Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Wie Berlins Straßen zu ihren Brandenburger Namen kamen
Brandenburg Wie Berlins Straßen zu ihren Brandenburger Namen kamen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:15 28.01.2019
In der Bundeshauptstadt sind viele Straßen nach Brandenburger Orten benannt. Quelle: fotor.com/Collage/Neumann
Mitte

Zwei Jahrzehnte nachdem Berlin in Schutt und Asche lag, schießt der Westteil der Stadt in den 1960ern in die Höhe. Altbauten, etwa in Neukölln, droht der Abriss, eine neue Heimat sollen einige der Mieter in einem Retortenviertel am Stadtrand finden. Aber was heißt hier Heimat?

Die Umquartierten werden Teil eines Wohnexperiments. Die Häuserblöcke sollen rund 40.000 Menschen aus unterschiedlichen Milieus beherbergen. Dicht an dicht, aber mit einer Aussicht bis weit in die DDR. Orte, die auf der anderen Seite der Mauer liegen, leihen den Straßen ihre Namen –Borgsdorf, Birkenwerder, Germendorf.

Das Märkische Viertel war geboren

Die neue Siedlung heißt Märkisches Viertel. Mit der Mark hätten sich alle Menschen der Region identifizieren können, sagt Wolf-Borwin Wendlandt, der als junger Architekt an dem Projekt mitarbeitete. „Die Mieter sollten in ihrer neuen Heimat einen Anknüpfungspunkt zur märkischen Landschaft erhalten.“

Das Beispiel beweist, mit Straßen und Plätze symbolisch und politisch aufgeladen werden, wenn sie ihren Namen erhalten. Und es zeigt, wie beliebt es war und ist, brandenburgische Orte als Namenspaten auszuwählen. Als sehr viel kontroverser hat sich der Umgang mit politischen Funktionären und Epochen herausgestellt.

Mehr als nur Personen geehrt

Die Bezirke prüfen kritisch, an wen oder was sie per Blechschild erinnern wollen. Besonders beliebt derzeit: Verdienstvolle Frauen, die den Männer-Überschuss bei den Namensträgern verringern. Die Straßen ehren aber nicht nur Personen, sie sind auch Bauwerken und Berufen, Flüssen und Seen, Naturphänomenen und Sagen, Komponisten und ihren Werken gewidmet – von der Aida-, über die Meteor- bis zur Zimbelstraße, benannt nach einem alten Musikinstrument.

Kleine Schilder mit großer Wirkung

Mindestens 14 000 Straßen und Plätze gibt es in Berlin. In einer neuen Serie stellt die MAZ Straßen vor, die den Namen brandenburgischer Orte tragen. Wir erzählen die Geschichten der Bewohner und recherchieren historische Details.

Milieus prallen aufeinander, das Kiezleben wandelt sich – der Alltag in einer Straße ist ein guter Beweis dafür. Den Berichten stellen wir Fakten über die namengebenden Städte aus Brandenburg entgegen.

In der kommenden Woche geht es um die Zossener Straße in Kreuzberg. Dort gab es das erste Kirchenasyl Deutschlands. Heute finden Obdachlose, die sich kein Grab leisten können, auf dem anliegenden Friedhof ihre letzte Ruhestätte. Ein wichtiger Ort – auch für Menschen, die noch leben und für die die Zossener Straße Heimat bedeutet.

„Häufig wies der Name schlicht auf die Richtung hin, in die die Straße führte“, sagt Martin Mende, Bibliothekar und Archivar des Vereins für die Geschichte Berlins. Ab 1920 galt das Groß-Berlin-Gesetz, das Stadtgebiet wuchs zu einem der größten der Welt an. Auf einmal fanden sich manche Straßennamen zigfach auf der Karte, die Schwedter Straße etwa gab es nun sowohl in Mitte als auch in Lichtenrade.

Viele märkische Namen besonders in Ost-Berlin

Solche Doppelungen traten nochmals nach der Wiedervereinigung 1989/90 auf. In Ost-Berliner Neubaugebieten trugen und tragen besonders viele Straßen die Namen brandenburgischer Städte. Damit seien die Heimatorte der am Bau beteiligten Kombinate gewürdigt worden, sagt Mende – zum Beispiel Neuruppin und Kyritz.

Dass diese Ortsnamen nicht noch einmal verwendet werden sollen, regelt das Berliner Straßengesetz. Dort steht auch, dass als Namensgeber nur Personen infrage kommen, die vor mindestens fünf Jahren gestorben sind. Über den konkreten Fall entscheiden die Bezirksverordneten. „Es sei denn, es gibt eine gesamtstädtische Bedeutung“, sagt Derk Ehlert von der Senatsverwaltung für Verkehr. „Mal angenommen, ein Bezirk würde einen Goebbels-Platz benennen wollen, dann würde der Senat einschreiten.“

Tatsächlich huldigten die Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 etlichen ihrer Anführer mit Umbenennungen. Der Theodor-Heuss-Platz trug den Namen Adolf Hitlers, Berlin-Friedrichshain hieß Horst-Wessel-Stadt. Diese Namen sind Geschichte, die von einstigen Kolonialherren stehen dagegen noch immer auf den Straßenschildern.

Die Sansibarstraße gehört zum Afrikanischen Viertel in Berlin. Hier gibt es um einige Straßennamen Streit. Quelle: dpa

Bald sollen aber mehrere Straßen im Afrikanischen Viertel in Berlin-Wedding ihren Namen verlieren. Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland freut sich darüber: „Nicht nur, dass die Ehrung von Kolonialen Verbrechen endlich ihr Ende findet, es werden endlich auch Menschen geehrt, die sich gegen Kolonisierung, Rassismus und Unterdrückung zur Wehr gesetzt haben.“

Nicht ohne Kritik

Doch die Umbenennung, die nicht überall im Kiez begrüßt wird, ging nicht ohne Pannen vonstatten. Eine Jury schlug vor, eine Straße nach der Königin Nzinga von Ndongo und Matamba zu benennen, die jedoch Tausende von Sklaven an die Holländer verkauft hatte. Nach heftiger Kritik musste die Jury neue Vorschläge vorlegen.

Was noch fehlt, sei die Umbenennung der Mohrenstraße, die Tahir Della schlicht „M-Straße“ nennt und lieber Anton Wilhelm Amo widmen würde. Der erste bekannte Jurist und Philosoph afrikanischer Herkunft kam Anfang des 18. Jahrhunderts als versklavtes Kind nach Deutschland. Das Thema seiner Dissertation: die fehlenden Rechte von Schwarzen in Europa.

Von Maurice Wojach

Fast drei Millionen Euro mehr: Der durch Korruption verursachte Schaden in Brandenburg hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen.

09.12.2018

In Berlin und Brandenburg haben Polizei, Staatsanwaltschaft und Ordnungsamt mehrere Bars und Wohnungen durchsucht. Rund 150 Polizisten waren in Charlottenburg, Wilmersdorf, Wilhelmstadt sowie in Schönfließ im Einsatz.

08.12.2018

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hat mit einem Empfang in der Staatskanzlei die Ehrenamtler in Brandenburg geehrt. Deren Einsatz sei „unglaublich wertvoll“, sagte Woidke in Potsdam.

09.12.2018