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Brandenburg Warum die Konjunkturflaute in Brandenburg (noch) nicht durchschlägt
Brandenburg Warum die Konjunkturflaute in Brandenburg (noch) nicht durchschlägt
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11:48 31.07.2019
Gut bezahlte Industriearbeitsplätze wie in Schwarzheide bei BASF sind in Brandenburg rar. Quelle: dpa
Potsdam

Die eingetrübte Konjunktur macht sich auf dem Brandenburger Arbeitsmarkt noch nicht bemerkbar: Zwar ist die Arbeitslosenquote im Juli saisonbedingt leicht angestiegen. Aber der regionale Stellenindex der Arbeitsagentur, der die Nachfrage nach Arbeitskräften abbildet, lag im Juli unverändert wie im Vormonat bei 251 Punkten. Er liegt damit seit einem Jahr stabil auf hohem Niveau.

Das heißt: Die Personalnachfrage ist in Brandenburg unverändert hoch, während sich bundesweit ein Ende des Stellenbooms abzeichnet. Hier ging die Nachfrage nach Arbeitskräften im Juli erneut zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Die Zahl der offenen Stellen sei inzwischen so niedrig wie zuletzt im September 2017.

Es gibt erste Anzeichen für Warnzeichen

Die konjunkturellen Risiken seien trotz der stabilen Zahlen auch in Brandenburg größer geworden, erklärte Matthias Loke, Sprecher der Regionaldirektion der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg. „Allerdings ist Brandenburgs Arbeitsmarkt nicht so stark von der Industrie geprägt.“ Außenwirtschaftliche Risiken, die beispielsweise durch den Brexit und internationale Handelskonflikte für die Automobilindustrie wichtig seien, spielten hier keine so große Rolle.

Es gebe auch in Brandenburg erste Anzeichen für eine Eintrübung. So habe der Beschäftigungszuwachs zuletzt etwas an Tempo verloren und die Nachfrage nach Zeitarbeitern sei rückläufig. Dies sei ein Anzeichen für eine nachlassende Konjunktur, so Loke.

Industriearbeitsplätze sorgen für gute Löhne

Brandenburg hat vergleichsweise wenig Industrie, bestätigte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. „Es ist damit nicht so anfällig für die weltweiten Risiken. Aber ohne einen ausreichenden Anteil an Industrie, wird sich das Land nicht gut entwickeln“, sagte er. Arbeitsplätze in der Industrie seien gut bezahlt und hätten einen Multiplikatoreffekt: Pro Industriearbeitsplatz entstünden in der Folge drei bis zu fünf weitere Jobs etwa im Dienstleistungssektor.

Die Nachfrage nach Arbeitsplätzen ist laut Amsinck in Brandenburg deswegen ungebrochen, weil der Personalbedarf wegen des demografischen Wandels gedeckt werden muss: Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer gehen in den Ruhestand. „Das wissen die Unternehmen und stellen vorsorglich neu ein. Deshalb ist unser Arbeitsmarkt noch relativ stabil“, sagte er.

Breites Wachstum im ganzen Land

Die Wirtschaft in Brandenburg hat in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt, über fast alle Landkreise hinweg. Zwischen 2014 bis 2017 wuchs das Bruttoinlandsprodukt, also die Wirtschaftskraft, in den Kreisen um 3,4 Prozent im Jahr. Die kreisfreien Städte wie Potsdam und Cottbus erzielten sogar ein jährliches Plus von 4,1 Prozent. Am stärksten wuchsen die Kreise Teltow-Fläming, die Uckermark, Oder-Spree und Oberspreewald-Lausitz, teilte das Landesamt für Statistik am Dienstag mit. Einzig in Spree-Neiße schrumpfte die Wirtschaft um 0,3 Prozent.

„Es ist bemerkenswert, dass sich das Wachstum nicht nur auf die traditionellen Spitzenreiter wie Potsdam oder Teltow-Fläming konzentriert“, sagte Christian Amsinck. Viele Kreise haben wirtschaftlich zugelegt. Das zeigt, wie sinnvoll es ist, im ganzen Land für gute Rahmenbedingungen zu sorgen.“

Auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam verwies man auf fehlende Industrie-Arbeitsplätze. „Dem Land fehlt eine breite industrielle Basis“, sagte IHK-Sprecher Detlef Gottschling. „Und wir brauchen eine Außenhandelsstrategie, die den Namen auch verdient. Das muss eine neue Landesregierung als erstes angehen.“

Von Torsten Gellner

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