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Brandenburg Ein Betrieb, in dem sich Schweine wohlfühlen
Brandenburg Ein Betrieb, in dem sich Schweine wohlfühlen
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00:27 05.04.2018
Der neue Stall der Prignitzer Landschwein GmbH. Quelle: privat
Potsdam

Im Stall der Prignitzer Landschwein GmbH in Neudorf geht es zu wie in einer WG. Die Schweine leben gemeinsam in Gruppen, es gibt dort Küche, Bad und Schlafzimmer, oder, wie Geschäftsführer Ralf Remmert sagt: „Wir haben einen Fressbereich, einen Kotbereich und einen Schlafbereich geschaffen. Man muss sie daran gewöhnen, aber dann sind sie reinlicher als Hunde“, erklärt der Landwirt. Schließlich seien Schweine hochsensible Tiere mit empfindlichen Nasen. Wenn sie dort schlafen und fressen müssten, wo sie auch ihre Notdurft verrichten, dann bedeute das Stress. Und Stress sorgt in der Schweinehaltung für Probleme.

Ralf Remmert hat seinen Betrieb in den vergangenen zweieinhalb Jahren zum Teil radikal umgebaut hin zu einer artgerechteren Tierhaltung. Nicht komplett, dafür fehlt das Geld und außerdem gibt es keine Patentrezepte. Für vieles, was Remmert mit seinen Mitarbeitern verändert hat, gibt es keine Blaupause. Die Sache mit dem Schweineklo zum Beispiel, wo Kot und Harn sofort getrennt werden, und es deswegen im Stall kaum noch stinkt. Die Folge: Die Tiere fühlen sich wohler, sind weniger gestresst. Das ist gut für das Fleisch und verhindert, dass die Tiere verhaltensauffällig werden und sich gegenseitig in den Schwanz beißen. „Ich will ein ganzheitliches System. Mit etwas mehr Platz und ein bisschen Spielzeug ist es nicht getan“, sagt der Landwirt.

Ralf Remmert war in der Arbeitsgruppe zum Landestierschutzplan

Remmerts Betrieb mit 1300 Sauen und 3500 Mastplätzen ist wegen des Erfindungsreichtums zu einem Vorzeigehof geworden, den unlängst auch Agrarstaatssekretärin Carolin Schilde besuchte. Dabei stand der Betrieb vor einigen Jahren noch im Visier von Tierschützern. Heimlich gedrehte Aufnahmen zeigten laut dem Verein Awira alte, enge Kastenstände, in denen die Tiere regelrecht eingeklemmt gewesen seien. Doch zum damaligen Zeitpunkt hatte der Betrieb laut Remmert schon auf Gruppenhaltung umgestellt. Die alten Ställe stammten noch aus DDR-Zeiten mit Bestandsschutz bis zu diesem Jahr. Es blieb jedoch ein Imageschaden, der den Betrieb zum Umdenken bewegte.

Weniger Stress für die Tiere bedeutet besseres Fleisch. Quelle: Claudia Bihler

Vergangenes Jahr saß Remmert in der Arbeitsgruppe für den Landestierschutzplan, die sich mit Empfehlungen für eine artgerechtere Schweinehaltung befasste. Obwohl er kein Biobauer ist, genießt er auch die Rückendeckung und den Respekt der Öko-Fraktion rund um Michael Wimmer, dem Chef der Fördergemeinschaft ökologischer Landbau. Der Grund: Bei Remmert dürfen die Schweine ihre Ringelschwänze behalten. Dort wird nicht mehr, wie in der Branche üblich, kupiert, also der Schweineschwanz im Ferkelalter abgeschnitten, damit sich andere Tiere nicht darin verbeißen. „Wenn so jemand wie Remmert seinen Bauernkollegen erzählt, was seine Intention ist und wie er das hinbekommen hat, dann wird plausibel, dass das alle schaffen können“, erklärt Wimmer. Jahrzehntelang sei den Landwirten ja erzählt worden, dass das Abschneiden der Schwänze gut sei für das Tier. Weil das Schwanzbeißen zu üblen Entzündungen führen kann.

In Niedersachsen wird eine Ringelschwanzprämie gezahlt

Remmert hat lange darüber gegrübelt, wie man die Tiere in einer konventionellen Haltung mit Ringelschwanz großziehen kann, ohne dass es zu Kanibalismus kommt. Seine Beobachtung: Je mehr Stress die Tiere empfinden, desto eher neigen sie zum Beißen. Also hat er Stück für Stück für eine Wohlfühlatmosphäre im Stall gesorgt. Heute gebe es bei ihm gar keine körperlichen Eingriffe mehr, die andernorts in der konventionellen Tierhaltung üblich seien: Die Ferkel werden nicht kastriert, die Zähne nicht abgeschliffen, und die Ringelschwänze bleiben dran.

Die Prignitzer Landschwein GmbH könnte zu einem der Vorzeigebetriebe werden, die jetzt gesucht werden. Er stehe dafür bereit, seine Erfahrung weiterzugeben, sagt er, aber er wolle sich nicht aufdrängen, sagt Geschäftsführer Remmert. Gegen eine Ringelschwanzprämie, wie sie das Land Niedersachsen an Landwirte ausreicht, die auf das Beschneiden der Tiere verzichten, hätte Remmert nichts einzuwenden. Schließlich sei der Umstieg aufwendig. „Aber ich bin auch der Meinung, dass der Staat nicht überall sein Füllhorn ausschütten muss. Wir müssen als Berufsstand aktiver werden.“

Von Torsten Gellner

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