem mit regionalen Schwerpunkten. Wir müssen Lehrern ermöglichen, guten Unterricht zu machen, in Klassen, die nicht mit 30 Kindern vollgestopft sind.

Und was bewegt Sie, liebe Leserinnen und Leser? Wenn Sie mitmachen wollen, schicken Sie uns eine Mail an wasbewegtsie@maz-online.de

Von MAZonline