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Brandenburg Das ändert sich zum Schulstart in Brandenburg
Brandenburg Das ändert sich zum Schulstart in Brandenburg
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07:26 02.08.2019
Für 22.700 Schüler beginnt nun der Ernst des Lebens. Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB
Potsdam

In Brandenburg beginnt am Montag für rund 292.000 Kinder und Jugendliche das neue Schuljahr. Darunter sind rund 22.700 Erstklässler, die neu eingeschult werden. Auch rund 2000 neue Lehrer treten ihren Dienst an. Es gibt mehr Schulen für das gemeinsame Lernen und mehr digitale Klassenzimmer. Auch um Problemschüler will sich das Land kümmern. Das kommt nach den Sommerferien auf Schüler und Lehrer zu:

54 digitale Klassenzimmer

Das Projekt Schul-Cloud vom Potsdamer Hasso Plattner Institut nimmt langsam Fahrt auf. Die Cloud bietet Schulen ein komplettes digitales Lernsystem, über das Unterrichtsmaterialien und Hausaufgaben ausgetauscht werden können. Das geht ohne App mit jedem Laptop, Tablet oder Smartphone über den Browser. Zum neuen Schuljahr werden insgesamt 54 Schulen an die Cloud angeschlossen.

>>> Ein Überblick über alle Schulen finden Sie hier.

Es ist ein groß angelegter, zweijähriger Test, der im Anschluss ausgewertet wird. In einem Jahr sollen 46 weitere Schulen teilnehmen. „Für die Weiterentwicklung der Schul-Cloud ist die enge Zusammenarbeit mit den Pilotschulen extrem wichtig", sagt HPI-Direktor Christoph Meinel. Von ihren praktischen Erfahrungen und Anregungen würden die Wissenschaftler und Entwickler sehr stark profitieren.

Insgesamt fließen über den Digitalpakt Schule in den kommenden Jahren 167 Millionen Euro an Brandenburgs Schulen. Damit können sie sich mit WLAN ausstatten, Tablets oder digitale Tafeln anschaffen.

30 weitere Inklusions-Schulen

Das sogenannte gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf kommt in Brandenburg voran. Zum neuen Schuljahr öffnen sich 30 weitere Schulen für die Inklusion. Insgesamt gibt es nun 218 Inklusions-Schulen, das ist fast jede dritte öffentliche Schule. Diesen Schulen stehen 441 zusätzliche Stellen zur Verfügung.

Das Land setzt bei der Inklusion weiter auf Freiwilligkeit. Die Schulen können sich für das gemeinsame Lernen bewerben, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). „Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Die Schule entscheidet, wann sie so weit ist.“

Zu den neuen Inklusions-Schulen gehören unter anderem die Zeppelin-Grundschule in Potsdam, die Tschäpe-Grundschule in Mahlow (Teltow-Fläming), die Fontane-Grundschule in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald), die Oberschule Falkensee (Havelland), die Grundschule Beetz (Oberhavel) und die Grundschule Wustrau (Ostprignitz-Ruppin).

Lerngruppen für schwierige Schüler

Es sei zwar nur eine sehr kleine Gruppe, sagt Ernst, aber bei einigen Schülern stießen die Schulen an ihre Grenzen. „Es gibt Schüler, die nicht so einfach zu beschulen sind“, sagt sie. Deswegen soll es künftig in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt zwei „Lerngruppen plus“ für verhaltensauffällige Schüler mit Defiziten in der „emotional-sozialen Entwicklung“ geben.

Mit ihnen sollen Sonderpädagogen und Sozialarbeiter intensiv arbeiten. „Es werden kleine Gruppen, wir erhoffen uns gute Erfolge“, so Ernst. „Das soll aber keine Dauerlösung sein.“ Nach etwa zwei Jahren sollen die Problemschüler dann in der Lage sein, wieder ganz normal eine Schule zu besuchen.

Keine Schulschließungen

Die Zeit der Schulschließungen sei vorbei, sagt Ministerin Ernst. Auch Schulen, die nicht die vorgesehene Mindestschülerzahl erreichen, sollen laut einem Landtagsbeschluss weiter unterrichten dürfen. Davon hatte vergangenes Jahr die Oberschule Glöwen (Prignitz) profitiert, die eigentlich hätte geschlossen werden müssen. „Ich halte das für die richtige Entscheidung“, sagt Ernst. Zwei Schulen wurden neu gegründet: die Schule am Schloss in Potsdam und die private Fachoberschule Blumberg (Barnim).

Rechtschreibung

Der Bildungstrend 2016 brachte für Brandenburg teils ernüchternde Ergebnisse. Ein Drittel der Schüler schafft nicht einmal den Mindeststandard in Deutsch und Mathematik. Bei der Rechtschreibung liegt einiges im Argen: Die Hälfte kommt nicht über die Mindestanforderungen hinaus.

Ministerin Ernst hat daraufhin einen Fünf-Punkte-Plan aufgelegt, der unter anderem vorsieht, dass Rechtschreibfehler in allen Fächern korrigiert werden müssen. Der Plan tritt in diesem Schuljahr nun voll in Kraft.

Unterrichtsausfall bleibt Problem

Wegen der Ruhestandswelle und der gestiegenen Schülerzahlen musste die Lehrerzahl erhöht werden. Die Stellenzahl stieg um knapp 400 auf 19.300. Da einige Lehrer in Teilzeit arbeiten, gibt es insgesamt knapp 20.900 Lehrer.

Weil es damit mehr Personal gibt, geht Bildungsministerin Ernst davon aus, dass es auch keinen größeren Unterrichtsausfall geben wird. „Wir liegen beim Unterrichtsausfall seit Jahren um zwei Prozent, damit bin ich eigentlich zufrieden“, so Ernst. Aber: „Ausfall ist etwa wegen Schwangerschaft einer Lehrerin oder einer Grippewelle nicht immer zu vermeiden.“

Zwei Prozent der Stunden fallen damit ersatzlos aus. Der Vertretungsbedarf lag im Schuljahr 2017/18 jedoch bei 11,2 Prozent. Das heißt: Gut jede zehnte Unterrichtsstunde fand nicht planmäßig statt.

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Von Torsten Gellner

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